Die Wurm-Wahlwerbung der SVP hat eine Vorgängerin

Auch in dieser Wahlkampagne aus Obfelden steckte der Wurm drin. Sie erreichte ihr Ziel.

Wahlkampf 1994 in Obfelden.

Wahlkampf 1994 in Obfelden. Bild: Archiv «Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern»

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Das umstrittene Würmer-Sujet der SVP weckte im ehemaligen und langjährigen Chefredaktor des «Anzeigers aus dem Bezirk Affoltern» Werner Schneiter eine Erinnerung wach. In der gestrigen Ausgabe berichtet er über einen umstrittenen Wahlkampf in Obfelden, in dem es ebenfalls um Wurm und Apfel ging.

Es war 1994. Das Säuliamt war damals noch in den Nachwehen des Kampfs für und gegen die Autobahn, bei dem zuweilen mit harten Bandagen gekämpft wurde. In Obfelden kandidierte denn auch der Präsident der Arbeitsgruppe Autobahnfreies Knonauer Amt für einen frei werdenden Sitz im Gemeinderat. Auch ein Mitglied der CVP bewarb sich darum.

Eines Tages erschien in der Lokalzeitung ein Inserat, das einen wurmstichigen Apfel zeigte – der Wurm schaute allerdings für heutige Begriffe recht freundlich drein. Weniger freundlich war der Text: «Fauler Apfel... zwar steckt er die andern an, doch er ist faul und bleibt im Korb.» Unterschrift «bis bald Ihr Apfelfreund».

Wer ist der Apfelfreund?

Wie sich Schneiter erinnert, gab das Inserat zuerst auch Insidern Rätsel auf. Es folgten weitere Inserate und ein Flugblatt, die allmählich Licht ins Dunkel brachten. Aufs Korn genommen wurde der bisherige Hochbauvorstand und Vizepräsident, der Mitglied der FDP war.

Später stellte sich zudem heraus: Der mysteriöse Apfelfreund war ein Parteikollege. Und sein Angriff zeigte Erfolg. Der Bauvorstand wurde tatsächlich überraschend abgewählt. Auch eine Beschwerde des Parteipräsidenten beim zuständigen Bezirksrat änderte nichts am Resultat.

Das umstrittene Inserat führte damals nicht nur zu bösem Blut, sondern auch zu einer weiteren Kandidatur. Der örtliche Turnverein sammelte Geld und platzierte seinerseits ein Inserat. Darin lancierte er das Schwein Fridolin als Gemeinderatskandidaten mit dem Slogan: «Fridolin frisst auch faule Äpfel».

Erstellt: 28.08.2019, 10:59 Uhr

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