Die unterirdische Ruine der Migros

Am Zürcher Rheinufer zerfallen unter der Erde 200 Tanks, die nie im ursprünglichen Sinn genutzt wurden. Jetzt müssen sie aus Sicherheitsgründen verschwinden.

Seit Jahrzehnten nicht mehr in Betrieb: Ein verwachsenes Zeugnis der unterirdischen Anlage der Migrol. Bild: Wikipedia

Seit Jahrzehnten nicht mehr in Betrieb: Ein verwachsenes Zeugnis der unterirdischen Anlage der Migrol. Bild: Wikipedia

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Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler lag mit seinem Geschäftsinstinkt oft richtig. Bei Eglisau aber zerbröselt im Untergrund eine gewaltige Ruine, die von einer verlorenen Wette zeugt. Es begann damit, dass Duttweiler Mitte der Fünfzigerjahre die Migrol gründete, um die Platzhirsche im Benzingeschäft anzugreifen. Seine Tankstellen heizten mit Tiefstpreisen den Wettbewerb an.

Am Zürcher Rheinufer liess Duttweiler in diesen Jahren ein riesiges unterirdisches Tanklager für Treib- und Brennstoffe bauen. Die Anlage erstreckt sich über ein Areal von 40'000 Quadratmetern – das ist dreimal der Zürcher Sechseläutenplatz. Man ging damals davon aus, dass der Hochrhein bald als Wasserstrasse für Frachtschiffe ausgebaut würde. Diese hätten den Treibstoff direkt bis in den Norden des Kantons Zürich transportieren sollen. Doch die Pläne zerschlugen sich – und Duttweilers Pionierwerk wurde nutzlos.

Viele ungeschützte Zugänge

Von 1957 bis 1978 betrieb die Migrol das Lager von Land her, später entleerte sie die rund 200 Tanks und verkaufte das Areal. Die unterirdischen Bauten aus Stahl und Beton zerfielen seither und wurden zunehmend zum Sicherheitsrisiko. Denn die unterirdische Anlage hat viele ungeschützte Zugänge, zudem liegt sie an einem Wanderweg. Auf dem verwaisten, nicht eingezäunten Gebiet zeugen überwachsene Betonbauten, Türen oder Schachtdeckel noch von Duttweilers Zeit.

Mussten vor zwei Jahren gesichert werden: Die Schachtdeckel zu den Tanks. Bild: PD

Vor zwei Jahren liess der Kanton die gesamte Anlage sichern, jetzt sollen die Tanks ganz verschwinden. Anfang Dezember beginnt das Bewilligungsverfahren für den Rückbau, wie die Gemeinde Eglisau, der Kanton Zürich und die Migrol AG heute Dienstag gemeinsam mitteilten. Das hat noch einen zweiten Grund: Durch den Umschlag und die Lagerung von Treib- und Heizstoffen könnten immer noch relevante Mengen von Kohlenwasserstoffen im Untergrund vorhanden sein.

Nichts soll mehr daran erinnern

Die Migrol übernimmt die Bauherrschaft für die Sanierung und trägt 90 Prozent der Kosten von insgesamt rund fünf Millionen Franken. Der Kanton Zürich übernimmt den Rest, «weil es im öffentlichen Interesse liege, dass das Gefahrenpotenzial nachhaltig beseitigt werden könne», wie er schreibt.

Die Rückbauarbeiten beginnen voraussichtlich in der ersten Hälfte 2018 und sollen ein Jahr lang dauern. Der Boden über dem Tanklager wird dabei wieder in den Zustand vor dem Erstellen des Bauwerks versetzt. Dadurch werde das Naherholungsgebiet entlang des Rheins von Altlasten befreit und aufgewertet, heisst es in der Mitteilung. (hub/sda)

Erstellt: 14.11.2017, 13:21 Uhr

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