Die Ruhe vor dem Trump

Ob der US-Präsident am Donnerstag nach Davos reist oder nicht – unter Flugzeugfans sorgt das so oder so für Aufregung. Am Flughafen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren.

Gestern Morgen startete eines der grössten Flugzeuge der Welt in Kloten: Eine Galaxy C-5 der US Air Force. Video: TA

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Seltene Ereignisse werfen mitunter einen langen Schatten voraus. Selbst wenn sie am Ende womöglich gar nicht eintreffen. Das gilt auch für den geplanten WEF-Besuch jenes Mannes, der je nach Standpunkt der weiseste Präsident ist, den die USA je hatten – oder der grösste Narr aller Zeiten in diesem Amt. Denn egal, ob Donald Trump seine Reise antritt oder angesichts der Budgetkrise absagt: Die Maschinerie, die dafür nötig ist, läuft längst. Und versetzt Flugzeugfans in halb Europa in Begeisterung.

Schon in den letzten Tagen überboten sich Planespotter mit Aufnahmen von Transportfliegern und US-Helikoptern, die auf dem Flugplatz Dübendorf stehen und darauf warten, Trump von Zürich nach Davos zu fliegen.

Gestern Morgen folgte das einstweilige Highlight: Kurz nach acht Uhr landete eine Galaxy C-5 in Kloten. Die in den 1960er-Jahren entwickelte Transportmaschine ist eines der grössten Flugzeuge der Welt, grösser noch als der A380, und damit ein Leckerbissen für Flugzeugfans. Der Flughafen hatte die Landung im Voraus nicht bekannt gegeben, aber erfahrene Planespotter wussten davon. Woher, das ist sozusagen Betriebsgeheimnis dieser hartgesottenen Fans, die selbst bei garstigem Wetter wie am Sonntagmorgen mit ihren riesigen Teleobjektiven die Aussichtsplattform beim Heliport in Rümlang bevölkern.

«Die Amis trauen nur sich selbst»

Geladen hatte die Galaxy vier Tanklaster mit Sprit für die Helikopter und die gepanzerten Limousinen von Donald Trump und seinen Begleittross. Auf die erstaunte Frage, ob Schweizer Benzin und Kerosin nicht gut genug seien, grinsen die Routiniers nur. Sie kennen die ­gigantische Materialschlacht längst, die der Besuch eines US-Regierungsmitglieds üblicherweise mit sich bringt. Das hat keineswegs damit zu tun, dass der jetzige Präsident besonders paranoid wäre. «Die Amis», meint ein Spotter, «trauen nur sich selbst.»

Entsprechend hoch sind die Anforderungen, welche die Schweiz zu erfüllen hat. So soll am Donnerstag der Luftraum über Zürich gesperrt werden, sobald die präsidiale Air Force One im Anflug ist. Und er wird möglicherweise geschlossen bleiben, bis Donald Trump in einen der beiden White-Hawk-Helikopter umgestiegen ist und, eskortiert von Black Hawks der US Air Force sowie zwei Super Pumas der Schweizer Luftwaffe, nach Davos weiterfliegt.

Er wartet mit der Kamera auf die Giganten der Lüfte: Planespotter gestern am Flughafenzaun bei Rümlang. Foto: Raisa Durandi

Die Zuschauerterrasse am Flughafen ist dann nicht zugänglich. Und, zum Leidwesen der Flugzeugfans, höchstwahrscheinlich ebenso die Plattform am Heliport. Seit Tagen macht sogar das Gerücht die Runde, alle Plätze am Flughafenzaun, die einen Blick aufs Geschehen ermöglichen, würden abgeriegelt.

Flughafen gibt sich gelassen

Am Flughafen selbst bleibt man trotz dieses gigantischen Aufwands betont ruhig. Sie könne die Aufregung nicht ganz nachvollziehen, sagt Flughafen-Sprecherin Sonja Zöchling: «Es ist ja nicht das erste WEF, das wir erleben. Die Abläufe sind eingespielt.» Dass mit dem Besuch des US-Präsidenten ein paar Flugzeuge mehr kommen als in anderen Jahren, stelle den Flughafen keineswegs vor Schwierigkeiten. Schliesslich gibt es jedes Jahr in der letzten Januarwoche rund tausend zusätzliche Flugbewegungen. «Da spielen ein paar zusätzliche US-Maschinen keine Rolle», so Zöchling. Zumal auch andere Regierungschefs nicht mit leichtem Gepäck reisen.

