Die Eskapaden des höchsten Opfikers

Er zertrümmert «aus Plausch» eine Türe, zersägt in einer «politischen Aktion» sein Balkongeländer und präsidiert den Gemeinderat von Opfikon. Jetzt droht dem GLP-Mann Urs Wager der Parteiausschluss.

Aus der GLP austreten will er nicht: Oppfiker Ratspräsident Urs Wagner.

Aus der GLP austreten will er nicht: Oppfiker Ratspräsident Urs Wagner. Bild: Esther Salzmann

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Der grösseren Öffentlichkeit bekannt geworden ist Urs Wagner nach seiner 1.-August-Rede vor dem Rathaus in Opfikon, die für Irritation gesorgt hatte. Damals sprach der Grünliberale (GLP) in glitzernden weissen Schuhen davon, dass die Ansiedlung nicht weisser Menschen in die Schweiz abgelehnt werden müsse. Zudem wetterte er gegen «Kryptomarxisten», welche die «Classe politique» westlicher Staaten infiltrieren würden. Nun sorgt der 44-jährige Physiker für weitere Schlagzeilen. Laut «SonntagsBlick» erschien die Polizei in seiner Wohnung und beschlagnahmte einen Hammer. Denn Urs Wagner hatte Anfang August mit dem groben Werkzeug «aus Plausch» eine Kellertür zertrümmert. Zudem hatte er sich mit einem Seil vom Balkon abgeseilt, in den Balkon mit einer Bohrmaschine Löcher gebohrt und mit einer Metallsäge das Geländer angesägt. Dies sei «quasi eine politische Aktion» gewesen, weil die Wohnung völlig überteuert sei, wie Wagner in einem Mail an den TA schreibt. Die Wohnung wurde ihm inzwischen fristlos gekündigt, er wohnt jetzt bei den Eltern.

Nach Drohung kam die Polizei

Nachdem der Politiker dem Schweizer Fernsehen zwei Mails geschickt hatte, in denen er noch einen «Kraftsatz wie ‹Jetzt knallts›» hinzugefügt hatte, wurde dies als Drohung aufgefasst. Wagner wurde auf dem Polizeiposten verhört. «Anscheinend habe ich hier einen empfindlichen Nerv getroffen», schreibt er und fügt bei: «Ich habe den Eindruck, die Zürcher Polizei ist übermotiviert.»

Bei der GLP will man sich zu den Eskapaden ihres Mitgliedes nicht äussern. Tiana Angelina Moser, Nationalrätin und Co-Präsidentin der Zürcher Grünliberalen, sagt, dass man die «schwierige Situation» zuerst intern sauber klären wolle. Am nächsten Freitag werde man über den Fall diskutieren und danach die Öffentlichkeit informieren.

Wagner leitet heute Abend die Parlamentssitzung

Wagner will nicht aus der Partei austreten, wie dies der Vorstand der Kantonalpartei nach seiner 1.-August-Rede verlangt hatte. «Ich habe die Rücktrittsaufforderung abgelehnt und lasse mich überraschen, was der Vorstand beschliesst.» Er soll heute Abend die Sitzung des Ratsbüros leiten, das die nächste Parlamentssitzung vorbereitet.

Ob Wagner weiterhin das 36-köpfige Stadtparlament präsidieren wird, ist noch offen. Amr Abdel Aziz, SP-Fraktionschef, ist der Ansicht, dass Wagner unter diesen Umständen den Gemeinderat nicht weiter präsidieren kann. Man werde mit der GLP und den anderen Fraktionen darüber reden.

Nachbarn beschreiben den 44-jährigen Physiker, der bis zur Kündigung Ende August mit seinem Bruder zusammengewohnt hat, als eigenbrötlerisch und verschlossen. Anscheinend befindet sich der Mann in einer Lebenskrise, hat er doch auch seinen Job verloren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.09.2010, 11:12 Uhr

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