Die ZKB trennt sich vom Tafelsilber

Um ihr Eigenkapital zu erhöhen, verkauft die ZKB Immobilien, Seniorenresidenzen und sogar die Sportplätze am Zürichberg.

Geht für vier Millionen Franken an einen privaten Investor: Das ZKB-Sportzentrum Sonnenberg.

Geht für vier Millionen Franken an einen privaten Investor: Das ZKB-Sportzentrum Sonnenberg. Bild: Dominique Meienberg

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Die Zürcher Kantonalbank ist daran, ihre Eigenkapitalbasis zu verbessern. Der Grund: Die Finanzmarktaufsicht hat die Eigenkapitalquote erhöht. So wie alle Banken – auch Grossbanken – verkauft sie deshalb ihre Immobilien. Während die Drohung aus den USA nach dem Nein der Räte zur Lex USA erst wie ein Gespenst über der Zürcher Staatsbank schwebt, ist der Verkauf ihres Tafelsilbers schon weit fortgeschritten. Und die Verkaufsliste wird immer länger.

Am Donnerstag berichtete TeleZüri, die ZKB verkaufe ihr Sportzentrum Sonnenberg samt Tennis- und Fussballplätzen sowie 17 Kraft- und Ausdauergeräten einem privaten Investor für 4 Millionen Franken. Titel des Verkaufsinserats: «Sonnenberg mit Seesicht».

Angestellte boten zu wenig

Das Angebot der ZKB-Angestellten, ihre Sportanlage für zwei Millionen zu erwerben, sei ausgeschlagen worden, ebenso ein Angebot der Stadt Zürich über 800'000 Franken. Im ZKB-Sportzentrum gingen 1000 Sportler ein und aus, die sich nun eine neue Trainingsstätte suchen müssen. Auf Anfrage sagt ein ZKB-Sprecher: «Wir stellen fest, dass Sportaktivitäten heutzutage vermehrt individualisiert betrieben werden und die Vereinstätigkeiten im Vergleich zum Stand vor 20 oder 30 Jahren abgenommen haben.» Erst letzte Woche war bekannt geworden, dass auch die UBS ihr Sportzentrum Guggach beim Bucheggplatz schliesst.

4 Millionen sind für eine Sportanlage am Zürichberg auf den ersten Blick nicht viel Geld. Aber das Land liegt nicht in der Bau-, sondern in der Erholungszone. Mehr Geld bringt der letzte Woche publizierte Verkauf der Tertianum-Altersheime an die börsenkotierte Swiss Prime Site. Der Immobilienriese übernimmt für 495 Millionen Franken die Tertianum-Gruppe, an der die ZKB mit 21 Prozent beteiligt ist (neben Helvetia, Swiss Re und der Familie Marazzi).

Tertianum ist in der Schweiz die führende Gruppe im Bereich «Leben und Wohnen im Alter». 16 luxuriöse Seniorenresidenzen mit umfassendem Service stehen unter anderem in Horgen, Meilen, Pfäffikon SZ, Uster, Zollikerberg, Zürich-Enge, Höngg und Witikon. Für die Mittelschicht bietet das Unternehmen unter dem Namen Vitadomo weitere Seniorenzentren an. Im Bau ist das Zentrum Bubenholz in Opfikon mit 59 Alterswohnungen und 43 Betten für Langzeitpflege. Gemäss Swiss Prime Site sind Seniorenresidenzen ein «attraktives Wachstumssegment mit geringer Konjunkturabhängigkeit». Die Aktionäre würden «von einer Risikominimierung und Ertragssteigerung profitieren».

Weiter verkauft die ZKB ihren ursprünglichen Hauptsitz, den «Eidgenoss» an der Bahnhofstrasse; Gebote ab 135 Millionen Franken sind willkommen (TA vom 21. 3.) Ebenfalls zum Verkauf stehen das Gebäude Limmatquai 112, die Geschäftsliegenschaften Stockerstrasse 33 und 47 sowie das Wohn-/Geschäftshaus Röschibachstrasse 24/26. Wie ZKB-Sprecher Urs Ackermann im März sagte, sei die Geldbeschaffung nicht die Hauptmotivation, sondern nur ein schöner Nebeneffekt des Immobilienverkaufs. «Wir brauchen die Häuser schlicht nicht mehr.» Mit der Renovation des heutigen Hauptsitzes würden mehr Arbeitsplätze entstehen.

SP-Nationalrätin rüffelt die ZKB

«So geht das nicht!» Mit diesen Worten meldete sich gestern Abend SP-Nationalrätin Jacqueline Badran in einem offenen Brief an die ZKB. «All dies widerspricht dem Leistungsauftrag der ZKB diametral. Ihr seid eine Volksbank im Volksvermögen, und ihr seid der lokalen Volkswirtschaft und euren Eigentümern – dem Volk – verpflichtet.» Sie habe in den letzten Tagen im Nationalrat «bis zum Umfallen» für die Lex USA und damit auch für die ZKB gekämpft, um möglichen Schaden von unserer Volkswirtschaft und den Kantonalbanken abzuwenden, schreibt Badran an die ZKB. «Es ging um reale mögliche Grossrisiken für unsere ganze Wirtschaft» – und für die ZKB eventuell ums Überleben.

Wenn die ZKB schon wegen erhöhter Eigenmittelvorschriften ihre Immobilien abstosse, «dann nicht so», fordert Badran. Die ZKB handle «immer mehr wie ein hinterletzter privater Bankkonzern ohne Gewissen und nicht wie eine Staatsbank». Durch den Verkauf der Altersheime an eine börsenkotierte Firma mit Beteiligungen aus dem Ausland – zum Beispiel des Prinzen von Katar – würden Gewinne ins Ausland fliessen. Badran fordert die ZKB auf, ihre Tennisplätze den Mitarbeitenden zu verkaufen, die Altersheime einer gemeinnützigen Institution und die Immobilien zu einem fairen Marktpreis den Standortgemeinden, Genossenschaften, Stiftungen oder Pensionskassen zu übergeben – keinesfalls aber börsenkotierten Immobiliengesellschaften. «Die ZKB ist der lokalen Volkswirtschaft verpflichtet und nicht dem globalisierten Finanzkapital.»

Erstellt: 22.06.2013, 20:15 Uhr

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