Die SVP wechselt ihr Personal aus

Bei den kommenden Wahlen erfährt die SVP eine grosse Blutauffrischung. Gleichzeitig streben gleich drei Parteipräsidentinnen von anderen Parteien ins Parlament.

Wird ihr Gesicht stark verändern: die SVP-Fraktion im Zürcher Kantonsparlament.

Wird ihr Gesicht stark verändern: die SVP-Fraktion im Zürcher Kantonsparlament. Bild: Urs Jaudas

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Kürzlich brauchte es nur drei von elf im Kantonsrat vertretenen Parteien, um die jahrzehntelange Planung für das Zürcher Kasernenareal über den Haufen zu werfen. Haben nach den Wahlen vom 24. März die SVP, FDP und EDU immer noch dieselbe Macht? Das ist eine der grossen politischen Fragen. Die Antwort gibt es am Wahlsonntag.

Was jetzt schon klar ist: Das Parlament wird in der neuen Legislatur eher unerfahren sein. Nur 112 von 180 Kantonsrätinnen und Kantonsräten, die 2015 gewählt worden waren, kandidieren wieder. Und geht man von 21 Abgewählten aus – das ist der Durchschnitt der letzten drei Wahlgänge –, bleiben 91 Politikerinnen und Politiker, welche über eine grössere Erfahrung verfügen. Nur rund die Hälfte also.

Nur 24 von 54 SVPlern kommen wieder

Einen eigentlichen Generationenwechsel wird es bei der SVP geben. Nur 24 von 54 vor vier Jahren Gewählten wollen es nochmals wissen. Dazu kommt Franco Albanese, der nach den letzten Wahlen von der CVP zur SVP gewechselt hat. Wird der eine oder die andere abgewählt, verfügen zu Beginn der Legislatur 2019-23 nur zwei von fünf SVPlern eine Erfahrung von mindestens einer Legislatur. Eine ähnliche Quote haben nur die EVP und die EDU, bei denen nur drei von acht respektive zwei von fünf im Jahr 2015 Gewählten wieder kandidieren. Die kleinen Parteien haben sich personell in den letzten vier Jahren mit Rücktritten und Nachrutschen generalerneuert. Das hat zur Folge, dass alle aktuellen Kantonsratsmitglieder wieder antreten – mit dem Bisherigen-Bonus.

Weniger krasse Personalwechsel erfahren die anderen Parteien. Bei der SP treten 24 von 36 wieder an, die 2015 gewählt wurden. Bei der FDP sind es 23 von 31. Im ähnlichen Rahmen verhält es sich bei den anderen Parteien. Nur die AL kommt nochmals mit allen fünf damals Gewählten.

2015 gewann die FDP

Die AL war vor vier Jahren eine der Gewinnerinnen der Wahlen. Sie machte zwei Sitze mehr und erreichte Fraktionsstärke. Die grosse Siegerin aber war die FDP, welche nach einer langen Durststrecke mit acht Sitzgewinnen auftrumpfen konnte. Die Verlierer waren die Grünen und die Grünliberalen mit sechs beziehungsweise fünf Sitzverlusten.

Aufgrund der regional unterschiedlich stark wachsenden Bevölkerung wechseln zwei Sitze den Wahlbezirk. Es profitieren einer der kleinsten und der heute schon grösste Wahlkreis: Der Stadtzürcher Kreis 1+2 (neu 5 Sitze) sowie Bülach (18) haben einen Sitz mehr zu vergeben. Einen Sitz abgeben müssen Meilen (12) und Hinwil (11).

«Für Diktatur und Chaos»

In diesem Jahr sind 13 Wahllisten eingereicht worden, wobei drei Gruppierungen nur in einzelnen Wahlkreisen antreten. Die zehn Parteien, die heute im Kantonsrat sitzen – plus die CSP, die in einem Kreis Gast bei den Grünen ist – treten überall an. Die Partei der Arbeit (PdA) wird in der Stadt Zürich kandidieren und zwei Spassparteien (eine nennt sich «Die Guten» und setzt sich laut Homepage «für Diktatur und Chaos» ein) in einem einzelnen Stadtzürcher Wahlkreis. Deren Listennummern werden am 25. Januar gezogen. Die Piraten, die Ustermer Jungsozialisten sowie die «IP ZH», welche 2015 antraten, sind diesmal nicht mehr am Start.

