«Die meisten tun das, aber nur wenige sagen es»

Barbara Schmid-Federer (CVP) hat in Bern eine steile Karriere gemacht, die sie jetzt in den Ständerat tragen soll. Sie sagt, das sei nur konsequent – und verteidigt einen ihrer seltenen Stolperer.

«Das ist einfach ein weiterer Schritt»: Barbara Schmid-Federer am Donnerstagabend nach ihrer Nomination zur Ständeratskandidatin.

«Das ist einfach ein weiterer Schritt»: Barbara Schmid-Federer am Donnerstagabend nach ihrer Nomination zur Ständeratskandidatin. Bild: Walter Bieri/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Frau Schmid-Federer, Sie gelten als gewiefte Vermarkterin Ihrer selbst. Ins Bild passt, dass sie sich politisch profiliert haben mit einem Thema, mit dem man fast nur gewinnen kann: dem Schutz der Kinder vor den Gefahren im Internet. Tut man Ihnen Unrecht mit dieser Einschätzung?
Das ist ein Thema, das mich persönlich betroffen gemacht hat, weil ich als Mutter mit solchen Fällen konfrontiert war. Es ist also nichts anderes als ein authentisches Handeln. Ich bin aber noch auf vielen anderen Schienen aktiv. Nicht nur in der Politik. Ich denke zum Beispiel an mein Engagement fürs Rote Kreuz, was sich in der Flüchtlingsfrage niedergeschlagen hat, in der ich viel Arbeit leistete. Ich schätze mich als jemand ein, der sehr sachpolitisch arbeitet – und vor allem viel arbeitet.

Verlieren Sie bei all Ihren verschiedenen Engagements nicht manchmal den Überblick? Wie damals, als Sie als Atomgegnerin aus Versehen der atomfreundlichen «Aktion für vernünftige Energiepolitik» (Aves) beitraten.
Ich war ja nicht die Einzige, die damals beigetreten ist. Auch andere meinten, es gehe tatsächlich um die breitgefächerte Diskussion einer «vernünftigen Energiepolitik». Leider hat sich Aves dann schnell als Atomlobby-Organisation herausgestellt. Womit ich wirklich Mühe hatte, ist aber, dass sie auch nach meinem Austritt noch etwa zwei Jahre lang behauptete, ich sei Mitglied.

Die Frage war, ob man so umtriebig und doch überall präsent sein kann.
Die meisten von uns Parlamentariern machen so viel wie ich. Bloss weisen es nur die wenigsten auch transparent aus. Ich hingegen habe das von Anfang an immer getan.

Sie sind einst aus dem Nichts in den Nationalrat gekommen. Wenig später hatten sie einen Sitz im CVP-Präsidium. Jetzt soll es der Ständerat sein. Gibt es auch Aufgaben, die Sie sich nicht zutrauen?
Dass ich mich nach acht Jahren im Nationalrat ums nächste Amt bewerbe, ist nichts Aufsehenerregendes. Das ist einfach ein weiterer Schritt.

Trotzdem strebt den nicht jeder konsequent an.
Ich habe das nicht von Anfang an so geplant. Ich fühle mich einfach wohl in Bern und mache meine Arbeit gerne. Was ich im Moment aber sicher nicht anstreben würde, ist ein Regierungsposten. Solange meine Kinder noch zu Hause sind, wäre das zu viel.

Die Zürcher CVP versucht sich zurzeit als Frauenpartei zu profilieren, weil andere das Feld offen gelassen haben. Ist das nicht etwas opportunistisch? Schliesslich glänzt die Partei im Bundeshaus nicht mit überdurchschnittlichem Frauenanteil.
Wir haben deutlich mehr Frauen als die anderen bürgerlichen Parteien. Wir wollen uns auch nicht profilieren. Es ist doch nur natürlich, dass wir reagierten, als wir sahen, dass fast nur Männer für den Ständerat kandidieren. Zürich hat eine sehr lange Tradition von Ständerätinnen. Ich habe den Eindruck, dass viele erwarten, dass Frauen auch künftig angemessen vertreten sind.

Glauben Sie überhaupt an Ihre Wahlchance? Wer in Zürich mit einer kleinen Partei wie der CVP für den Ständerat kandidiert, übernimmt doch einfach den Job als Wahlkampflokomotive.
Wenn ich nicht daran glauben würde, würde ich nicht antreten. Natürlich ist es schwierig als Vertreterin einer kleinen Partei, aber ich bin überzeugt, dass die Zürcherinnen und Zürcher eine unabhängige Kandidatin suchen. Eine, die aus dem Zentrum kommt und nicht die Positionen einer Polpartei vertritt. Silvia Steiner hat das ja in den Regierungsratswahlen gerade erst bewiesen.

