Die Quittung gibts dann an der Urne

Die Schweizer Wirtschaft muss es schaffen, älteren Arbeitnehmern eine Perspektive zu geben. Gelingt es nicht, dürfte das unangenehme Konsequenzen haben.

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Die Dementis kommen postwendend, wenn es heisst, es sei schwierig, mit über 50 einen neuen Job zu ­finden. Die Arbeitgeberverbände wollen davon nichts wissen, und die Gewerkschaften kümmern sich lieber um die Mindestlöhne auf dem Bau. Aber das Problem besteht, es trifft das Herz der Gesellschaft, und es ist ein Problem des Finanzplatzes, ja der ­Privatwirtschaft ganz generell. So zumindest lautet das Fazit einer ­Studie des Zürcher Amts für Wirtschaft und Arbeit.

Betroffen sind Direktoren, Unternehmer, kaufmännische Angestellte genauso wie das Putz- und das ­Servicepersonal in Restaurants. Bei diesen Berufen tun sich die Privatunternehmen äusserst schwer, einen über 50-Jährigen einzustellen. Das hat gravierende Auswirkungen. Im Parlament beraten in Kürze die Ständeräte wieder über die Reform der Altersvorsorge. Eine zentrale Forderung dabei: die Erhöhung des Rentenalters. Bei den Frauen ist das bereits beschlossene Sache, darüber hinaus soll unter Umständen das Pensionsalter für alle auf 67 Jahre erhöht ­werden. Fordern tun dies lautstark die Arbeitgeber­verbände, allen voran deren Präsident Valentin Vogt. Nimmt man die demografische Entwicklung, also die Tatsache, dass wir alle immer älter werden, als Massstab, hat er sogar recht damit.

Nur: Wenn vor allem die Versicherungswirtschaft dies fordert, muss sie sich die Frage gefallen lassen, warum sie denn keine älteren Arbeitnehmer einstellen will. Bei den Banken ­dasselbe, hier hat man es verschlafen, die Belegschaft rechtzeitig weg von der Vermögensverwaltung für Steuerflüchtlinge in zukunftsträchtigere Geschäftszweige zu bringen. Nun stellt man sie auf die Strasse.

Letztlich geht es um die privatwirtschaftliche ­Verantwortung. Wenn es die Schweizer Wirtschaft nicht schafft, den Trend umzukehren und auch älteren Arbeitnehmern eine Perspektive zu geben, dann lässt sich das Vorsorgesystem nicht reformieren, und die Quittung wird an der Urne folgen. Die über 50-Jährigen sind die fleissigsten Stimmbürger. Und wenn sie keine Zukunftsperspektive sehen, werden sie die ­Vorsorgereform ablehnen und stattdessen der ­nächsten Initiative, die den Zugang zum Arbeitsmarkt für Ausländer beschränkt, hoffnungsvoll zustimmen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.10.2016, 23:46 Uhr

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