«Die Schweizer würden die Deutschen am liebsten ausschaffen»

Die Mundart-Initiative erhitzt auch nach ihrer Annahme die Gemüter der Tagesanzeiger.ch-Leser. Viele Deutsche fühlen sich als Opfer einer Hetzkampagne.

Mundart-Initiative als Kulturschutz oder Deutschenhatz? Kindergarten in Kloten.

Mundart-Initiative als Kulturschutz oder Deutschenhatz? Kindergarten in Kloten. Bild: Yvon Baumann

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Das Schicksal zweier Deutscher Kindergärtnerinnen im Kanton Zürich, die sich wegen der Mundartinitiative Sorgen um ihre berufliche Zukunft machen, führte zu einer wahren Flut an Leserkommentaren.

Für Thomas Steffen ist klar: «Wenn die SVP die Initiative nicht gestartet hätte, wären unsere Kinder gezwungen worden, im Kindergarten Hochdeutsch zu sprechen.» Und Johann von Heimwald meint: «Der Souverän hat entschieden und die Behörden müssen das Gesetz umsetzen. Punkt.» Es könne für Deutsche doch nicht so schwierig sein, Dialekt zu lernen. Dem stimmen viele zu. Tatsächlich stellen manche harte Integrationsforderungen an unsere nördlichen Nachbarn: «Wir waren immer hier, und wer dazukommt, soll sich integrieren und assimilieren», schreibt Walter Kuhn.

Deutsche Opfer einer Hetzkampagne

Kein Wunder fühlen sich einige Deutsche als Opfer einer Hetzkampagne. Für Markus Dannbühler ist «offensichtlich, dass die Mehrheit der Schweizer die Deutschen am liebsten ausschaffen würde.» Eine Hetze, die in Europa ihresgleichen suche. Und Urs Holzapfel doppelt nach: «Ein Schweizer Teilstaat, der sich Deutschschweiz nennt und Deutsch im Kindergarten verbietet? Das Urteil eines Nervenarztes wäre Schizophren.» Sie erhalten Unterstützung von Westschweizern: Was hier passiere, sei eine Frechheit gegenüber den Tessinern und den Romands, meint etwa Costatino Maeder: «Man fühlt sich als Restschweizer häufig ausgegrenzt.»

Auch unter den Befürwortern der Initiative gibt es Stimmen, welche Deutsche Kindergärtnerinnen durchaus in ihrer Sprache unterrichten lassen würden: «Ich sehe kein Problem, so lange sie die Kinder versteht und umgekehrt», meint Tina Kuster. Auch Stefan Heimers ist für eine Zwischenlösung: «Schlimm wäre ein schlecht gelernter Schweizer Dialekt einer Deutschen oder ein schlechtes Hochdeutsch einer Schweizerin.»

Verwirrendes Doppelspiel

Die hier lebenden Deutschen scheint die Diskussion zu verwirren. Einer von ihnen erklärt, wie die Hälfte der Zürcher ihm raten, nicht Schweizerdeutsch zu sprechen, weil es «gruusig» klinge. Vom Rest bekomme er vorgeworfen, er wolle sich nicht richtig integrieren: «Ja, was denn jetzt?»

Für Andrea Wicki gibt es hingegen nur eine Antwort, warum in der Deutschschweiz die Mundart-Debatte derart hochkocht: «Das Problem ist halt, dass die meisten Schweizer kein richtiges Deutsch können. Woran das wohl liegt?» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.05.2011, 11:22 Uhr

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