Diener verzichtet – Bäumle tritt an

Die Ständerätin Verena Diener will im Oktober nicht mehr als Kandidatin der Grünliberalen Partei antreten. Martin Bäumle wird sich zur Wahl stellen.

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Lange hat sie sich mit der Bekanntgabe ihres Entscheids Zeit gelassen. Heute nun eröffnete Verena Diener an einer kurzfristig anberaumten Medienkonferenz, dass sie zu den kommenden Ständeratswahlen nicht mehr antreten werde.

Nach vierzig Jahren aktiver Politik sei es an der Zeit, auch anderen eine Chance zu geben, sagte Diener vor den Medien. Sie vertrat den Kanton Zürich seit 2007 im Ständerat. Davor war sie von 1987 bis 1998 Nationalrätin und von 1995 bis 2007 Zürcher Regierungsrätin.

Eine «nahtlose Fortsetzung»

Für die Grünliberale Partei (GLP) will sich Martin Bäumle am 18. Oktober 2015 zur Wahl stellen. Die Mitgliederversammlung muss seine Kandidatur noch genehmigen. Dies sei aber eine reine Formalität und geschehe nach den kantonalen Wahlen vom 12. April, sagte Kantonalpräsident Thomas Maier.

Maier versucht, den Zürcher Stimmberechtigten die Kandidatur Bäumles als eine Chance zur «nahtlosen Fortsetzung» der bisherigen Konstellation schmackhaft zu machen. Tatsächlich ist der 50-jährige Atmosphärenwissenschaftler neben Diener die andere grosse Figur der Zürcher GLP – die beiden haben die Partei 2004 zusammen gegründet.

Diener mochte nicht taktieren

Die Grünliberalen glauben, dass der Zeitpunkt für den Rücktritt Dieners gut gewählt ist. Weil mit Felix Gutzwiller (FDP) auch der andere Zürcher Ständerat nicht mehr antritt, entsteht eine Doppelvakanz. «Bei dieser Ausgangslage haben wir eine gute Chance, mit einer Mittekandidatur unseren Sitz zu verteidigen», sagte Maier.

Verworfen haben die Grünliberalen die Idee, Diener aus taktischen Gründen noch einmal antreten zu lassen, damit sie dann bei Halbzeit der Legislatur Platz für einen Nachfolger macht. «Ich bin zwar auch von Vertretern anderer Parteien dazu ermuntert worden», sagte Diener, «aber das wäre gegenüber der Bevölkerung nicht fair gewesen.» Noch einmal vier volle Jahre anzuhängen, wäre ihr zu viel gewesen.

Bäumle nach Infarkt wieder «voll belastbar»

Martin Bäumle bewarb sich selbst vor allem als Mann der Wirtschaft. Drängende Fragen für den Standort Zürich seien vor allem die Umgestaltung der Finanzindustrie und die Weiterentwicklung der Hightech-Branche. Seine ökologischen Anliegen erwähnte er erst ganz am Schluss: Der Kanton Zürich müsse für Probleme wie die Klimapolitik und den Atomausstieg wirtschaftsfreundliche Lösungen finden.

Bäumle hat jahrelange Erfahrung als Exekutivpolitiker und Parlamentarier: Er ist seit 1998 Finanzvorsteher von Dübendorf und vertritt die GLP seit 2003 im Nationalrat. Davor war er auch Zürcher Kantonsrat. Seit 2007 ist er Präsident der GLP Schweiz.

Für Schlagzeilen gesorgt hat auch Bäumles Gesundheit: Er erlitt vor einem Jahr einen Herzinfarkt, was der Vielbeschäftigte später auf sein übermässiges Arbeitspensum zurückführte. Er versicherte heute vor den Medien aber, dass er inzwischen wieder voll belastbar sei und besser auf seinen Körper höre. Zudem gehe er davon aus, dass die Belastung bei einem Wechsel vom National- in den Ständerat nicht zunehmen würde.

Sympathien für den FDP-Kandidaten Noser

Neben Bäumle wollen im Herbst Ruedi Noser (FDP) und Daniel Jositsch (SP) um einen Sitz im Ständerat kämpfen – wobei Jositsch noch nicht offiziell nominiert ist. Am Wochenende hat der grüne Nationalrat Bastien Girod bekannt gegeben, dass er nicht als Ständeratskandidat antreten werde. Seine Parteikollegin Katharina Prelicz-Huber hat ihre Kandidatur bereits vor einigen Wochen angekündigt. Wer für die SVP und die CVP als Nachfolger des abtretenden FDP-Ständerats Felix Gutzwiller antreten wird, ist noch nicht bekannt.

Bäumle gab heute zu erkennen dass er für Ruedi Noser grosse Sympathien hege. Dieser habe ihn stark dabei unterstützt, in Bern seiner Idee eines Innovationsparks auf dem Flugplatz Dübendorf zum Durchbruch zu verhelfen. «Zudem mögen wir uns auch persönlich.»

Laut Bäumle muss dies aber nicht heissen, dass die GLP zusammen mit der FDP in den Wahlkampf ziehen wird, um das Duo Noser/Bäumle quasi als Realersatz für das Duo Gutzwiller/Diener zu bewerben. Es sei Sache der Partei, über allfällige Bündnisse zu entscheiden. Zunächst müsse man erst einmal das ganze Kandidatenfeld kennen. Und überhaupt: Er könne sich eine Zusammenarbeit mit diversen Persönlichkeiten vorstellen.

(mit Material der SDA)

Erstellt: 02.02.2015, 10:02 Uhr

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