Diener und Gutzwiller: Appell an die Zürcher Spitäler

Der Beschluss, die Herztransplantationen in Zürich, Bern und Lausanne zu belassen, überrascht die Ständeräte Verena Diener und Felix Gutzwiller nicht. Nun haben sie aber eine klare Forderung an die Zürcher Spitäler.

Unispital, Triemli, Kinderspital und Hirslanden sollen sich auf ein Herzzentrum einigen, fordern die Zürcher Ständeräte Felix Gutzwiller (FDP) und Verena Diener (GLP).

Unispital, Triemli, Kinderspital und Hirslanden sollen sich auf ein Herzzentrum einigen, fordern die Zürcher Ständeräte Felix Gutzwiller (FDP) und Verena Diener (GLP). Bild: Sophie Stieger

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Der Entscheid sei «mindestens zu 50 Prozent» politisch motiviert, meint die Zürcher Ständerätin Verena Diener (GLP) gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Der Föderalismus, Prestigegedanken und verhärtete Fronten hätten keine andere Lösung mehr zugelassen. «Alles andere hätte mich sehr verwundert.» Die Folge sei, dass die drei Herzzentren – gemessen an den Fallzahlen – ein «grosszügiges Angebot» böten.

Verena Diener hatte als Zürcher Gesundheitsdirektorin einst den Tabubruch gewagt und laut darüber nachgedacht, die Herztransplantationen abzugeben. Starchirurg Thierry Carrel hatte darauf Zürich eine Absage erteilt und blieb in Bern. Grundsätzlich befürworte sie eine Konzentration gewisser spitzenmedizinischer Eingriffe aus qualitativen und ökonomischen Gründen. «Das ist aber ein anspruchsvoller Weg», sagt Diener rückblickend und auch mit Blick auf den heutigen Entscheid der Gesundheitsdirektoren.

«Die Schweiz leistet sich zu viele Zentren»

Diener war damals stark kritisiert worden für ihre Idee. «Fast alleine so etwas durchzuziehen, ist unmöglich», lautet ihre Bilanz. Der wirtschaftliche Leidensdruck sei zu gering. Wenn einmal die Arbeitslosenzahlen steigen und die Steuererträge ausbleiben, werde sich dies vielleicht ändern. Doch nun leiste sich die Schweiz im Prinzip zu viele Zentren der hochspezialisierten Medizin. Es sei eine klassische Machtfrage. Und solange man sich darauf konzentriere, sei man meilenweit von einer durchdachteren Lösung entfernt.

Nun ruft Diener die Zürcher Spitäler auf, sich zusammenzuraufen und aus ihren vier Herzkliniken Unispital, Triemli, Kinderspital und Hirslanden ein grosses Zentrum zu machen. Dieses hätte das Potenzial, ein Medizinzentrum von Weltruf zu werden, meint Diener. Und ein guter Ruf lasse sich nicht vierteilen. Gegen eine innerzürcherische Konzentration gibt es aber derzeit viel Widerstand. «Wenn die Akteure in Zürich einander bekämpfen, vergeben sie eine grosse Chance», bedauert Diener. Aufeinander zuzugehen seien die Gesundheitsplayer aber den Schweizer Patienten und Steuerzahlern schuldig. Es gehe auch um den internationalen Konkurrenzkampf und die Akquirierung vermögender ausländischer Patienten.

«Ein Zürcher Zentrum wäre ein starker Medizinplatz»

Dieners Ständeratskollege Felix Gutzwiller (FDP) fordert die Zürcher Politik und Spitäler ebenfalls auf, Synergien zu suchen und die Herzkliniken zusammenzufassen. «Ein Zürcher Zentrum wäre ein starker Medizinplatz im europäischen Wettbewerb», meint er.

Dass man entschied, die Herztransplantationen an den drei bisherigen Standorten Zürich, Bern und Lausanne zu belassen, sei für Zürich positiv, so Gutzwiller weiter. «Alles andere hätte mich überrascht.» Die angepeilte Reduktion auf zwei Zentren hätte ökonomisch gar nicht so viel gebracht, meint der Gesundheitspolitiker. Ein Einzelelement aus der Herzmedizin herauszulösen, sei auch nicht unbedingt sinnvoll.

Gutzwiller räumt ein, dass die Fallzahlen der einzelnen Zentren nun an der unteren Grenze sind. Das allein reiche aber nicht, um die sehr föderalistisch organisierte Schweizer Gesundheitspolitik zu knacken. Das bessere Objekt für eine Konzentration bieten laut Gutzwiller die grösseren Eingriffe im Bereich der Bauchchirurgie.

Erstellt: 19.09.2013, 17:49 Uhr

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