Die GLP wittert ihre Chance auf einen Stadtratssitz

Dass Doris Fiala für ihr Mandat bei der Aids-Hilfe Prügel einstecken muss, freut die GLP. Sie will auf Kosten der FDP in die Zürcher Stadtregierung einziehen.

Grund für Schadenfreude: Doris Fiala im Nationalrat.

Grund für Schadenfreude: Doris Fiala im Nationalrat. Bild: Keystone

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Bei den Grünliberalen herrscht leise Schadenfreude. Grund dafür ist Doris Fiala. Die FDP-Nationalrätin, so der Tenor in der GLP, habe ihre Chancen auf einen Einzug in den Stadtrat massiv geschmälert, weil sie wegen ihres Honorars bei der Aids-Hilfe Schweiz in die Kritik geraten ist. Die Rede ist von einem Imageschaden für die FDP. Fiala will sich zu ihrer möglichen Kandidatur nicht äussern (TA von gestern). Offen ist zudem, wann Stadtrat Martin Vollenwyder (FDP) zurücktritt – ob frühzeitig, am Ende der Legislatur 2014 oder später.

Gleichwohl gehen die Grünliberalen bereits in Stellung. Nach der Kontroverse um Fialas Aids-Hilfe-Mandat wittern sie mehr denn je die Chance, zur Regierungspartei zu werden. Der Freisinn hält 17 Sitze im Stadtzürcher Parlament, die GLP deren 12 – ein Abbild der Stärke bei den Gemeinderatswahlen 2010. Bei den Nationalratswahlen im letzten Herbst hingegen stimmten in der Stadt Zürich bereits 12,2 Prozent der Wähler für die GLP und nur noch 10,8 für die FDP. GLP-Fraktionschef Gian von Planta folgert daraus: «Unser Anspruch auf zwei Sitze im Stadtrat ist mindestens so gross wie jener der FDP.»

Freisinn will kämpfen

Zu möglichen Kandidaturen will sich von Planta nicht äussern. Infrage kommen nebst ihm selber Nationalrätin Tiana Moser, Kantonsrätin Michèle Bättig oder Martin Luchsinger, Co-Präsident der Stadtzürcher GLP. Offen lässt von Planta, ob seine Partei erst 2014 zu den Gesamterneuerungswahlen antreten wird oder früher, sofern Vollenwyder einen Einzelabgang während der laufenden Legislatur vorzieht.

Für den Freisinn steht viel auf dem Spiel. 1982 scharte die FDP noch fast 25 Prozent der Stadtzürcher Wähler hinter sich, seither kämpft die Partei gegen ihren Niedergang. An ihrem Selbstverständnis gekratzt hat nicht zuletzt der Verlust des Sitzes von Kathrin Martelli an die Grünen vor zwei Jahren. Eine weitere Niederlage in einer Exekutivwahl wäre «bitter», zumal der Sitz Vollenwyders womöglich für immer verloren wäre, wie es ein prominentes FDP-Mitglied formuliert.

Mögliche Dreierkandidatur

Entsprechend kämpferisch gibt sich FDP-Präsident Michael Baumer. Dass die Partei ihre zwei Regierungssitze verteidigen will, ist für ihn selbstverständlich. Baumer kann sich sogar eine Dreierkandidatur vorstellen. Es brauche im rot-grünen Stadtrat ein bürgerliches Korrektiv, sagt er. Die Grünliberalen seien dies nicht, da sie zu links politisierten.

Dass der als eigenwillig geltende Vollenwyder seine Partei mit einem wilden Rücktritt überraschen könnte, schliesst Baumer aus. Die langfristige Personalplanung erfolge in Absprache mit den Stadträten. Keine Stellung nimmt Baumer zur Frage, bei welcher Konstellation er sich mehr Chancen für den Sitzerhalt ausrechnet: bei einem Einzelrücktritt während der Legislatur oder im Rahmen der Gesamterneuerungswahlen im Frühjahr 2014.

FDP-Frauen gewappnet

Bereits gewappnet für den Wahlkampf zeigen sich die FDP-Frauen der Stadt Zürich. «Wir sind bereit, wenn es soweit ist», sagt Präsidentin Ursula Uttinger. Die FDP-Frauen hätten bereits nach den letzten Wahlen mit der Suche nach geeigneten Kandidatinnen begonnen. Gemischte FDP-Teams in der Exekutive seien erfolgreich, sagt Uttinger mit Verweis auf die Regierungsräte Thomas Heiniger und Ursula Gut.

Gespräche geführt hat Uttinger nicht nur mit Fiala, sondern auch mit der Stadtzürcher Kantonsrätin Carmen Walker Späh und Vera Lang, der Präsidentin des Schulkreises Glattal. Alle drei Frauen seien mit der städtischen Politik vertraut und würden sich für ein Regierungsmandat hervorragend eignen, ist Uttinger überzeugt. Walker Späh sagt auf Anfrage, sie würde sich eine Kandidatur «ernsthaft überlegen». Lang war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.03.2012, 11:06 Uhr

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