Der fast perfekte Mord

Der Fall Gabor Bilkei war einer der spektakulärsten Kriminalfälle. Ob der Tierarzt aber ohne seine Geschwätzigkeit verurteilt worden wäre, ist fraglich.

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Gabor Bilkei, der Ende Jahr im Alter von 71 Jahren verstorbene Tierarzt, war 1999 vom Zürcher Geschworenengericht wegen vorsätzlicher Tötung seiner Frau Heike verurteilt worden. Bilkei hatte die 20 Jahre jüngere Ehefrau vermutlich mit vier Schüssen in den Kopf getötet. Die damals 32-Jährige hatte sich in einen Reitkollegen verliebt. Sie war mit ihren beiden gemeinsamen Kindern aus der Wohnung in Dübendorf ausgezogen, um in der Ferienwohnung in Emmetten im Kanton Nidwalden zu leben. Sie wollte nicht mehr zu ihrem Ehemann zurückkehren.

Am 29. April 1996 erschien Gabor Bilkei in der Ferienwohnung, was später von mehreren Personen bestätigt und von ihm nie bestritten wurde. Danach hörte nie wieder jemand etwas von Heike Bilkei. In der Ferienwohnung fand die Polizei später Blutspuren. Diese waren bereits weggeputzt gewesen, wurden aber mit dem Luminolverfahren wieder nachgewiesen. Luminol ist eine chemische Lösung, die mithilfe von UV-Licht Blut wieder sichtbar macht.

Zuerst sprach Bilkei immer von Lebendversion

Im Sommer 1996 wurde Gabor Bilkei in Untersuchungshaft genommen. Er bestritt immer, seine Frau umgebracht zu haben, doch verhedderte er sich in Widersprüche und tischte unzählige Varianten auf, wo seine Frau sein könnte. Er hielt sich dabei immer an die «Lebendversion». So sprach er einmal davon, dass sie in Südafrika sei, dass sie einen Drogenentzug mache oder mit dem Liebhaber durchgebrannt sei.

Schon vorher hatte er Briefe gezeigt, die Heike angeblich nach ihrem Verschwinden aus Südafrika geschrieben haben soll. Gutachten ergaben aber, dass Gabor Bilkei sie vermutlich selber geschrieben hatte. Belastend war auch die Tatsache, dass Bilkei am Tag der Trennung Zyankali bei einer Firma bestellt, aber nicht bekommen hatte. Er habe dies zur Vergiftung von Mardern gebraucht, begründete er in der Untersuchung.

Im Februar 1997 wurde Bilkei vom Haftrichter aus der Untersuchungshaft entlassen. Kurze Zeit später wurde in einem Waldstück bei Hinwil ein Schädel entdeckt. DNA-Analyse und Gebissvergleich mit Röntgenaufnahmen ergaben: Es war der Schädel von Heike. Der Schädel wies vier Einschusslöcher auf, die Kugeln hatten dasselbe Kaliber wie eine von Bilkeis Pistolen. Der restliche Körper wurde nie gefunden.

Dann war es die Russenmafia

Gabor Bilkei wurde erneut festgenommen und des Mordes angeklagt. Vom Zeitpunkt an, als der Schädel von Heike Bilkei auftauchte, änderte Bilkei seine Strategie: Jetzt war es die Russenmafia, die für den Tod seiner Frau verantwortlich sein sollte. Sie sei im Waffen- und Drogenhandel aktiv gewesen.

Im November 1999 kam es vor dem Geschworenengericht Zürich zum Prozess gegen Gabor Bilkei. Der damalige Staatsanwalt Pius Schmid forderte 18 Jahre Zuchthaus wegen Mordes und Betrugs. Der Prozess dauerte fünf Wochen, weit über hundert Zeugen wurden befragt. So hatte Bilkeis erste Frau am Prozess ausgesagt, ihr Ex-Mann habe ihr gedroht, dass sie bei einem Seitensprung «ihr Leben verwirkt habe». Auch Heike Bilkei hatte gegenüber Freundinnen gesagt, dass man sie im «Sarg hinaustragen würde», falls ihr Mann vom Seitensprung erfahre.

Aufgrund der Indizienkette wurde Gabor Bilkei wegen vorsätzlicher Tötung und Betrugs zu 14 Jahren Haft verurteilt. Bilkei wurde nach Verbüssung von zwei Dritteln seiner Strafe im Januar 2006 freigelassen. Bilkei heiratete wieder und führte mit seiner Frau bis zu seinem Tod Ende 2015 eine Tierarztpraxis in Dübendorf.

Wäre der Schädel nicht aufgefunden worden (Mord ohne Leiche!) und hätte Bilkei immer geschwiegen, wäre eine Verurteilung wohl fraglicher gewesen. Pius Schmid, der inzwischen pensionierte Staatsanwalt, ist allerdings überzeugt, dass schon die zahlreichen übrigen Indizien für einen Schuldspruch gereicht hätten.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.01.2016, 15:24 Uhr

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