Der bürgerliche «Bock»

Der SVP-Politiker Bruno Walliser ist der neue höchste Zürcher. Flankiert wird er von zwei bürgerlichen Frauen. Nächstes Jahr wird das dreiköpfige Parlamentspräsidium, der sogenannte Bock, ganz in Frauenhand sein.

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Das Zürcher Oberland stellt wieder einmal den Präsidenten des Kantonsrats. Der Volketswiler SVP-Kantonsrat und Gemeindepräsident Bruno Walliser ist heute Montagmorgen mit 149 Stimmen zum protokollarisch höchsten Zürcher gewählt worden. Das ist ein eher durchschnittliches Ergebnis. Seine beiden Vorgänger Bernhard Egg (SP) und Jürg Trachsel (SVP) hatten jeweils 166 Stimmen erreicht.

Als erste Vizepräsidentin wurde mit 154 Stimmen Brigitta Johner (FDP) gewählt und – mit 115 Stimmen – als zweite Vizepräsidentin Theres Weber (SVP). Damit ist das Präsidium des Kantonsrats ganz in bürgerlicher Hand. Johner wird das Parlament voraussichtlich im Frühjahr 2014 präsidieren, Weber im Folgejahr. Da mit Barbara Bussmann (SP) in einem Jahr wahrscheinlich eine weitere Frau auf den sogenannten Bock kommt, wird dieser dann zum zweiten Mal gänzlich weiblich dominiert sein. Dies war bereits vor ein paar Jahren der Fall, als Regula Thalmann (FDP), Ursula Moor (SVP) und Esther Hildebrand (Grüne) im Ratspräsidium sassen.

«Mir sind Züri»

Kaminfegermeister Walliser hielt eine selbstbewusste Rede, indem er ausrief: «Mir sind Züri.» Damit wollte sich der 47-jährige SVP-Politiker vor allem abgrenzen. Leuten, die sich eine Fusion mit dem deutschen Bundesland Baden-Württemberg wünschten, um den Fluglärmstreit zu lösen, erteilte Walliser eine Abfuhr. Das wäre unerfreulich, wir wollen unsere Probleme selber lösen, sagte er.

«Handlungsbedarf» ortet Walliser im Hochschulbereich, weil die Zürcher Universität in den internationalen Rankings – im Gegensatz zur ETH Zürich – aus den Topplätzen verbannt wurde. Defizite sieht er auch im Verkehr, weshalb er die Zürcher Bundesparlamentarier aufforderte, sich in Bern geeint für die Anliegen der Zürcher Bevölkerung einzusetzen.

Die Grenzen des Wachstums

In Wallisers Rede waren weitere kritische Untertöne zu hören. Bezüglich Raumplanung und Landschaftsnutzung sagte er: «Das Wachstum hat seine Grenzen.» Zürich solle nicht wie Hongkong oder New York werden. «Wir müssen nicht zu hoch hinaus wollen.» Und bezüglich der Zuzüger zitierte Walliser Goethe: «Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muss die Gegend wieder verlassen, wo sie gelten.»

An seine Ratskollegen gerichtet, äusserte Familienvater Walliser ein paar – wie er meinte – «bescheidene Wünsche». So sollen sie es halten wie die Glarner Landsgemeinde: Sie sollen sich mit gegenseitigem Respekt begegnen. Er wünschte sich ein Amtsjahr ohne raschelnde Zeitungen, ohne Laptops, welche die Sicht versperren, und ohne klingelnde Handys oder iPhones. Letzteres wird wohl ein frommer Wunsch bleiben.

«Ich habe euch jetzt noch ein bisschen lieber»

Der abgetretene Ratspräsident Bernhard Egg (SP), der die Sitzungen ein Jahr lang äusserst souverän und stets mit einer Prise Humor geleitet hat, hielt kurz Rückschau über sein Amtsjahr. 150 Einladungen hat er angenommen, wobei Egg angesichts der vielen Apéros und Festessen nicht ohne Stolz erklärte, sein Anzug passe ihm immer noch. Als Höhepunkte nannte er etwa die Fifa-Verleihung des Ballon d'Or, bei der er in die Nähe der Fussball-Weltstars Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo kam, das Sechseläuten oder die Teilnahme an der Glarner Landsgemeinde am gestrigen Sonntag.

Ebenfalls ein bisschen stolz ist Egg darüber, dass die Traktandenliste des Kantonsparlaments mit gut 120 hängigen Geschäften so kurz ist wie seit langem nicht mehr. Ratspräsidenten werden immer auch an den Stichentscheiden gemessen. Egg hat keinen fällen müssen – und es nicht vermisst, wie er sagte. Seinem Nachfolger will er keine Ratschläge geben. Am Schluss erinnerte sich Egg, dass er sich vor einem Jahr gewünscht hatte, dass er auch am Ende seiner Amtszeit alle Ratskolleginnen und -kollegen immer noch gern hat, und schloss: «Ich habe euch jetzt sogar noch ein bisschen lieber.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.05.2013, 11:43 Uhr

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