Die Bundesratsfrage lacht er weg

Daniel Jositsch nimmt sich für die Nachfolge von Markus Notter aus dem Rennen. Tagesanzeiger.ch fragt nach den Hintergründen seines Entscheids und konfrontiert ihn mit der Bundesratsfrage.

«Sie sprechen ein Image an, das die Medien geprägt haben und wenig mit der Realität zu tun hat»: SP-Nationalrat Daniel Jositsch.

«Sie sprechen ein Image an, das die Medien geprägt haben und wenig mit der Realität zu tun hat»: SP-Nationalrat Daniel Jositsch. Bild: Doris Fanconi

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Herr Jositsch, Sie sagten der NZZ, dass Sie auf eine Regierungsratskandidatur verzichten, weil Sie sich auf den Kampf gegen die Ausschaffungsinitiative der SVP konzentrieren wollen. Kann das nicht auch jemand anderes übernehmen?
Doch. Das ist ja auch nicht der Hauptgrund. Ich bin erst seit drei Jahren im Nationalrat und möchte noch auf der nationalen Ebene aktiv bleiben. Ausserdem mag ich meinen Job an der Uni sehr. Es war ein 49-zu-51-Prozent-Entscheid. Mit Mario Fehr kandidiert schon jemand, der ein hervorragender Regierungsrat sein würde.

Man hatte bei Ihrer bisherigen politischen Karriere das Gefühl, Sie würden nie eine Chance auslassen. Sie stiessen innerhalb kürzester Zeit vom Stäfner Schulpflegepräsidenten über den Kantonsrat in den Nationalrat vor. Weshalb nutzen Sie nun diese Chance nicht?
Sie sprechen ein Image an, das die Medien geprägt haben und wenig mit der Realität zu tun hat. Ich frage mich, wie man auf die Idee kommt, dass ich nie eine Chance ausgelassen habe. Nun muss ich Sie halt enttäuschen und entgegenhalten: Ich war bisher stets da, als die Chancen klein waren. Nun wäre die Chance gross. Im letzten Herbst, als es um die Fuhrer-Nachfolge ging, trug ich den Entscheid der Partei für eine eigene Kandidatur massgeblich mit. Es ging darum, eine linke Alternative zum SVP-Kandidaten aufzustellen. Ich sagte mir: Wenn es niemand macht, mach ich das.

Liessen Sie sich von der Partei verheizen?
Das hat damit nichts zu tun. Es war gut für mich, die Erfahrungen des Wahlkampfs zu machen, und richtig, dass die SP angetreten ist. Ich habe das gerne gemacht und schon damals gesagt, dass ich nicht zwingend noch ein zweites Mal kandidieren muss.

Hat Ihnen die Partei also diesmal geraten, nicht anzutreten?
Nein, im Gegenteil. Insbesondere der Präsident hat signalisiert, dass er es gerne sehen würde, wenn beide – Mario Fehr und ich – ins Rennen steigen.

Als Markus Notters Nachfolge hätten Sie möglicherweise Justizdirektor werden können. Hätte Sie das nicht gereizt?
Das wäre sicher ein sehr interessantes Ressort gewesen. Ich hätte aber auch ein anderes gemacht. Man muss im Leben nicht immer das Gleiche machen. Ich hätte auch gerne die Wirtschaft, die Bildung oder die Sicherheit übernommen. Das war sicherlich nicht der Grund, dass ich nun nicht kandidiere.

Einigen Parteigenossen wären Sie beim Thema Sicherheit wohl zu repressiv gewesen.
Das kann ich nicht beurteilen. Aber es mag sein, dass einige Mario Fehr vorgezogen hätten, weil wir da unterschiedliche Meinungen haben. Aber unser politisches Profil ist ja grundsätzlich sehr ähnlich. Die Unterschiede sind marginal.

Andere hätten Ihnen mangelnde Exekutiverfahrung vorgeworfen.
Es liegt in der Natur der Sache: Wollen sie einen mit mehr Erfahrung oder den jüngeren Kadidaten? Ausserdem war ich sechs Jahre Schulpräsident in Stäfa. Das ist mit Mario Fehrs Arbeit als Adliswiler Stadtrat vergleichbar. Das wäre für mich also kein Grund gewesen, nicht zu kandidieren.

Könnte es sein, dass Sie gegen Mario Fehr chancenlos geblieben wären?
Nein, ich glaube, die Chancen wären fünfzig zu fünfzig gewesen. Es wäre absurd, wenn ich jetzt ausgerechnet, wenn die Chancen grösser gewesen wären als im letzten Herbst, mich nicht der Auseinandersetzung gestellt hätte. Es waren andere Gründe ausschlaggebend.

Im Juni sagten Sie noch: Ich stehe grundsätzlich bereit. Nun wollen Sie nicht mehr. Hat das damit zu tun, dass in der Zwischenzeit der Bunderatssitz von Moritz Leuenberger frei geworden ist?
(Lacht laut) Zu solchen Mutmassungen nehme ich keine Stellung.

Erstellt: 09.08.2010, 13:17 Uhr

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