Die grosse Chance für die SP

Der Verzicht von Verena Diener schafft für den Zürcher Ständeratswahlkampf eine spannende Ausgangslage. Vor allem die SP kann sich freuen. Die Grünliberalen hoffen auf einen Coup.

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Nach den angekündigten Rücktritten der beiden amtierenden Zürcher Ständeräte Felix Gutzwiller (FDP) und Verena Diener (GLP) werden die Karten neu gemischt. Die Zürcherinnen und Zürcher werden im Herbst zwei neue Ständeratsmitglieder wählen.

Einen Trumpf in der Hand hat die FDP. Mit Nationalrat Ruedi Noser hat sich der Zürcher Freisinn frühzeitig positioniert und hat beste Chancen, seine Tradition einer Ständeratsvertretung fortzuführen.

Spannender wird der Kampf um den zweiten Sitz. In Poleposition liegt einer, der noch nicht einmal definitiv von seiner Partei nominiert ist. SP-Nationalrat Daniel Jositsch hat längst erklärt, dass er bereit ist – bei welcher Konstellation auch immer. Sein Vorteil: Er überzeugt mit seiner Law-and-Order-Politik auch bürgerliche Wähler, was im bürgerlichen Kanton Zürich unerlässlich ist. So hatte sich Jositsch früh für Verschärfungen im Strafrecht ausgesprochen, und letzte Woche machte er sich dafür stark, Demonstranten und Hausbesetzer für die Kosten von Polizeieinsätzen zu belangen. Jositsch könnte eine alte Tradition wiederbeleben. Von 1939 bis 1959 waren die Zürcher Genossen permanent im Stöckli vertreten. Letzte SP-Ständerätin war Emilie Lieberherr von 1978 bis 1983.

Fehlstart der SVP

Ein Jammer ist diese einzigartige Ausgangslage für die Zürcher SVP. Nie war die Gelegenheit für die national tonangebende Zürcher SVP besser als jetzt, wieder ins Stöckli zu kommen. Doch hat sie niemanden. Rita Fuhrer will nicht, Natalie Rickli auch nicht. Nach dem Abtritt von Hans Hofmann im Jahr 2007 haben es Ueli Maurer und Christoph Blocher versucht – ohne Erfolg. Dennoch darf man eine SVP-Kandidatur nie abschreiben. Jositschs Berufskollege etwa, Uni-Rechtsprofessor Hans-Ueli Vogt, könnte mit seiner ruhigen und sachlichen Art beim Publikum punkten. Etwas angriffiger wäre wohl ein Wahlkampf von Kantonsrat Jürg Trachsel oder Nationalrat Gregor Rutz. Zwei weitere mögliche SVP-Kandidaten sind für einen Ständeratsposten vielleicht zu weit in der Lobbyistenecke: Hauseigentümerchef Hans Egloff und Banker Thomas Matter.

Aufmischen wird den Wahlkampf gewiss Nationalrat Martin Bäumle. Er hat mit Verena Diener die Erfolgsstory GLP lanciert und wird den arrivierten Parteien das Leben schwer machen. Obs für den Ständerat reicht, ist allerdings fraglich. Bäumle hat nicht die Aura und das Staatsmännische von Diener, sondern ist eher der Mann fürs Grobe.

Die Grünen in der Frauenfalle

Und falls Bäumles früherer Intimfeind Balthasar Glättli für die Grünen (erneut) in die Hosen steigt, können wir uns auf fetzige Wahlpodien freuen. Weder Noser noch Jositsch noch Bäumle noch Glättli sind auf den Mund gefallen oder scheuen die Konfrontation.

Auffallend ist die Absenz von Frauen im Kandidatenfeld. Die SVP hat die Frauenkarte vergeben. Die SP kann Jositsch, der mehr als einmal Frauen den Vortritt liess, kaum verschmähen. Einzig Nationalrätin Chantal Galladé könnte die Kandidatur Jositsch nochmals infrage stellen.

CVP-Vielleicht-Kandidatin Barbara Schmid-Federer wiederum kann es mit den kandidierenden Schwergewichten kaum aufnehmen. Immerhin gibt die Ausgangslage den grünen Frauen Auftrieb. Trotz Glättli könnten es Frauen aus der zweiten Garnitur wie die Zürcher Gemeinderätinnen Katharina Prelicz und Karin Rykart oder Kantonsrätin Regula Kaeser auf den Schild der Frauenfördererpartei schaffen.

Erstellt: 02.02.2015, 11:22 Uhr

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