«Die Schweiz hat leider kein lesbisches Promi-Paar»

Keine Miss Gay, keine prominenten Lesben-Pare und kaum Events für homosexuelle Frauen. Die Lesben-Szene fristet ein Schattenleben – doch das soll sich ändern.

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Frau Ottiger, sie betreuen das Marketing von Mona Lila, einem Verein für lesbische Frauen. Wäre eine Miss Gay-Wahl kein guter Event, um in der Öffentlichkeit mal wieder auf die Anliegen homosexueller Frauen aufmerksam zu machen?
Natürlich. Oliver Eschler, der Veranstalter der Mr. Gay Wahlen, kam im Juli mit einer entsprechenden Anfrage auf Mona Lila zu. Die ursprüngliche Idee war, mit einer Miss Gay-Wahl ins Boot der Mr. Gay-Wahl zu springen - beide Events unter einem Dach. Nach Gesprächen mit Eschler und innerhalb des Mona Lila Teams entschieden wir uns aufgrund fehlender Ressourcen und finanzieller Mittel gegen die Mitorganisation.

Im homosexuellen Umfeld heisst es, dass Miss-Wahlen nichts für lesbische Frauen seien. Möchten lesbische Frauen ihre Schönheit nicht präsentieren?
Sehr gut! (lacht) Lesbische Frauen legen weder Wert auf Schönheit noch auf ihr Erscheinungsbild? Ich bitte Sie! Ich denke, dass spätestens seit dem Coming-Out von Portia de Rossi solche Klischees endgültig vom Tisch geräumt werden können. Die Oberflächlichkeiten einer Miss-Wahl sind sowohl in Hetero- als auch in Homo-Kreisen umstritten. Aber es ist schon so, dass lesbische Frauen oft in einen Topf geworfen werden.

In welchen Topf werde sie denn geworfen?
Viele meinen, eine lesbische Frau habe kein Gespür für Mode und Lifestyle. Das sind die Bilder, die noch immer in den Köpfen herumgeistern. Woher diese Klischees kommen, ist mir ein Rätsel. Gerade die jüngere Generation widerspiegelt dieses Bild nämlich gar nicht mehr. Das optische Erscheinungsbild der Lesben hat sich massiv verändert und verbessert.

Und warum ist das so?
Ich denke, das hat damit zu tun, dass es im Moment cool ist, in der Lesben-Szene dabei zu sein. Es ist nichts Eigenartiges mehr, wenn man auf Frauen steht. Die Medien berichten immer wieder von berühmten lesbischen Frauen. Das ermöglicht auch den Schweizer Frauen einen lockeren Umgang mit dem Ganzen und stärkt ihr Selbstvertrauen.

Trotzdem nimmt man die Lesben-Szene in der Schweiz kaum wahr. Woran liegt das?
Gerade im Vergleich zur Schwulenszene läuft bei uns wenig. An den Wochenenden gibt es kaum mehr als einen Event für Lesben. Die Szene ist sehr klein. Wenn man davon ausgeht, dass die Statistiken stimmen, haben gerade mal 10 Prozent der Frauen in der Schweiz lesbische Tendenzen. Kommt hinzu, dass es in der Schweiz - anders als in Deutschland, England oder den USA - kein lesbisches Promi-Paar gibt. Zumindest keines, das sich geoutet hätte. Also ist unsere Szene auch nicht so spannend für die Medien. Wir von Mona Lila finden das natürlich sehr schade und sind sehr daran interessiert, die lesbische Community mit ausgefallenen Events etwas durchzurütteln. Nach dem queerfeldein-Festival, dem einzigen lesbisch-schwulen Openair der Schweiz, haben wir ein weiteres Projekt in der Pipeline.

...etwa eine Miss-Gay-Wahl?
Wir können uns vorstellen, irgendwann eine solche Wahl durchzuführen - jedoch sind bereits andere interessante Projekte am Start. Mal schauen was die Zukunft bringt. Auf jeden Fall unterstützen wir ein solches Miss Gay-Projekt, ob wir das nun organisieren oder sonst wer. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.10.2008, 13:24 Uhr

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