Der lächelnde Fels

Markus Kägi ist ein fleissiger Schaffer, kein Erschaffer. Wie kein anderer in der Regierung verkörpert er die konservativen Werte der SVP.

Der ehemalige Ombudsmann Markus Kägi nimmt sich auch heute noch Zeit für jeden besorgten Bürger. Foto: Urs Jaudas

Der ehemalige Ombudsmann Markus Kägi nimmt sich auch heute noch Zeit für jeden besorgten Bürger. Foto: Urs Jaudas

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Fragt man SVP-Baudirektor Markus Kägi nach den Höhepunkten seiner bald achtjährigen Regierungszeit, bereut man die Frage bald: Er zählt Kantonsschuleröffnungen, die Planung des Innovationsparks Dübendorf und den Schwemmholzrechen in der Sihl dazu. Die Rückgewinnung von Dünger aus Klärschlamm fasziniert ihn offenbar genauso wie die Forschungsresultate zum Stoffwechsel von Wiederkäuern. Kein Wunder, beginnt sein Arbeitstag früh: Um 6.25 Uhr trifft Kägi mit der S-Bahn aus Niederglatt am HB ein. Fünf Minuten später sitzt er im Büro am Walcheplatz. Raumplanung, Gewässerschutz, eine Landwirtschaftsschule, 1650 Angestellte, die rund 900 Hochbau-, Tiefbau- und Hochwasserschutzprojekte im Umfang von rund 750 Millionen Franken beackern. «Mein Job ist interessant, weil ich jede halbe Stunde ein anderes Thema auf dem Tisch habe», sagt Kägi. Kritiker sagen, genau das sei sein Problem: Er setze keine Akzente, sei führungsschwach, verzettelt.

Als seinen grössten Erfolg bezeichnet Kägi den kantonalen Richtplan. Das Monsterpapier, entwickelt während sieben Jahren, hat das Parlament im letzten Frühling verabschiedet. Es legt dar, wie sich Verkehrswege, Siedlungen und Institutionen entwickeln sollen. Kägi war früher Ombudsmann. Der beste, den der Kanton je hatte, sagen viele. Kaum in der Regierung, schlug er einen neuen Ton an mit den Gemeinden: Statt einfach zu bestimmen, hat er erst gefragt, wie sie sich ihre Entwicklung vorstellen. Kägi blieb dann trotzdem hart. Er verkleinerte das Siedlungsgebiet, gegen den Willen der Gemeinden. Das brachte ihm Lob von Linken und Grünen ein, auch wenn das Problem damit nur aufgeschoben ist: Bauland wird erst in zwei Jahrzehnten knapp, bis dahin kann gebaut werden wie bisher.

Einer zum Knuddeln

Kägi ist ein guter Zuhörer, hilfsbereit, humorvoll. Er versucht, geduldig eine Lösung zu finden, wo andere längst die Nerven verlieren. Das macht es ihm möglich, die widerstrebenden Interessen in seiner Direktion zusammenzubringen: Denkmalpflege und Raumplanung, Naturschutz und Landwirtschaft.

Doch sein Wesen macht ihm auch viel Arbeit: Der ehemalige Ombudsmann nimmt sich noch heute Zeit für jeden Bürger in Not, der seine Telefonnummer kennt. Respekt und Fairness seien ihm wichtig, sagt Kägi. Politikerkollegen geht das auch mal zu weit: Wenn er einem Ratsuchenden ihre Telefonnummern weitergibt. Wirklich böse ist ihm aber keiner. Kägi sei halt einer zum Gern­haben, heisst es, «ein Bärchen», mit seinen lieben Augen. Einer zum Knuddeln.

Kägi wolle keinem wehtun, sagt Edith Häusler. «Man kann mit ihm einfach nicht streiten.» Die grüne Kantonsrätin in der Kommission für Planung und Bau vermisst die Konfrontation. Mit Kägis SVP-Kollege Ernst Stocker sei das anders. «Der stösst mit einem Entscheid auch mal seine Partei vor den Kopf.» Doch Kägi zucke bloss mit den Schultern, lächle und bewege sich nicht.

Sein am höchsten entwickeltes Werkzeug ist das Spiel auf Zeit: Nach dem Volks-Ja zur Kulturlandinitiative der Grünen verfügte er einen Einzonungsstopp, der Gemeinden und Bauherren wehtat. Zwei Jahre später legte er eine Umsetzungsvorlage vor, die die Regierung selber zur Ablehnung empfahl, was auch geschah. So hebelte er die Initiative zum Ärger der Grünen faktisch aus.

Kritik muss sich Kägi auch für seine Energiepolitik anhören. Das Parlament hat seinen Energieplanungsbericht bereits zum zweiten Mal zurückgewiesen. Doch Kägi will sich partout nicht zum Atomausstieg bekennen. Er vertritt wie kein anderer in der Regierung die Haltung der SVP. Und er lebt sie auch: ein Einfamilienhaus in Niederglatt, sein Hobby die Jagd, seine Frau Marianne hält ihm den Rücken frei. Sie war es, die dafür sorgte, «dass die beiden Kinder gut herausgekommen sind», wie Kägi mit Blick auf seinen seit Jahren vollen Terminkalender sagt. Immerhin, als sein Generalsekretär sich einen Tag Homeoffice wünschte, hatte Kägi nichts dagegen. Gesellschaftspolitisch tickt er etwas liberaler als der Durchschnitt in der SVP. Die Masseneinwanderungs­initiative hat er trotzdem angenommen, die Minarettinitiative auch.