Studiert man die verschiedenen Wahllisten, zeigen sich einige personelle Auffälligkeiten:

SVP (derzeit 54 Sitze):

Die Partei verlor die Kommunalwahlen vor Jahresfrist, zudem wechselt sie wie erwähnt radikal ihr Personal aus. Spannend wird sein, wie gut Quereinsteiger Valentin Landmann im Stadtzürcher Kreis 7+8 abschneidet. Dem bekannten Strafverteidiger musste Nina Fehr Düsel weichen, die in den Bezirk Meilen zog. Dort muss sie sich hintanstellen und versucht von Listenplatz 5 aus, einen der bisher vier SVP-Sitze zu holen. Bedrängt wird sie zudem von Blocher-Schwiegersohn Roberto Martullo, der vor vier Jahren allerdings trotz Riesenplakat an der Seestrasse zwei Ränge verloren hatte. Im Zürcher Kreis 3+9 versucht die Ehefrau von Neo-ZKB-Bankrat Roger Liebi, Gemeinderätin Elisabeth Liebi, den dritten SVP-Sitz zurückzuerobern, in Winterthur-Land hat Therese Schläpfer gute Chancen. Die Hagenbucher Gemeindepräsidentin hatte vor ein paar Jahren für Schlagzeilen gesorgt, weil sie eine einzelne Familie für Steuererhöhungen verantwortlich gemacht hatte.

SP (36 Sitze):

Bei der SP fällt auf, dass Monika Wicki vom Bezirk Hinwil in den Zürcher Kreis 11+12 gezogen ist und nun dort als Bisherige antritt. In Meilen versucht es Rafael Mörgeli nochmals. Dem Neffen von Ex-SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli fehlten 2015 nur 41 Stimmen zum Erfolg. In Winterthur will Sarah Akanji helfen, einen Sitz hinzu zu gewinnen. Sie hat das Frauen-Fussballteam des FC Winterthur mitbegründet und ist die Schwester des BVB-Dortmund-Stars und Nati-Abwehrrecken Manuel Akanji.

FDP (31 Sitze):

Die FDP setzt auf Kontinuität. Ein Grossaufmarsch von Parteiprominenz findet im Kreis 11+12 statt: Neben den Bisherigen kandidieren Schulpräsidentin Vera Lang, Parteipräsident Severin Pflüger und Gemeinderat Roger Tognella, Ehemann (und Kontrahent) von Kantonsrätin Birgit Tognella, die im selben Kreis auf der SP-Liste antritt. Ein bekannter Name taucht im Kreis 7+8 auf: Caroline Fiala ist die Schwiegertochter von Nationalrätin Doris Fiala.

GLP (14 Sitze):

Bei der GLP haben aufgrund von Wechseln während der Legislatur 13 von 14 Kantonsratsmitgliedern das Label «bisherig». Das trifft aber nicht auf die neue Co-Präsidentin Corina Gredig zu, welche im Kreis 7+8 versucht, den 2015 verlorenen Sitz zurückzuerobern. In Hinwil will die Präsidentin der Frauenzentrale, Andrea Gisler, reüssieren, in Pfäffikon der vor vier Jahren abgewählte Andreas Hasler. In Meilen kämpft Sascha Ullmann für die GLP: Er ist Zolliker Gemeindepräsident und Schwiegersohn des früheren FDP-Schwergewichts Ulrich Bremi. Im Kreis 1+2 versuchen Staatsanwalt und Stadtparlamentarier Guy Krayenbühl, der 2015 abgewählte Beni Schwarzenbach und Operation-Libero-Frau Franziska Barmettler, den verlorenen Sitz zurückzuerobern. Auf der Ustermer Liste taucht Thomas Maier auf, der frühere Kantons- und Nationalrat.

