Die kuriosen Rituale der Zünfter

Hinter verschlossenen Türen oder im Schutz der Dunkelheit pflegen die Zünfter seltsame Bräuche. Dabei gehen auch mal Stühle in Flammen auf – und Männer im Alkoholrausch unter.

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Das Räbenspiel

Spiele wie das das Räbenspiel bezeichnet der Volksmund als Trinkspiel. In Zunftkreisen jedoch hält sich die Behauptung hartnäckig, es sei ein Geschicklichkeitsspiel. Damit teste man die Fertigkeiten von Jungzünftern. Gesichert ist aber, dass das Räbenspiel schon manchem Zünfter zum Verhängnis wurde. Und so funktionierts: Man stelle einen Stuhl auf einen Tisch und setze einen mutigen Zünfter auf den Stuhl. Vor ihm warten drei Gläser Wein darauf, getrunken zu werden. Allerdings ist eine Erschwernis eingebaut: Während er trinkt, schwingt eine Räbe an einer Schnur im Kreis um seinen Kopf. Wird er vom Gemüse getroffen, bevor er ausgetrunken hat, werden seine Gläser wieder aufgefüllt und er beginnt von Neuem. Im Gegensatz zu anderen Geschicklichkeitsspielen wird dieses mit jeden Versuch schwieriger.

Der Saubannerzug

Randalierende Jugendliche, die alles kurz und klein schlagen, was ihnen in die Quere kommt: Das sind die Bilder, die wir im Kopf haben, wenn von einem Saubannerzug die Rede ist. Dabei wird unterschlagen, dass es am Sechseläuten jedes Jahr zu einem Saubannerzug kommt, zu einem gewaltfreien. Lange nach Mitternacht raufen sich die Unermüdlichen zusammen, und fallen abseits der offiziellen Zunftbesuche in die Zunfhäuser ein. Dort ziehen sie über den Zunftmeister und seine Verfehlungen vom Leder. Diese Reden, so sagt man, seien an rhetorischer Schärfe kaum mehr zu überbieten. TV-Nahost-Korrespondent Ulricht Tilgner soll nach einem Besuch des Sechseläutens soll von diesen Reden derart begeistert gewesen sein, dass er von gehaltvollen, rhetorischen Meisterstücken gesprochen habe.

Der Sidele-Ritt

Der Sidele-Ritt ist vielleicht das kurioseste Ritual der Zünfter. Es soll im Mittelalter entstanden sein und findet seither nur alle sieben bis zehn Jahre statt. Mitglieder der Zunft zur Meisen besuchen spät in der Nacht die Mitglieder der Zunft zur Waag, oder umgekehrt. Dazu setzen sie sich verkehrt herum auf alte Stühle und galoppieren über den Münsterhof – und zwar so lange, bis alle Stühle zu Bruch gegangen sind. «Das sieht erstens sehr seltsamaus und ist zweitens viel schwieriger als man meint», berichtet einer, der schon mal bei einem Sidele-Ritt dabei war. Schliesslich werden die kaputten Stühle mitten auf dem Münsterplatz zu einem Haufen aufgetürmt und angezündet. In Zunftkreisen munkelt man, der nächste Sidele-Ritt soll heute in der Nacht von Montag auf Dienstag durchgeführt werden.

Das Semmeli-Werfen

Das ist ein Ritual, das nicht im geheimen, sondern ganz offen praktiziert wird: Die Zunft zum Weggen wirft während des Umzugs Brot von ihrem Wagen. Auch dieses Ritual geht auf das Mittelalter zurück, es ist eine Anlehnung an Karl den Grossen, der unter den Armen Brot verteilte. Heute landen die Semmeli nicht mehr in den Händen der Armen, sondern an den Köpfen der Kinder am Rand des Umzugs.

Das Böller-Schiessen

Die Zünfter der Zunft zur Saffran schiessen am Sechseläutenmontag um 11 Uhr mit Vorderladern auf der Gemüsebrücke das Sechseläuten ein. Eine jüngere Tradition hält die Stadtzunft aufrecht. Einige ihrer Zünfter treffen sich bereits am frühen Morgen, frühstücken gemeinsam und fahren anschliessen mit Weidlingen die Limmat herunter, bis zum Hotel Marriot. Während der ganzen Fahrt zünden sie immer wieder kanonenähnliche Gerätschaften – am liebsten unter Brücken, denn dort knallen sie am lautesten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.04.2010, 17:12 Uhr

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