«Die Unterschiede waren krass»

Gymnasiasten aus Bülach gingen eine Woche lang in einem Vorort von Delhi zu Schule. Die Eindrücke.

Liess die Kamera laufen: Ein Schüler hielt die Eindrücke mit Filmaufnahmen fest. Video: zvg/Dominik Bolsinger, Musik: Free Music Archive

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«Meine Gastfamilie hat mich herzlich empfangen. Ich bekam sogar Geschenke, dabei war ich ja zu Besuch. Sie sagten wiederholt, ich solle mich wie zu Hause fühlen, und nahmen mich auf, als wäre ich ihr eigenes Kind.»Dominik Bolsinger, Schüler an der Kantonsschule Zürcher Unterland

Da müssen wir uns bewerben! Das dachte Corinne Elsener, als sie vom «Schweizerisch-indischen Klassenzimmer» hörte. Das Programm von Movetia ermöglicht Klassenaustauschprojekte zwischen schweizerischen und indischen Schulklassen. Elsener, Prorektorin an der Kantonsschule Zürcher Unterland, will Schülerinnen und Schülern kulturelle Werte anderer Länder nicht nur aus Büchern, sondern am liebsten vor Ort zu vermitteln.

«Manchmal kann es ganz schön laut sein in einem indischen Klassenzimmer. Wenn der Lehrer eine Frage stellt, reden alle durcheinander. Aber wenn Lehrer Anweisungen geben, dann treten sie sehr streng auf. Das hat mich beeindruckt.»Dominic Isenring

Für einmal sollte dies in Indien sein – knapp 7000 Kilometer und 8 Flugstunden von Bülach entfernt. Elsener hatte das Land mehrmals bereist, wusste, worauf sie sich bei dem Projekt einlassen würde. «Selbstverständlich ist es nicht ökologisch, für eine Woche so weit zu fliegen, aber die Aussicht auf ein Erlebnis für das Leben überwog», sagt sie. Zudem wusste sie: So etwas funktioniert nur mit interessierten und motivierten Schülerinnen und Schülern. Auf die Klasse 5e von Lehrerin Pamela Brünner trifft dies zu.

«Das Mobiliar in den Schulzimmern ist spärlich. Etwa im Chemiezimmer hat es bloss einige wenige Utensilien. Beamer und Whiteboard hat es dafür in jedem Zimmer.» Dominik Bolsinger

Als eine von fünf Klassen aus der Schweiz waren die 21 Schülerinnen und Schüler Ende November neun Tage in Gurgaon, einer modernen Satellitenstadt von Delhi mit knapp einer Million Einwohnern. Mit dabei waren auch Dominik Bolsinger, Dominic Isenring und Jasmin Jöchle. Sie lebten in den Familien der Schüler aus der Partnerschule.

«Die Schülerinnen und Schüler in Indien besitzen zwei Schuluniformen: eine sehr formelle und eine überraschend informelle, die mit einem Jogginganzug zu vergleichen ist.»Jasmin Jöchle

Daneben machten die Schülerinnen und Schüler auch diverse Ausflüge in der Umgebung von Delhi. Dabei lernten die Gäste aus der Schweiz auch jene Seite des Landes kennen, welche die Gastfamilien – in den meisten Fällen obere Mittelschicht – lieber nicht zeigen würden.

«Die Unterschiede waren krass. Wir wohnten in abgeriegelten, modernen Siedlungen, auf dem Land bestehen die Strassen teilweise aus Sand, und die Leute sind arm. Man kommt sich schon komisch vor, wenn man da mit dem Car durchfährt.»Dominic Isenring

Im März sind die indischen Schüler bei der Klasse von Brünner zu Gast. Ob die Schweizer Gasteltern sich auch erkundigen werden, welche kulinarischen Vorlieben die Gäste haben und ob sie bis dann alle die Nationalhymne singen können, wie ihre indischen Kollegen es tun, wird sich zeigen. Für Corinne Elsener hat sich die Reise gelohnt: «Ich bin überzeugt, die Schüler gehen nun mit anderen Augen durchs Leben.»

«Am Strassenrand auf dem Land verlief eine Rinne im Sand. Darin floss schwarzes Wasser. Darum herum lag in Massen Plastikmüll. Die Wildschweine suhlten sich darin. Das hat mich nachdenklich gemacht.»Jasmin Jöchle

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.12.2018, 11:51 Uhr

Austauschprojekt

Indisch-schweizerisches Klassenzimmer

Movetia organisiert zusammen mit der Stiftung Mercator das Austauschprojekt «Schweizerisch-indisches Klassenzimmer». Es richtet sich an Klassen der Sekundarstufe II. Movetia vermittelt indische Partnerschulen und leistet Pauschalbeiträge an die Reise der Lehrpersonen für den Erstkontakt sowie an jene der Schülerinnen und Schüler beider Partnerschulen. (ema)

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