Sie sind streng genommen gar keine Mitte-Politikerin, sondern politisieren am links-liberalen Rand der CVP. Sie sagen zum Beispiel Ja zur Hanf-Legalisierung und zum kommunalen Wahlrecht für Ausländer – gegen die offizielle Haltung Ihrer Partei. Sind Sie dort am richtigen Ort?
Gesamtschweizerisch gesehen vertrete ich in der CVP sicher den urbanen Flügel, nicht den konservativen. In Zürich bin ich hingegen eine typische, gesellschaftsliberale Vertreterin der CVP, die sich zudem für die Interessen der KMU einsetzt. Natürlich sind wir eine Volkspartei mit verschiedenen Strömungen und müssen uns immer wieder zusammenraufen. Ich betrachte das aber als Chance. Wenn wir uns mal gefunden haben, sind unsere Lösungen tragfähig.

Wofür steht das «C» in CVP für Sie persönlich?
Das Wort liberal-sozial drückt es gut aus: Man überlässt dem Menschen die Eigenverantwortung, sein Leben zu gestalten. Erst wenn sich jemand selbst nicht mehr tragen kann, hilft man ihm und greift ihm unter die Arme. Das ist für mich ein christliches Gesellschaftsbild und entspricht übrigens ziemlich genau der katholischen Soziallehre.

Sie sprechen sich für die staatlich subventionierte Fremdbetreuung von Kindern aus. Ist das aus christlicher Warte eine vertretbare Familienpolitik, die darauf abzielt, die Kindererziehung auszulagern?
Die Familie muss selbst entscheiden können, wie sie sich organisiert, und der Staat muss die Rahmenbedingungen dafür bieten. Damit liege ich vollständig auf der Linie der CVP. Die Diskussionen um die Familienpolitik verlaufen oft viel zu ideologisch. Es soll weder auf die eine noch auf die andere Seite ein Modell zementiert werden.

Ein anderer Schwerpunkt Ihrer Politik hat Ihnen schon Kritik eingetragen. Es hiess, sie hätten als Verwaltungsrätin eines Apothekenbetriebs und Frau des Zürcher Apothekerverbandspräsidenten Positionen in der Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit durchgesetzt, die den Interessen der Patienten zuwiderlaufen. Dagegen haben Sie sich heftig gewehrt – warum?
Weil es ein politischer Feind war, der mich und meinen Mann in Ihrer Zeitung persönlich und entgegen der Tatsachen angriff: Sie können sich das vielleicht schwer vorstellen, aber mein Mann und ich besprechen zu Hause nicht jedes Geschäft miteinander. Dazu haben wir auch gar nicht die Zeit. Ich politisiere relativ unabhängig. Als Mitglied der Stiftung Patientenschutz vertrete ich übrigens sehr wohl auch die Interessen der Patienten.

Sie verstehen sicher, dass es schwerfällt, zu glauben, Sie würden in einer solchen Schlüsselposition die Interessen jener Branche nicht vertreten, in der Sie beruflich verankert sind?
So ist es ja auch nicht. Ich kenne die Anliegen der Apotheker und setzte mich für sie ein – was übrigens nicht mit den Anliegen der Pharmaindustrie verwechselt werden darf. Wenn der Staat zum Beispiel die Medikamentenpreise in kurzen Abständen immer wieder senkt, haben die Apotheker am Schluss ein echtes Problem.

Erstellt: 08.05.2015, 17:41 Uhr

Ständeratswahlen 2015

Die Zürcher Nominierten

In den Ständeratswahlen gilt es diesen Herbst beide Zürcher Sitze neu zu besetzen. Dies, weil sowohl Verena Diener (GLP) als auch Felix Gutzwiller (FDP) nicht mehr antreten. CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer ist die siebte Kandidatin, die sich um das Amt bewirbt. Vor ihr sind bereits Hans-Ueli Vogt (SVP), Daniel Jositsch (SP), Ruedi Noser (FDP), Martin Bäumle (GLP) und Maja Ingold (EVP) ins Rennen gestiegen. Noch nicht definitiv aufgestellt ist der Grüne Bastien Girod. Seine Partei entscheidet am 12. Mai über die Nomination. (lop)

Artikel zum Thema

Schmid-Federer soll für CVP ins Stöckli

Die Delegierten der Zürcher CVP haben die 49-Jährige Nationalrätin Barbara Schmid-Federer als Ständerats-Kandidatin nominiert. Mehr...

Kein Schweizer Gift für US-Todesspritzen

Den amerikanischen Henkern gehen die tödlichen Präparate aus. Sie suchen daher weltweit nach Nachschub. Die EU hat derartige Lieferungen schon länger verboten. Nun soll auch die Schweiz nachziehen. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Grosser Sammelspass für die ganze Familie

Perfekt für kalte Wintertage: Bei jedem Einkauf Marken sammeln und gegen exklusive «Disney Winterzauber»-Prämien von Coop eintauschen!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Zum Wiehern: Ein Pferd scheint sich in Feldberg im Schwarzwald über die weisse Pracht zu freuen. (18. November 2019)
(Bild: Patrick Seeger) Mehr...