«Die Mitarbeiter waren geschockt»

Markus Ryffel sagt, weshalb er und sein Bruder die Firma Ryffel Running an die Migros verkauft haben und wie es in Zukunft weitergeht.

«Es ist eine Frage der Zeit, bis es Laufschuhe aus dem 3-D-Drucker gibt»: Der Migros-Genossenschaftsbund schliesst im Herbst die beliebten Sportgeschäfte von Markus Ryffel. Foto: Beat Marti

«Es ist eine Frage der Zeit, bis es Laufschuhe aus dem 3-D-Drucker gibt»: Der Migros-Genossenschaftsbund schliesst im Herbst die beliebten Sportgeschäfte von Markus Ryffel. Foto: Beat Marti

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Seit vier Jahren hält die Migros die Aktienmehrheit an Ryffel Running und damit an den beiden Sportgeschäften in Uster und Bern. Schon damals war klar, dass die Übergangsfrist nach vier Jahren zu Ende ist und der Migros-Genossenschaftsbund sämtliche Aktienanteile übernimmt. War das Ende der beiden Läden bereits vor vier Jahren absehbar?
Nein. Wir gingen davon aus, dass die zwei eigenständigen Filialen in Uster und Bern erhalten bleiben und weiterhin als Vorbild und Ausbildungsstätten dienen.

Der Entscheid, die Geschäfte dennoch zu schliessen, kam für Sie also überraschend?
Unerwartet und schneller als gedacht. Sie bleiben aber noch bis im Herbst geöffnet.

Warum schliesst die Migros die beiden eigenständigen Filialen?
Das Konzept «Ryffel Running by Sport XX» ist sehr erfolgreich und wird nun auf die ganze Schweiz ausgedehnt. Bern und Uster haben in diesem Konzept keinen Platz.

Haben die beiden eigenständigen Filialen denn nicht rentiert?
Doch. Umsatz und Rendite stimmten. Aber man muss auch immer in die Zukunft blicken. Für die Kleinen wird es immer mehr zur Herausforderung mitzuhalten, und der Zeitgeist ist heute ein anderer als vor zehn Jahren. Es ist eine Frage der Zeit, bis es Laufschuhe aus dem 3-D-Drucker gibt. Diese Entwicklung als KMU mitzumachen, ist äusserst schwierig.

Wie viel Geld bekamen Sie von der Migros?
Das möchte ich nicht sagen. Der Kaufpreis war aber nicht ausschlaggebend. Die Migros war nicht die Meistbietende. Wir haben uns für sie entschieden, weil sie sich ihrer Verantwortung als Sozialpartner bewusst ist. Ausserdem hat sie bereits in den letzten vier Jahren gutes Geld in die Weiterführung und Weiterentwicklung unseres Konzepts und unserer Philosophie investiert. Grosse Investitionen, wie die Entwicklung des Fussanalysegeräts, wären für uns als KMU gar nicht mehr möglich gewesen.

Wie haben Ihre Angestellten auf die Neuigkeit reagiert?
Im ersten Moment waren sie geschockt. Ich bin aber sehr froh, dass für die betroffenen Mitarbeitenden innerhalb der Migros-Gruppe nach Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten gesucht wird.

Ihre Mitarbeiter sind aber Spezialisten und sollen jetzt zu einem Generalisten wechseln. Das ist nicht dasselbe.
Wir sprechen hier von David und Goliath. Man kann die Kultur in einem Grossunternehmen nicht mit einem KMU vergleichen. Aber die Migros hat auch ganz klar Ja zu unserer Philosophie gesagt. Diese lebt nun auch durch unsere ehemaligen Angestellten in der Migros weiter.

Sie erwähnen oft die Ryffel-Philosophie. Worin besteht diese?
Hochkompetente, persönliche Beratung sowie das innere Feuer für den Laufsport.

Kunden befürchten, dass genau diese kompetente und auf Laufsport spezialisierte Beratung durch die Schliessung der beiden Filialen verloren geht.
Die 80 Mitarbeiter, die in den 13 bereits bestehenden Ryffel Running by Sport XX arbeiten, sind alle durch meine Hände gegangen. Sie haben ihr Know-how und die Philosophie in einem unserer Shops gelernt. Ich sehe in den Sport-XX-Filialen, dass sie ihr Handwerk verstehen. Ich bin überzeugt, dass die Stammkundschaft ab Herbst 2015 auch bei Ryffel Running by Sport XX die Beratung bekommt, die sie aus den Filialen in Uster und Bern kennt.

Wie geht es bei Ihnen weiter?
Mir wird die Arbeit definitiv nicht ausgehen. Ich werde mich weiterhin dem Zeitgeist entsprechend für den Laufsport einsetzen, zum Beispiel für den Survival Run in Thun . Selbstverständlich nehme ich gerne weiterhin innerhalb der Ryffel Running by Sport XX meine Coaching-Funktion wahr.

Erstellt: 24.02.2015, 16:35 Uhr

Markus Ryffel

Der 60-Jährige stand in seiner Karriere auf einigen Podesten. 1984 holte er bei den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles die Silbermedaille über 5000 Meter. Bei den Leichtathletik-Europameisterschaften 1978 wurde er Zweiter über 5000 Meter, im gleichen Jahr wurde er zum Schweizer Sportler des Jahres gewählt. Er hält noch heute den Schweizer Rekord über 3000 Meter und 5000 Meter. Markus Ryffel ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

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