Die Pilzkontrolle per Handy ist lebensgefährlich

Wer mit seinen Pilzen den Gang zur Pilzkontrolle scheut, lebt gefährlich. Das Tox-Zentrum Zürich verzeichnet zum Saisonstart bereits 180 Anfragen zu Pilzvergiftungen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Familie Meier (Name von der Redaktion geändert) hatte Glück im Unglück: Dank der schnellen Reaktion, der Kompetenz und der optimalen Zusammenarbeit aller Beteiligten blieb ihr Schlimmeres erspart. Die Magenkrämpfe und der nicht enden wollende, immer wieder von Erbrechen begleitete Durchfall dürften ihr aber ein für alle Mal den Appetit auf unkontrollierte Wildpilze verdorben haben.

Was war geschehen? Auf einem Spaziergang sammelte die Familie Pilze für eine Mahlzeit. Da sie die geernteten Pilze nicht kannten, kontaktierten sie per Natel ihren Grossvater, den sie für einen Pilzkenner hielten. Per Handy und MMS schickten sie ihm Fotos von den gesammelten Pilzen, die der Grossvater offenbar als essbar bestimmte. So gross die Vorfreude der Familie auf eine Pilzmahlzeit war, so dramatisch waren deren Folgen: Rund zwei Stunden nach dem Pilzessen stellten sich bei den Eltern und ihren beiden Kindern heftige Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen ein. Vor allem der anhaltende Durchfall führte beim dreijährigen Mädchen und der Mutter schon bald zu einem Flüssigkeitsverlust.

Pilzdrama mit Happyend

Auf schnellstem Weg begab sich die Familie ins Spital. Bei der Mutter und ihrer Tochter war der Flüssigkeitsverlust bereits so hoch, dass man eine lebensbedrohliche Situation befürchtete. Das Mädchen musste auf der Intensivstation gegen den Flüssigkeitsverlust behandelt und überwacht werden. Dank der schnellen Spitaleinlieferung erholten sich die Patienten rasch – auch das dreijährige Mädchen.

Mit ihren Flüssigkeitsgaben (Elektrolytersatz) bekämpften die Ärzte allerdings nur die auf den ersten Blick erkennbaren Symptome der Vergiftung. Ob diese noch weitere Folgen haben würde, war ihnen vorerst unbekannt. Dazu mussten sie in Erfahrung bringen, welcher oder welche Pilze hinter dieser Vergiftung steckten. Unverzüglich wurde daher vom Tox-Zentrum Zürich ein Pilzkontrolleur über den Pilzvergiftungsfall informiert. Mit der Ambulanz lieferte das Spital dem Pilzkontrolleur Rüstabfälle der besagten Mahlzeit zur Bestimmung der Pilzart. Die Rüstabfälle bestanden indes nur noch aus den Resten der unteren Stielbasis zweier konsumierter Pilze. Die genaue Bestimmung der Pilz-art gestaltete sich schwierig. Aufgrund der Pilzbeschreibungen der Patienten sowie der makro- wie mikroskopischen Untersuchung der Pilzreste konnte der Fachmann schliesslich mit grosser Wahrscheinlichkeit den giftigen Wurzelnden Bitterröhrling ausmachen.

Hoffen auf bessere Pilzsaison

Die Bestimmung und der Verlauf dieser Vergiftung deuten auf den Wurzelnden Bitterröhrling als Hauptursache hin. Mit seinen stattlichen, bis zu einem Kilogramm schweren Fruchtkörpern lädt er geradezu zum Sammeln ein. Seine äusserliche Ähnlichkeit und Verwechselbarkeit mit essbaren Arten wie dem Anhängselröhrling oder dem Steinpilz werden Laien dabei zum Verhängnis.

Der Wurzelnde Bitterröhrling ist vorwiegend in Gärten, Parkanlagen und im Laubwald, vorwiegend unter Laubbäumen, zu finden. Unter den in den letzten Wochen gemeldeten Pilzvergiftungen finden sich auffallend viele mit Röhrlingen wie dem Satansröhrling und dem Wurzelnden Bitterröhrling. Dies deute auf ein vermehrtes Wachstum dieser Pilze hin, sagt Christine Rauber-Lüthy, Leiterin des Auskunftsdienstes beim Tox-Zentrum in Zürich.

Die Pilzsaison 2007 war eine der schlechtesten der letzten 20 Jahre, vor allem,was die Speisepilze anbelangt, da ist sich Dora Enggist, eine der Pilzkontrolleurinnen und -kontrolleure der Stadt Zürich, gewiss. Belegt wird dies auch durch Zahlen des Pilzjahresberichtes 2007 des Kantonalen Labors Zürich. Im Berichtsjahr mussten die Pilzkontrolleure total nur gerade 440 Kilogramm Pilze kontrollieren, also rund halb so viel wie im Jahre 2006.

Nun hoffen die Sammler auf eine bessere Pilzsaison. Anzeichen dafür seien vorhanden. So liessen sich am Zürichberg bereits verschiedene beliebte Pilzarten für die Küche sammeln. Die Experten warnen aber davor, Pilze nicht kontrollieren zu lassen. «Bereits sind Giftpilze, ja sogar tödlich giftige Pilze gefunden worden», sagt Enggist. Das spiegelt sich auch darin, dass beim Tox-Zentrum in Zürich allein bis Anfang August 180 Anfragen zu Pilzvergiftungen eingingen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.08.2008, 19:10 Uhr

Newsletter

Kurz, bündig, übersichtlich

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Blogs

Sweet Home Dieses Wochenende wird umgestellt!

Mamablog 5 Methoden gegen Nägelkauen

TA Marktplatz

Die Welt in Bildern

Hammerschlag für die Kunst: 15 Asylsuchende aus Afghanistan, Eritrea und Sri Lanka arbeiten im Kunstsilo in Emmen für die Ausstellung «Ich bin hier». (21. September 2017)
(Bild: KEYSTONE/Alexandra Wey) Mehr...