Die Auszeiten der Kesb

Der Kanton soll den Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden keinen Pikettdienst vorschreiben, wie dies nach dem Fall Flaach verlangt wurde. Das hat der Kantonsrat entschieden.

Eingang zu den Büros der Kesb in Winterthur.

Eingang zu den Büros der Kesb in Winterthur. Bild: Urs Jaudas/Keystone

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Die Empörung war gross, nachdem eine Mutter in Flaach am Neujahrstag ihre zwei Kinder getötet hatte, damit diese nicht wie von der Kesb angeordnet zurück in ein Kinderheim mussten. Warum, fragten sich viele, war die zuständige Kesb nicht auf Pikett? Die ernüchternde Antwort: Es gibt dafür keine gesetzliche Pflicht.

Das wollte der grüne Kantonsrat Max Homberger (Wetzikon) ändern. Der Regierungsrat wäre bereit gewesen, den Vorstoss entgegenzunehmen – der Kantonsrat aber hat heute anders entschieden. Er hat das Postulat mit 93:74 Stimmen abgelehnt.

«Die Feuerwehr kann das auch»

Die Gegner aus FDP, SVP, GLP und EDU argumentierten, es sei von einer Profibehörde wie der Kesb zu erwarten, dass sie auch ohne Vorschrift ein Pikett organisieren könne. «Das tun auch andere Organisationen», sagte Barbara Steinemann, «etwa die Feuerwehr, ja sogar der Tierrettungsdienst.»

Martin Farner (FDP, Oberstammheim) war der Meinung, das Postulat greife zu kurz: «Gefragt ist nicht nur die Kesb, sondern die aufsuchende Tätigkeit beispielsweise der Beistände.» Wenn schon, müsse das System als Ganzes betrachtet werden.

Genau eine solche Gesamtbetrachtung bringe das Postulat, sagte Mitunterzeichner Beat Bloch (CSP, Zürich). Ähnlich argumentierte Markus Schaaf (EVP, Zell): Es gehe um die Frage, was ein Pikettdienst leisten soll – und was er nicht leisten könne. «Beantworten wir diese Frage nicht, so bleibt der Pikettedienst der Joker, der bei jedem schlimmen Ereignis ausgespielt werden kann.»

Erstellt: 02.03.2015, 09:30 Uhr

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