Zöchling räumt ein, dass das WEF jedes Jahr eine logistische Herausforderung ist, zumal die normalen Fluggäste davon möglichst wenig tangiert werden sollen. Das Treffen zieht fast immer hochrangige Regierungsangehörige aus aller Welt an. Und sie alle wollen standesgemäss abgeholt und nach ihrem Besuch wieder zurückgebracht werden. Wie und wann, das ist in erster Linie Sache der Botschaften. Der Flughafen muss sicherstellen, dass die nötigen Limousinen jeweils rechtzeitig aufs Rollfeld fahren können. Anspruchsvoll ist laut Zöchling dabei vor allem der Abflug: «Manchmal kann die geplante Startzeit nicht eingehalten werden, dann müssen wir sofort sicherstellen, dass eine Lounge verfügbar ist.»

Und dann entschwebt sie

Doch zurück zu den Spottern an diesem Sonntagmorgen. Nicht wenige haben Leitern an den Zaun gelehnt und verfolgen, auf der obersten Sprosse balancierend, wie die Tanklaster durch die hochgeklappte Nase des amerikanischen Riesenflugzeugs ausgeladen werden. Andere fachsimpeln darüber, wann die Maschine wohl wieder abheben werde. Elf Uhr, sagen die einen, elf Uhr dreissig die anderen. Die dritten verweisen darauf, dass die Galaxy am Morgen eine halbe Stunde zu früh gekommen sei, dann werde sie wohl auch früher als geplant wieder starten.

Letzteres ist eine vergebliche Hoffnung. Elf Uhr ist vorbei, als sich die längst geschlossene Nase des Flugzeugs wieder öffnet. Inzwischen stehen zahlreiche Schaulustige auf dem Spotterhügel; die Ankunft der Galaxy ist in sozialen Medien und auf Nachrichtenportalen vermeldet worden. Das hat viele hergelockt, die nun wenigstens den Start sehen wollen. Doch der verzögert sich. Offenbar gibt es ein Problem mit der Stange, welche das Flugzeug mit dem Push-back-Fahrzeug verbinden soll. Unter den Spottern sorgt das für leise Häme: «Da planen die jedes erdenkliche Szenario und nehmen Unmengen Material mit», sagt einer, «und dann so etwas.»

Kurz nach zwölf Uhr ist es dann so weit, die Galaxy entschwebt in den trüben Himmel. Wer jetzt noch ausharrt, der bekommt Mitte Nachmittag nochmals etwas Spektakel geboten: Zwei Black Hawks, zwei White Hawks und zwei Super Pumas üben für den Donnerstag. Wenn Trump kommt. Falls Trump kommt. Immerhin: Die Spotter wären schon mit dem gestrigen Sonntag halbwegs entschädigt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.01.2018, 22:30 Uhr

«We Are Sorry» für Trump

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Am Samstag haben sich in Zürich lebende Amerikaner versammelt, um sich für ihren «unmöglichen Präsidenten» zu entschuldigen. Rund 50 Personen und erstaunlich viele Medienvertreter hatten sich kurz vor Mittag auf dem Werdmühleplatz versammelt. Organisiert hatten die Demonstration Leute von Action Together Zurich, vornehmlich Exilamerikanerinnen und -amerikaner, die in der Limmatstadt arbeiten oder mit einer Schweizerin oder einem Schweizer verheiratet sind. Sie wollten sich mit dem Slogan «We Are Sorry. Es tuet eus leid» für den anstehenden Besuch von Donald Trump am Weltwirtschaftsforum in Davos, aber auch generell für das, wie sie finden, «unmögliche Verhalten» ihres Präsidenten entschuldigen. Organisatorin Alexandra Dufresne zeigte sich zufrieden. Viel mehr Teilnehmer habe sie realistischerweise nicht erwartet, schön aber sei, dass die Reaktionen durchwegs positiv gewesen seien: «Viele Zürcherinnen und Zürcher nutzten die Gelegenheit, um ihren eigenen Ärger über Trump mit uns zu teilen.» (thw)

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