Die Limmat fliesst jetzt mitten durch den Wald

Die Limmatauen Werdhölzli gelten als Vorzeigeprojekt für die Verbindung von Hochwasserschutz, Natur und Erholung. Unzufrieden sind die Hundehalter, weil sie ihre Tiere an die Leine nehmen müssen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie hat sich ziemlich breit gemacht zwischen dem Höngger Stauwehr und der Autobahnbrücke bei Oberengstringen – die Limmat. Dieser Abschnitt ist kein langweiliges Wasserband mehr, sondern ein ausufernder und dynamischer Strom. «Die Limmatauen Werdhölzli sind ein Vorzeigeprojekt für die Verbindung von Hochwasserschutz, Ökologie und attraktiver Flusslandschaft geworden», sagt Matthias Oplatka, der Leiter Sektion Bau beim Awel.

An ihrer breitesten Stelle, kurz vor der Autobahnbrücke in Oberengstringen, sind vier künstliche Steininseln entstanden, die den Fischen als Laichplätze dienen. Die Gestade sind dort flacher geworden, sodass das Hochwasser in den Auenwald eindringen kann. «Wir wollten dem Fluss möglichst viel Raum geben, und er darf sich ruhig auch in den Wald ausbreiten», sagt Oplatka. Dadurch werde die Auenlandschaft laufend verändert, und es entstehe neuer Lebensraum für Vögel, Fledermäuse, Amphibien, Fische und Pflanzen. «Die Limmat ist jetzt ein lebender Fluss mit einer Dynamik», sagt Oplatka.

320 Meter langer Erlebnissteg

Der Kanton Zürich hat auf einem 1,8 Kilometer langen Abschnitt den 130 Jahre alten Hochwasserschutz erneuert. So sind jetzt die Grünau, das Sika-Areal, die Kläranlage Werdhölzli sowie die Gemeinde Oberengstringen besser vor Hochwasser geschützt. Zudem verbesserte man die Zugänge zur Limmat, und der Fischerweg, der links der Limmat stadtauswärts führt, wurde für Fussgänger und Velofahrer verbreitert. Orientierungstafeln geben Interessantes über Flora und Fauna preis. Um den Auenwald aus der Nähe betrachten zu können, baute man einen 320 Meter langen Holzsteg, dessen Material aus städtischen Wäldern besteht. Von diesem Erlebnissteg aus könne man mit «offenen Augen und Sinnen entdecken, was hier lebt und wächst». Den Steg entlang hängen Fledermauskästen in den Bäumen.

Nach knapp einem Jahr Bauzeit werden die Limmatauen Werdhölzli nächsten Samstag offiziell der Bevölkerung übergeben. Sie gehören zum kantonalen Massnahmeplan Wasser und zum Landschaftsentwicklungskonzept Limmatraum Stadt Zürich. An den Kosten von 9,4 Millionen Franken beteiligten sich die Stadt Zürich, der Naturemade-star-Fonds des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (EWZ), der WWF in Kooperation mit der Zürcher Kantonalbank sowie der Bund. Ruedi Bösiger, Projektleiter beim WWF: «Platz ist für unsere Flüsse und Gewässer sehr wichtig, damit sie ihre Struktur selbst erschaffen können.» Dies sei in den Limmatauen sehr gut gelungen.

Leinenpflicht bereits verfügt

Neu wird in den neuen Limmatauen, auf dem Werdspitz und dem Fischerweg Leinenpflicht gelten. Damit will Grün Stadt Zürich der Konfliktgefahr zwischen den verschiedenen Nutzern begegnen. Die entsprechenden Schilder sind bereits montiert worden. Das Verbot wird allerdings noch nicht durchgesetzt, da es dafür noch keinen rechtskräftigen Erlass gibt. Die Behörden rechnen aber demnächst damit, sodass die Schilder nicht mehr entfernt werden.

Weshalb sind die Schilder überhaupt schon aufgestellt worden? Grün Stadt Zürich räumt ein, dass dies nicht korrekt gewesen sei und bittet die Hundehalter um Entschuldigung.

Bereits heute gilt in der Badeanstalt, auf dem Sportfeld und im Familiengartenareal auf der Werdinsel ein Zutrittsverbot für die Hunde. Hinzu kommt das Vogelschutzreservat: Auch hier müssen Hunde draussen bleiben.

Die Hundehalter sind über die neue Leinenpflicht gar nicht erfreut. Bereits im August hatten sie sich mit einer Petition dagegen gewehrt.

Einweihungsfest Limmatauen Werdhölzli, Samstag, 21. September, Werdinsel, 11–17 Uhr. www.auenpark.zh.ch.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.09.2013, 07:34 Uhr

Artikel zum Thema

Die Abfallsammler von der Werdinsel

Noch nie besuchten so viele Badelustige die Werdinsel wie in diesem Sommer. Für die Bademeister bedeutet das unangenehme Zusatzarbeit – weil viele den Müll einfach liegen lassen. Mehr...

«Die Velofahrer halten sich nicht an die Umleitung»

Just zum Start der Badesaison ist der direkte Radweg zur Werdinsel entlang der Limmat unterbrochen. Die Baustelle für den neuen Auenpark versperrt den Weg. Mehr...

Werdinsel: Familien, FKK und Toleranz

Stadtblog In unserer Serie über Zürcher Badis besuchte unser Autor die Badi auf der Flussinsel Werd. Und offenbar fand er eines der entspanntesten, heterogensten Schwimmbäder der Stadt. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Neue Perspektiven der Schweiz erleben

Die Air Zermatt AG und der Autovermieter Hertz sorgen für eine sichere und erlebnisorientierte Mobilität, die neue Perspektiven eröffnet.

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Volle Lippen: Indische Künstler verkleiden sich während des Dussehra Fests in Bhopal als Gottheit Hanuman. (19.Oktober 2018)
(Bild: Sanjeev Gupta/EPA) Mehr...