Die grosse Hitze kommt

Meteo Schweiz warnt vor den kommenden Hitzetagen. In Zürich wird es so heiss wie seit langem nicht mehr. Das ist vor allem für ältere Menschen gefährlich.

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Meteorologe Ludwig Zgraggen spricht von einem «Extremereignis». Auf die Schweiz kommt eine bis mindestens Dienstag andauernde Hitzewelle zu. Zgraggen mag es eigentlich, wenn es richtig heiss ist. Trotzdem warnt er nun: «Das kann richtig gefährlich sein, wenn man sich den Umständen nicht anpasst.» Deshalb hat Meteo Schweiz gestern Mittag eine Hitzewarnung herausgegeben – samt Pushmeldung auf ihrer App, was bedeutet, dass es sich um etwas Aussergewöhnliches handelt. Meist betreffen Pushmeldungen von Meteo Schweiz Stürme, Hagel oder sintflut­artige Regenfälle. Nun geht es erstmals seit März 2013, als dieses Vorwarnsystem auf der App aufgeschaltet wurde, um eine drohende Hitzewelle.

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So heiss wie selten in Zürich

In der Westschweiz und im Tessin herrscht Gefahrenstufe 4 oder Rot, was grosse Gefahr bedeutet. Es wird erwartet, dass die Tageshöchsttemperaturen während mindestens der nächsten fünf Tage auf über 30 Grad klettern. Gefahrenstufe 3 oder Orange herrscht im Grossraum Zürich, was mit erheblicher Gefahr beschrieben wird. Hier dauert die Hitzewelle mindestens drei Tage an. Am Sonntag soll es 35 bis 36 Grad heiss werden – auch in der Stadt Zürich. So heiss war es in Zürich laut Zgraggen bisher nur im Sommer 1947, 1983 und 2003.

Damit ist die Schweiz aber noch gut dran: Das Hitzezentrum liegt über Nordspanien und Frankreich, wo die Temperaturen auf weit über 40 Grad steigen können. Zgraggen gibt allerdings zu bedenken, dass in Städten wie Zürich die Hitze um bis zu 10 Grad höher empfunden wird, weil sie von den Asphaltwüsten und Häuserschluchten zurückgestrahlt wird. Und während es auf dem Land in der Nacht abkühlt, hält die Stadt die Hitze zurück. Zgraggen nimmt an, dass die Temperaturen in der Stadt ­Zürich in den kommenden Nächten nicht unter 25 Grad fallen.

Bei ihren Hitzewarnungen berücksichtigt Meteo Schweiz einen «Heat Index», der auf einer Grösse aus Temperatur und relativer Feuchte basiert. Denn wir ertragen Hitze bei tiefer Luftfeuchtigkeit besser als bei hoher. Vor allem ­ältere oder kranke Menschen, Kleinkinder und schwangere Frauen reagieren in der Regel empfindlich auf solche Verhältnisse. Sie belasten den Kreislauf und können zu Schwindel, Kopfschmerzen, Erschöpfung und Übelkeit führen. Die extreme Hitzewelle im Sommer 2003 hat in der Schweiz schätzungsweise 3000 Tote gefordert. In den Spitälern ist man für Hitzepatienten gewappnet. «Zusätzliches Personal aufbieten müssen wir aber deswegen nicht», heisst es beim Stadtspital Waid.

«Flüchten Sie tagsüber in den Wald oder in Pärke mit grossen Bäumen. Dann kann man die Hitze sogar geniessen.» Ludwig Zgraggen, Meteo Schweiz

Auch in den Altersheimen ist man sich der Gefahr bewusst. «Wir nehmen das sehr ernst», sagt Lena Tobler von den Alterszentren der Stadt Zürich. «Unsere Mitarbeiterinnen, aber auch die Bewohnerinnen und Bewohner sind auf das Thema sensibilisiert.» Der Grundsatz lautet: Viel trinken, körperliche Anstrengungen vermeiden oder auf den frühen Morgen oder in die Abendstunden verlegen, leichtes Essen, luftig bekleiden. Meteorologe Zgraggen rät: «Flüchten Sie tagsüber in den Wald oder in Pärke mit grossen Bäumen.» Dort sei das Mikroklima sehr viel angenehmer. «Dann kann man die Hitze ­sogar geniessen.»

Ähnlich tönt es beim Volksschulamt: «Die Lehrerinnen und Lehrer sollen mit ihren Klassen an kühle Orte gehen», sagt Amtschef Martin Wendelspiess. «In den Wald, in die Badi, in eine Kirche.» Und ein Diktat nachmittags um zwei oder drei Uhr anzusetzen, sei nicht ratsam. Hitzeferien gibt es bereits seit mindestens 15 Jahren nicht mehr. Diese waren einst kommunal geregelt. Abgeschafft wurden sie auf Betreiben der Eltern, die sich darauf verlassen wollten, dass ihre Kinder betreut sind. Und auf Anraten der Schulärzte, die darauf hinwiesen, dass sie unbeaufsichtigte Kinder bei höchster Ozonbelastung auf Garagenplätzen Fussball spielen sahen oder an der prallen Sonne in der Badi gesichtet hatten.

Gibt es wieder einen Hitzesommer?

Die letzte zweiwöchige Hitzeperiode, welche in den Tieflagen der ganzen Schweiz eine durchschnittliche Tagesmaximaltemperatur von 30 Grad und mehr brachte, war jene vom Sommer 2006, als das 14-Tages-Mittel in unserer Region bei 31 Grad lag. Ob uns gar wieder ein Hitzesommer wie 2003 droht, können die Meteorologen noch nicht sagen. Damals war es im Juni und Juli richtig heiss und zwischen dem 1. und 13.?August herrschte eine Höllenhitze: In Genf erreichte das höchste 14-Tages-Mittel damals 35,2 Grad, in Zürich 32,7 Grad. Die höchste Tagestemperatur von 41,5 Grad wurde in Grono im Misox GR registriert. Das war der höchste Wert, der offiziell je in der Schweiz gemessen wurde.

Ludwig Zgraggen sagt: «Dazu jetzt schon eine Prognose zu wagen, wäre verwegen.» Ein Ende der Hitzewelle zeichne sich derzeit allerdings noch nicht ab. Ab Dienstag werde es möglicherweise etwas weniger warm, doch kühlende Gewitter seien höchstens in den Alpen vereinzelt zu erwarten. «Zum Glück haben die Böden noch recht grosse Feuchtigkeitsreserven», sagt Zgraggen. «Damit ist die Landwirtschaft von der aktuellen Hitzewelle noch nicht stark betroffen.»

Erstellt: 30.06.2015, 21:52 Uhr

Erfrischendes Bad in der Aare.

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