«Die Buben geraten noch mehr ins Hintertreffen»

Die Promotoren der Prima-Volksinitiative halten die Idee der Grundstufe weiter für sinnvoll. Anders die SVP.


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Grundstufenkinder reifen nicht zu besseren Schülern als Kindergärtler, wie eine Studie zeigt. Auf diesen Befund reagieren Zürcher Bildungspolitiker unterschiedlich. SP-Kantonsrätin Karin Maeder (Rüti), Promotorin der Prima-Volksinitiative, hält die Idee der Grundstufe weiter für sinnvoll. Dank des altersdurchmischten Lernens seien die Kinder «sozial früher kompetent», sagt sie. «Die Kleinen lernen von den Grossen und umgekehrt.»

Zudem verschwinde die Stigmatisierung, unter der «langsam lernende» Schülerinnen und Schüler zu leiden hätten. Ein letzter Vorteil, so Maeder, liege in der Entlastung des Lehrpersonals, da in der Grundstufe zwei Lehrerinnen oder Lehrer für eine Klasse verantwortlich seien.

Einheitliche Lösung gefordert

Der Gegenvorschlag der FDP fällt bei Maeder auf der ganzen Linie durch: «Es braucht eine einheitliche Lösung.» Dem widerspricht FDP-Kantonsrätin Sabine Wettstein (Nänikon). Ihrer Ansicht nach soll jede Gemeinde aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen entscheiden, ob sie auf das Modell Kindergarten oder Grundstufe setzt. Sie sieht keinen Anlass, dass der Freisinn seinen Gegenvorschlag zur Prima-Volksinitiative zurückzieht.

Doch der Widerstand gegen die Forderung der FDP ist beträchtlich. EVP-Präsident Johannes Zollinger warnt wie Maeder vor einem Flickenteppich. Er hält am Modell der Grundstufe fest, macht aber angesichts der angespannten Finanzlage beim Kanton ein Fragezeichen hinter die Realisierbarkeit: «Wer soll die neuen Schulräume bezahlen?»

Mit beiden Stossrichtungen nichts anfangen kann SVP-Kantonsrat Matthias Hauser (Hüntwangen). Vom altersdurchmischten Lernen würden in der Tendenz die Mädchen profitieren, da sie besser selbstständig lernen könnten als die Knaben, «die mehr Wettbewerb brauchen». «Die Buben geraten deshalb noch mehr ins Hintertreffen als heute.» Zudem, befürchtet Hauser, bliebe es bei einer Annahme der Prima-Initiative nicht beim altersdurchmischten Lernen in der Grundstufe. «Dieses Modell würde auf die Primarstufe ausgedehnt, der traditionelle Klassenverband mit seinem festen Gefüge würde aufgelöst.» Dies sei das Ziel der Linken. Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.06.2010, 16:54 Uhr

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