Mehr geduldet als geliebt

Als Beamter, der seit Jahr und Tag im Sold des Staates steht – und es dort, als Geniesser und Gastgeber gern fröhlich und üppig hat –, ist er bei der SVP mehr geduldet als geliebt. Ein Teil der Partei hätte ihn in der neuen Legislatur lieber durch einen Jüngeren ersetzt. Einen, der sich durch Erfolge profilieren will. Keinen Kägi, der tüchtig chrampft, um sich dann an seinem Status zu erfreuen.

Dass man ihm mangelnde Führungserfahrung vorwirft, ärgert Kägi. Als Notar habe er unzählige Firmen liquidiert und harte Entscheidungen getroffen, sagt er, als kantonaler Ombudsmann später ein Team von Juristen geführt und als Baudirektor wenn nötig konsequente Personalentscheide getroffen. Doch: Seine Baudirektion hat Schwierigkeiten mit Grossprojekten. Beim Massnahmenzentrum Uitikon lief die Planung derart aus dem Ruder, dass es 10 Millionen Franken teurer kam. Beim Polizei- und Justizzentrum droht dasselbe: Gebaut wird noch immer nicht, gleichzeitig ist schon jetzt klar, dass es zu klein dimensioniert ist. 18 Monate Verzögerung habe der Kantonsrat zu verantworten, der den Kredit nicht sprechen wollte, sagt Kägi, im Lauf der Zeit hätten sich die Ansprüche verändert. Mag sein, doch hätte nicht der Baudirektor diese Ansprüche auf das richtige Mass zurechtstutzen müssen?

Für Markus Späth, Fraktionspräsident der SP, ist die Ineffizienz in Kägis Direktion das grösste Problem der kommenden Legislaturperiode.

Kägi war einst mit dem Vorsatz angetreten, die Verwaltung bürgerfreund­licher zu machen. Nur: Wenn man die Hürden anschaue, die manche von Kägis Ämtern den KMU in den Weg legten, wundere man sich gelegentlich, dass in der Baudirektion ein Bürgerlicher das Sagen habe, sagt FDP-Fraktionspräsident Thomas Vogel.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.03.2015, 20:54 Uhr

Markus Kägi

Baudirektor

Markus Kägi (SVP) ist seit dem Jahr 2007 Vorsteher der kantonalen Baudirektion. Der 61-Jährige ist im Unterland aufgewachsen. Er schloss seine Lehre auf einem Notariat, Grundbuch- und Konkursamt ab und studierte anschliessend an der Rechtsfakultät der Universität Zürich. Nach dem Erwerb des Zürcher Notarpatents war Markus Kägi Notar-Stellvertreter in Zürich. Von 1986 bis 1994 war er Gemeinderat, von 1991 bis 1996 gehörte er dem Kantonsrat an, den er in der Amtszeit 1995/96 auch präsidierte. Danach und bis zu seiner Wahl in den Regierungsrat 2007 wirkte er als Ombudsmann des Kantons Zürich. Markus Kägi ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er wohnt in Niederglatt und gilt als leidenschaftlicher Jäger. (TA)

Sieben Fragen

Was denken Sie, wenn Sie eine Frau mit Burka sehen?

Ich frage mich, was diese Frau von uns denkt.

Wann sind Sie geizig?

Wenn es um Steuergelder geht.

Geben Sie einer Bettlerin am Hauptbahnhof Zürich Geld?

Ja, manchmal. Es gibt auch einen bedürftigen Menschen, den ich regelmässig unterstütze. Wenn ich sehe, dass eine Organisation dahintersteckt, also die Mafia, dann gebe ich selbstverständlich nichts.

Sollen homosexuelle Paare Kinder adoptieren dürfen?

Nein. Ich bin für grösstmögliche Gleichstellung. Aber hier steht das Wohl des Kindes im Zentrum. Es ist besser, wenn dieses einen männlichen und einen weiblichen Erziehungsberechtigten hat. Man denke daran, wie schwierig es für viele Menschen ist, wenn der Vater oder die Mutter fehlt in der Kindheit.

Haben Sie eine Ferienwohnung, wenn ja, wo?

Ich nicht, aber meine Frau. In Braunwald im Glarnerland. Deshalb mein schöner Teint.

Möchten Sie selbst bestimmen können, wann Sie sterben?

Ja, ich habe als Notar viele Testamente gemacht für todkranke Menschen. Es ist wichtig, dass man in Würde sterben kann. Dazu gehört auch, sagen zu dürfen, wann es Zeit ist.

Wann haben Sie das letzte Mal gelogen und weshalb?

Noch nie (er macht eine Pause). Also jetzt (grinst).

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