«Die Maschinenpistole» ist zurück

Der umstrittene kroatische Sänger Marko Perkovic, der sich nach einer Waffe «Thompson» nennt, soll in Schlieren auftreten. Das sorgt für Unruhe.

«Thompson» Perkovic geizt bei seinen Auftritten nicht mit nationalistischen Gesten.

«Thompson» Perkovic geizt bei seinen Auftritten nicht mit nationalistischen Gesten. Bild: Wikimedia

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Er verherrlicht in seinen Liedern das faschistische Ustascha-Regime, das in Kroatien während des Zweiten Weltkriegs herrschte. Und er besingt den Kampf gegen die Serben. Marko Perkovic, Künstlername Thompson – benannt nach einer Maschinenpistole, die er während des Balkankriegs in den 1990er Jahren selbst benutzte – gibt am 3. September in der Sporthalle Unterrohr in Schlieren ein Konzert.

Das blieb nicht unbemerkt. Die Jungsozialisten (Juso) haben dem Schlieremer Stadtrat einen Protestbrief geschickt, wie die NZZ berichtet. «Offen zur Schau getragener Rassismus ist in einer demokratischen Gesellschaft wie der Schweiz unzulässig und schürt Wut und Hass», schreiben die Juso. An Konzerten des 49-jährigen Sängers komme es immer wieder zu faschistischen Manifestationen und Verherrlichungen des Ustascha-Regimes.

Schlieren gegen Auftrittsverbot

Die Juso fordern ein Konzertverbot für Perkovic, unterstützt vom Osteuropa-Historiker Stefan Dietrich, der einen Auftritt für «bedenklich» hält. «Es kann nicht sein, dass in der Schweiz ein solcher Sänger unkritisch und unkommentiert auftreten kann», so Dietrich, der auch Präsident der SP Bremgarten-Zufikon ist, gegenüber der NZZ.

Doch der Schlieremer Sicherheitsvorsteher Pierre Dalcher (SVP) will vorerst nichts davon wissen. Eine Konzertabsage hält er gemäss der Zeitung «nach heutigem Wissensstand für unverhältnismässig». Man werde den Anlass aber beobachten.

Perkovic wurde 2009 die Einreise verweigert

Es ist nicht das erste Mal, dass Perkovic für Unruhe in der Schweiz sorgt. Ein angekündigter Gig in Kriens kam 2009 nicht zustande, weil ihm der Bund die Einreise verweigerte. Das hatte gar ein diplomatisches Nachspiel. Der kroatische Aussenminister protestierte beim Schweizer Botschafter, was wiederum dem damaligen kroatischen Präsidenten Stjepan Mesic nicht gefallen hat.

Anders verlief ein Auftritt am 5. Dezember 2015 in Fribourg. Perkovic durfte einreisen und das Konzert geben – überwacht von der Polizei. (pu)

Erstellt: 18.07.2016, 07:52 Uhr

Artikel zum Thema

US-Rapper des Landes verwiesen

Der Rapper Necro kassierte nach der Schlägerei im Zürcher Club Komplex 457 ein dreijähriges Einreiseverbot – und brüstet sich damit. Mehr...

Dieudonnés «umgekehrter Hitlergruss» in Nyon

Der umstrittene französische Komiker trat zum ersten Mal in der Schweiz auf – und provozierte. Auch die Königin von England bekam ihr Fett weg. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Nacktbaden: TeilnehmerInnen des Dark Mofo Sommersonnenwenden Nackschwimmens stürzen sich in den Fluss Derwent im australischen Hobart. (22.Juni 2018)
(Bild: Rob Blakers/EPA) Mehr...