Diese Fragen muss Martin Graf beantworten

Heute nimmt der Zürcher Justizdirektor Martin Graf (Grüne) erstmals Stellung zum Fall Carlos. Tagesanzeiger.ch/Newsnet ist ab 14 Uhr live vor Ort.

Steht vor seinem schwierigsten Auftritt seit seiner Wahl in den Regierungsrat: Martin Graf (Grüne).

Steht vor seinem schwierigsten Auftritt seit seiner Wahl in den Regierungsrat: Martin Graf (Grüne). Bild: Steffen Schmidt/Keystone

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Heute Nachmittag präsentieren Justizdirektor Martin Graf (Grüne) und Oberjugendanwalt Marcel Riesen (SVP) den Bericht der Oberjugendanwaltschaft zum Fall Carlos und zu den getroffenen Massnahmen. Den Bericht hat Graf Mitte letzter Woche angefordert, nachdem der Fall in einem Fernsehbeitrag über den Leitenden Jugendanwalt der Stadt Zürich, Hansueli Gürber (SP), bekannt geworden war. Dieser hatte die Therapiemassnahmen für den heute 18-jährigen Messerstecher Carlos (Name geändert) angeordnet.

Carlos verbrachte seine Jugend sowohl in geschlossenen Institutionen als auch in Heimen, die auf jugendliche Gewalttäter spezialisiert sind. Doch auch hier war er bald nicht mehr tragbar. 2012 wurde er verurteilt, weil er einen anderen Jugendlichen niedergestochen hatte. Gürber ging vor gut einem Jahr zu einem neuen, 29'000 Franken teuren Therapiekonzept über: Carlos wohnte in einer 4,5-Zimmer-Wohnung in Reinach (BL) , wurde rund um die Uhr von einer Sozialarbeiterin betreut, erhielt Thaibox-Unterricht und musste gleichzeitig im Kampfsportzentrum Reinigungsarbeiten erledigen. Zudem wurde er von einem Privatlehrer geschult.

Erste Therapieerfolge

Erstmals soll Carlos Therapieerfolge gezeigt haben und nicht mehr rückfällig geworden sein. Entgegen diesen Aussagen soll der Jugendliche aber im Frühjahr in einem Fitnesscenter ausgerastet sein und anderen Menschen mit dem Tod gedroht haben. Carlos’ Thaiboxtrainer Shemsi Beqiri ist ebenfalls einschlägig vorbestraft.

Nach dem grossen Medienrummel um seine Person wurde Carlos am letzten Freitag ins Gefängnis Limmattal versetzt – zu seinem eigenen Schutz, wie die Behörden sagen. Ein Gesuch um Freilassung hat das Obergericht vorläufig abgelehnt. Carlos’ Anwalt ficht den Entscheid vor Bundesgericht an.

Im Fall Carlos gibt es viele offene Fragen. Diese muss Martin Graf heute beantworten:

  • Wie lassen sich die 29'000 Franken monatlich für die Therapie rechtfertigen?
  • Beim Thaiboxen geht es darum, den Gegner mit allen Mitteln k. o. zu schlagen. Ist das der richtige Sport für einen gewalttätigen Jugendlichen wie Carlos?
  • Jugendanwaltschaft und Bezirksgericht verkaufen die 29’000-Franken-Therapie als Erfolg. Wussten sie nicht, dass Carlos angeblich wieder ausfällig geworden ist und Menschen mit dem Tod gedroht hat ?
  • War der Jugendanwaltschaft bekannt, dass auch Carlos’ Thaiboxtrainer ein verurteilter Gewalttäter ist ?
  • Welche Konsequenzen hat der Fall Carlos für die Jugendanwaltschaft und für den leitenden Jugendanwalt Hansueli Gürber?
  • Gibt es künftig für solche Fälle eine Kostenkontrolle? Eine Maximalgrenze?
  • Wie viele Jugendliche geniessen eine ähnliche Betreuung wie Carlos und wie viel kostet das die Steuerzahler?
  • Wie kann es sein, dass die Jugendanwaltschaft eine Organisation ohne Vermittlungs- und Heimbewilligung mit der Betreuung von Carlos beauftragte?
  • Was passiert nun mit Carlos?

Erstellt: 06.09.2013, 12:21 Uhr

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Der Fall Carlos Die Rundumbetreuung eines heute 18-jährigen Gewaltdelinquenten, welcher den Staat 29'000 Franken monatlich kostet, löst grosse Wellen aus.

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