«Die Bäume werden von den Förstern regelmässig beurteilt»

Gestern starben zwei Menschen, als ein Baum auf ihr Auto krachte. Der zuständige Förster erklärt, warum der Baum kein Fall für die Motorsäge war.

Baum stürzt auf Auto bei Dietikon: Rettungskräfte am Unfallort.

Baum stürzt auf Auto bei Dietikon: Rettungskräfte am Unfallort. Bild: Kantonspolizei ZH

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Donnerstagnacht starben zwei Personen, die im Auto auf der Bernstrasse bei Dietikon unterwegs waren, durch einen umstürzenden Baum. Zwei weitere Mitfahrer auf dem Rücksitz wurden verletzt. Laut Daniel Schnyder, Sprecher der Kantonspolizei, stürzte der Baum genau in dem Moment auf die Strasse, als das Fahrzeug dort durchfuhr. «Der Baum landete auf der Motorhaube, und das Fahrzeug wurde weggeschleudert.» Die Insassen hätten kaum eine Möglichkeit gehabt, dem Baum auszuweichen.

Nun stellt sich die Frage, wie es zum Sturz des Baumes kommen konnte. Denn: Laut Heinz Maurer von Meteo Schweiz waren die gestrigen Windböen im Kanton nicht aussergewöhnlich: «Die höchsten Windgeschwindigkeiten massen wir auf dem exponierten Zürichberg mit 80,3 Stundenkilometern.» In tieferen Gebieten hätten sie zwischen 63 und 70 Stundenkilometern betragen. «Das ist nicht extrem. Von fünf Stufen bei der Sturmwarnung gaben wir eine Stufe zwei heraus.» Dass bei diesen Windgeschwindigkeiten ein Baum zu Fall komme, sei äusserst selten. «Es könnte sich aber um einen kranken Baum gehandelt haben.»

Baum war gesund

Dem widerspricht Felix Holenstein, Revierförster in Dietikon: «Es handelte sich um einen gesunden Baum mit stabilem Wurzelstock.» Er selbst habe den Waldabschnitt beurteilt, und es hätte keine Anzeichen dafür gegeben, dass man den Baum hätte fällen müssen. Auch Kantonspolizeisprecher Schnyder bestätigt, dass der Baum gesund gewesen sei.

Die für die Forstwirtschaft zuständige Baudirektion des Kantons Zürich gibt an, es gebe «keine pauschale Antwort auf die Frage, welche Windstärke ein Baum aushält», wie Sprecherin Katharina Weber erklärt. Das hänge von verschiedenen Faktoren ab, «unter anderem von Art und Alter des Baumes, seiner Wuchsform, der Bodenbeschaffenheit und der Lage im Gelände». Auch die Art des Windes, also ob er lokal böig oder stetig sei, spiele eine Rolle. Allerdings kann Weber keine Stellung dazu nehmen, was den Baum in Dietikon zu Fall brachte.

«Höhere Gewalt»

Die Bäume würden aber vom Revierforstmeister zusammen mit dem Kreisforstmeister regelmässig beurteilt, «unter anderem bezüglich Faulstellen oder abgestorbener Kronenteile». Auch schräg stehende oder anderweitig instabile Bäume würden besonders aufmerksam betrachtet. Potenziell gefährliche Bäume würden gekennzeichnet. Jeweils im Winter käme es dann entlang der Kantonsstrassen zu Sicherheitsholzschlägen.

Ein gesunder Baum, heftige, aber nicht aussergewöhnliche Böen und ein Auto, das genau im Moment des Baumsturzes vorbeifährt: Für die Kantonspolizei eine Verkettung unglücklicher Umstände: «Wir gehen von höherer Gewalt aus.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.06.2013, 15:04 Uhr

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