Deutsche Fluglotsen könnten so manche Ferienpläne durchkreuzen

Anfang nächster Woche wollen die deutschen Fluglotsen streiken. Dies könnte auch in Zürich zahlreiche Annullationen zur Folge haben.

Geht bald nichts mehr auf den deutschen Flughäfen? Eine Tafel weist im Flughafen Köln annullierte Fluege aus (Archivbild vom 16.04.10).

Geht bald nichts mehr auf den deutschen Flughäfen? Eine Tafel weist im Flughafen Köln annullierte Fluege aus (Archivbild vom 16.04.10). Bild: Keystone

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Mitten in den Sommerferien droht der europäische Luftverkehr zusammenzubrechen. Die deutschen Fluglotsen wollen kommende Woche ihre Arbeit niederlegen. Sie fordern 6,5 Prozent mehr Lohn und mehr Einfluss in der Deutschen Flugsicherung GmbH.

Macht die Gewerkschaft ihre Drohung wahr, könnten laut der Flugsicherung Skyguide in der Schweiz mehrere Hundert Flüge betroffen sein. «Es ist mit zahlreichen Annullierungen zu rechnen», sagt Mediensprecherin Maude Rivière. Der restliche Teil würde über angrenzende Lufträume umgeleitet. Käme es zu einem Streik, wäre voraussichtlich der gesamte Luftraum über Deutschland gesperrt – mit Ausnahme des süddeutschen Luftraums, der von Skyguide kontrolliert wird. Dieser würde weiterhin für Anflüge auf den Flughafen Zürich zur Verfügung stehen.

Swiss bereitet sich vor

Skyguide verfolge die Situation in Deutschland, stehe mit der Deutschen Flugsicherung in Kontakt und bespreche das Vorgehen mit den Partnern in der Schweiz, so etwa mit dem Flughafen Zürich und der Swiss. Ausserdem werde eine allfällige Erhöhung des Personalbestandes vorbereitet, um nach Beendigung des Streiks alle Sektoren zu öffnen und die Kapazitäten im Luftraum zu maximieren. Skyguide hat zudem bereits eine Zusage der Schweizer Luftwaffe erhalten, kurzfristig auf den militärischen Luftraum zugreifen zu dürfen – mit dem Ziel, die am Boden stehenden Flugzeuge nach dem Streik möglichst schnell wieder in die Luft zu bringen und den Normalbetrieb wiederherzustellen.

Die «Financial Times Deutschland» rechnet mit insgesamt 2500 Flügen, die aufgrund des Streiks annulliert werden könnten. Auch die Swiss stellt sich auf den drohenden Streik ein, klärt vorsorglich ab, welche Flüge betroffen sein könnten und welche Umwege allenfalls geflogen werden müssten. «Und unsere Kunden wollen wir möglichst schnell via SMS, Website und Medien über Veränderungen informieren», sagt Mediensprecherin Myriam Ziesack.

Vor Streikbrechern aus der Schweiz müssen sich die deutschen Lotsen nicht fürchten. «Zwar haben unsere Fluglotsen eine international anerkannte Lizenz», so Maude Rivière, «eine Umschulung auf andere Systeme und die Luftraumstruktur in Deutschland würde jedoch bis zu einem Jahr dauern.»

Erster Streikversuch abgesagt

Noch besteht für die Reisenden Hoffnung. Denn einen auf vergangenen Donnerstag angekündigten Streik hatte die Gewerkschaft der deutschen Fluglotsen am Mittwoch abgesagt. Das Arbeitsgericht Frankfurt hatte ihn mit einer einstweiligen Verfügung untersagt.

Das deutsche Flugportal www.fluege.de hat gestern die Löhne deutscher Lotsen publik gemacht. Sie verdienen laut einer Studie vergleichsweise gut. Ihr Jahressalär beträgt durchschnittlich 101'000 Euro. Gemäss der Studie kommen ihre österreichischen Kollegen auf 54'000 Euro. Laut Maude Rivière betrug der Durschnittslohn der Skyguide-Flugverkehrsleitenden im letzten Jahr 167'570 Franken.

Erstellt: 06.08.2011, 15:50 Uhr

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