Die Brücke der Angst

Auf den provisorischen Überführungen bei Bellevue und Bürkliplatz ist es stockfinster in der Nacht. Passanten fürchten sich. Darum will die Stadt jetzt nachbessern.

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Mirjam Sigrist ist gut gelaunt nach der Vorstellung im Circus Knie. Doch als sie den Weg vom Sechseläutenplatz an den See einschlägt, über die provisorische Passerelle für Fussgänger, fühlt sie sich nicht mehr so wohl. Ganz im Gegenteil: Es ist stockfinster zwischen den mannshohen Holzwänden auf dem schmalen Steg über der Bellerivestrasse. Sigrist ist ganz allein. Doch dann löst sich gegenüber, am Ende des langen Ganges eine Gestalt aus der Dunkelheit und kommt auf sie zu.

Es ist bloss ein Passant, der wie sie die Strasse überqueren will, nur in die andere Richtung – doch Sigrist fürchtet sich. «Man fühlt sich bedroht da oben, eingeschlossen, ohne Fluchtmöglichkeit», sagt die Frau, die in Wirklichkeit anders heisst, aber anonym bleiben möchte. Sie ist nicht allein mit ihrer Angst: Beim Tiefbauamt, der Polizei und der Dienstabteilung Verkehr der Stadt, ist das Anliegen bekannt. Gemäss Heiko Ciceri von der Dienstabteilung Verkehr sind deshalb beim EWZ Abklärungen im Gang, wie sich die bedrohliche Situation auf den Passerellen an Bellevue und Bürkliplatz beheben liesse. Das EWZ ist für die Beleuchtung auf Stadtgebiet zuständig.

Hohe Holzwände gegen Ausflugstouristen

Die ungewöhnlich hohen Seitenwände, die auf den Fussgängerbrücken hoch über Bürkli- und Sechseläutenplatz ein beengendes Gefühl aufkommen lassen, stehen aber nicht zur Diskussion. Sie sollen absichtlich die Sicht einschränken. «Damit die Passanten da oben nicht stehen bleiben, die Aussicht auf See und Berge geniessen und das Treiben rund ums Zirkuszelt beobachten», wie Ciceri erklärt. Die Fussgänger sollen sich möglichst schnell über den Steg bewegen. Allzu gemütlich soll es auf den Brücken also nie werden.

Die Fussgängerüberführungen sind Teil der provisorischen Verkehrsführung während der Sanierung von Quaibrücke und Bellevue. Gemäss Dienstabteilung Verkehr ist bis Ende November mit den veränderten Bedingungen für alle Verkehrsteilnehmer zu rechnen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.05.2015, 11:07 Uhr

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