«Niemand mag Fluglärm»

Am Montagabend trafen die Zürcher Ständeratskandidaten zum letzten Mal aufeinander. Tagesanzeiger.ch hat das Podium live übertragen.

Streitgespräch mit den Zürcher Ständeratskandidaten: Verena Diener (GLP) mit Gesprächsleiter Edgar Schuler («Tages-Anzeiger»). (Video: Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am 27. November wird die Zürcher Vertretung im Ständerat gewählt. Vor dem entscheidenden Tag kreuzten die drei Kandidaten Verena Diener (GLP), Felix Gutzwiller (FDP) und Christoph Blocher (SVP) gestern Abend im Kaufleuten erneut die Klingen.

Vier Franken werde das Benzin kosten, sollte Verena Diener gewählt werden. So zumindest stand es in einem Brief, den Ex-Nationalrat und SVP-Mitglied Michael E. Dreher unlängst an rund 600'000 Autofahrer verschickt hat. Damit lieferte er dem Moderator Edgar Schuler von «Tages-Anzeiger» eine Steilvorlage für den Einstieg in das Podiumsgespräch im Kaufleuten. Stimmt das wirklich, wollte er von Diener wissen?

Experimente oder Anreize?

«Diese Zahl stammt nicht von mir», entgegnete Diener. Trotzdem sei eine Erhöhung nicht etwas, vor dem man sich fürchten müsse. «Die Autos werden in Zukunft noch halb so viel Benzin brauchen. Dann kann das Benzin auch doppelt so viel kosten, ohne dass es Sie mehr kostet», so Diener.

Nicht einverstanden damit war Christoph Blocher: «Wir sollten in einer Zeit, in der es wirtschaftlich so hart wird, nicht solche Experimente machen.» Eine Erhöhung der Kosten für Energie würde allerdings auch Felix Gutzwiller befürworten. «Wenn man sich überlegt, wie viel Energie verloren geht, die niemandem etwas bringt. Wir müssen wirklich Anreize schaffen, wenn wir eine bessere Energiepolitik machen wollen.»

Erster Publikumspunkt ging an Blocher

Den ersten Applaus des Publikums erntete Christoph Blocher, als über die Frankenstärke diskutiert wurde. «Wir haben einen riesigen Kostenblock, an dem wir nichts machen können. Das ist der Staat.» Deshalb habe die SVP ein Revitalisierungsprogramm vorgeschlagen, das vom Ständerat abgelehnt wurde.

Diener und Gutzwiller haben beide gegen den Vorstoss gestimmt, wie sie am Podium sagen, obwohl sie beide nichts gegen eine Senkung der Kosten des Staates hätten. Diener, weil der Vorstoss die Steuern für Unternehmen weiter senken wollte. Das sei inakzeptabel, nach dem bereits die Unternehmenssteuerreform den Staat eine Milliarde Franken gekostet habe. Gutzwiller, weil der Vorstoss zu viele Aspekte umfasst habe, die vom Kerngedanke abgewichen seien.

Pistenausbau verbieten oder nicht?

Nicht nur ein wunder Punkt in Zürich, sondern auch das Thema des kommenden Abstimmungssonntags ist der Betrieb am Flughafen Zürich. Eine Behördeninitiative verlangt, dass am bestehenden Pistensystem nichts mehr verändert werden darf. Gutzwiller ist gegen das Pistenausbauverbot, obwohl der Flughafen genügend Kapazität für die kommenden Jahre hätte. «Ich bin dagegen, dass man nun alles blockiert.» Das Volk habe so oder so bei jedem Projekt das Recht, mitzubestimmen. Wenn ein Ausbau oder eine Veränderung am Pistensystem die Effizienz steigern oder den Lärm senken sollten, dann wäre er durchaus dafür.

Diener gibt zu bedenken, dass hinter dieser Behördeninitiative 42 Gemeinden stehen. «Das ist eine eindrückliche Zahl, die zeigt, dass die Bevölkerung gegenüber den Flughafenbetreibern das Vertrauen verloren hat.» Die Gemeinden wollten Planungssicherheit, zudem reiche die Kapazität von rund 70'000 Flügen bis auf Weiteres. Zudem würden die Befürworter des Pistenausbaus stets mit unredlichen Argumenten kämpfen.

«Niemand mag Fluglärm», sagt Blocher. Ein Ausbau ins Unermessliche sei nicht erstrebenswert. Aber dass man eine Initiative von vornherein unterbinde, dass man am Flughafen etwas ändern könne, sei nicht gut.

Erstellt: 14.11.2011, 18:14 Uhr

Artikel zum Thema

Zürcher Ständerat: Diener und Gutzwiller steigen gegen Blocher in den Ring

SP, CVP und Grüne werfen das Handtuch. SVP-Schwergewicht Christoph Blocher hingegen gibt nicht auf. Er tritt gegen die Bisherigen Verena Diener und Felix Gutzwiller im zweiten Wahlgang an. Mehr...

«Gerüchte mag ich nicht»

Was machen eigentlich die drei Ständeratskandidaten vor dem zweiten Wahlgang? Zum Beispiel ihre Wäsche. Verena Diener gewährt uns Einblicke in ihren Alltag im Teil 1 der Serie «Kandidaten ganz privat». Mehr...

«‹Blocher ist depressiv und erledigt› – das ist ein Wunschtraum meiner Gegner»

Was machen eigentlich die drei Ständeratskandidaten vor dem zweiten Wahlgang? Zum Beispiel Mozart hören. Christoph Blocher gewährt Einblicke in seinen Alltag im 2. Teil der Serie «Kandidaten ganz privat». Mehr...

Streitgespräch im Kaufleuten

Die Podiumsdiskussion des «Tages-Anzeiger» begann um 19.30 Uhr und wird unter www.podium.tagesanzeiger.ch live übertragen. Nach der Debatte auf der Bühne werden die Kandidaten Fragen aus dem Publikum beantworten – und jene von Tagesanzeiger.ch-Lesern. Schreiben Sie Ihre Fragen in die Kommentarspalte, wir wählen die spannendsten aus. Die Chancen werden grösser, wenn sich eine Frage an alle drei Kandidaten richtet.

Das letzte Mal wurden die Kandiaten unter anderem gefragt, wie viel ihr Wahlkampf kostet und wie viel sie davon selber tragen. Christoph Blocher gab dabei keine genauen Zahlen bekannt – ausser dass es mindesten 300'000 Franken seien.

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...