Grüne (13 Sitze):

Auch bei den Grünen will die Parteipräsidentin in den Kantonsrat: Marionna Schlatter startet an der Listenspitze in Hinwil. In Affoltern versucht Thomas Schweizer, Geschäftsleiter von Fussverkehr Schweiz, den verlorenen Sitz zurückzuerobern. Auch der abgewählte Hans Läubli hilft mit, allerdings von Platz 5 aus. In Winterthur-Land sucht ein andere Abgewählter sein Glück: Urs Hans, der bekannte Kuh-Impfgegner. Zum 8. Mal tritt Gabi Petri an: Die Rats-Doyenne sitzt seit 1991 im Kantonsparlament – für den Kreis 4+5, in dem abgesehen von Petri-Partner Markus Knauss nur Frauen kandidieren. Im Kreis 7+8 hilft Statthalter Mathis Kläntschi aus.

CVP (9 Sitze):

Die CVP stellt die dritte Parteipräsidentin, die in den Kantonsrat strebt: Für Nicole Barandun, die im Kreis 7+8 antritt, wäre es eine Rückkehr. Die CVP, die im Frühling 2018 unglücklich aus dem Zürcher Stadtparlament flog, tritt mit den bewährten Kräften auf, wobei in Horgen Philipp Kutter fehlt, der viele Stimmen holte und nun im Nationalrat sitzt. Im Kreis 3+9 hilft der glücklose Stadtratskandidat Markus Hungerbühler mit, das CVP-Schiff auf Kurs zu halten, im Kreis 1+2 Nationalrätin Kathy Riklin. In Winterthur will der lokale Parteipräsident und angehende «höchste Winterthurer» Andreas Geering den Abgang von Franco Albanese vergessen machen.

EVP (8 Sitze):

Die EVP, die wie die CVP mit der 5-Prozent-Hürde kämpft, fährt vor allem im Kreis 11+12 ein: Dort treten gleich drei der vier neugewählten Zürcher Gemeinderäte an: Ernst Danner, Roger Föhn und Peter Anderegg. Gemeinderätin Nummer 4, Claudia Rabelbauer, versucht sich im anderen grossen Stadtzürcher Kreis 3+9. Die Stadtzürcher EVP stellt derzeit kein Mitglied im Kantonsrat. In Dietikon versucht Kurt Leuch ein Comeback.

AL (5 Sitze):

Bei der AL schwärmen die Stadtzürcher(innen) in die Agglo aus: Rosa Maino, die kürzlich aus dem Stadtparlament zurücktrat, hilft an vorderster Front in Affoltern aus, in Bülach (wo erneut Whistleblower Rudolf Elmer antritt) ist es Gemeinderätin Ezgi Akyol, In Dielsdorf Gemeinderat Mischa Schiwow, in Dietikon die bekannte Fan-Anwältin Manuela Schiller, in Horgen Gemeinderat Walter Angst. Letzterer startet allerdings vom letzten Platz aus, was zeigt, dass er zwar in den Regierungsrat, aber nicht unbedingt in den Kantonsrat will. Filmer Samir und Urgestein Niklaus Scherr helfen im Kreis 6+10 aus, Gemeinderat Andreas Kirstein im Kreis 11+12.

EDU (5 Sitze):

Die EDU verzeichnete in der letzten Legislatur den Eintritt ihrer ersten Frau ins Parlament: Maria Rita Marty rutschte nach für Hans Peter Häring nach. Sie tritt wieder an, wie alle fünf der Amtierenden.

BDP (5 Sitze):

Die BDP ist derzeit überrepräsentiert, da als sechstes Mitglied Martin Romer zeichnet. Dieser war während der Legislatur bei der FDP nachgerutscht, bevor er sich mit der Partei verkrachte und zur BDP wechselte. Er versucht den Sitz in Dietikon zu verteidigen. Auch alle anderen Amtierenden treten wieder an. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.01.2019, 15:00 Uhr

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