Diese Pflanzen gehören nicht in unsere Gärten

Sommerflieder und andere Gartenblumen sind Problempflanzen, die nicht in unsere Gefilde gehören. Trotzdem werden sie in Gartenzentren zum Verkauf angeboten.

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Der prachtvolle Sommerflieder wird in Gartenzentren als Schmetterlingsbaum angepriesen und ist in Tat und Wahrheit ein Schädling. Er gehört zu jenen Pflanzen, die bei uns die Artenvielfalt vermindern, weil sie einheimische Pflanzen verdrängen.

Info Flora, das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora, hat eine neue schwarze Liste herausgegeben, welche jene pflanzlichen Neuzuzüger aufführt, die sich invasiv verhalten. Die Anzahl hat sich von bisher 24 auf 41 Pflanzenarten erhöht.

Darunter sind manche Pflanzenarten, die häufig in Schweizer Gärten anzutreffen sind und die auch in den Gartenzentren noch angeboten werden: so der Sommerflieder, die Kanadische Goldrute, der Kirschlorbeer, der Essigbaum und die Neubelgische Aster.

Sträucher jetzt entfernen

Tatsächlich sind etwa zwei Drittel der schädlichen Neophyten nicht unbeabsichtigt eingeschleppte Arten. Sie wurden als Zierpflanzen eingeführt und vor allem in Privatgärten angepflanzt.

Laut Stefan Eggenberg von Info Flora sollten diese Pflanzen aus den Gärten entfernt werden. Und für die Sträucher wäre jetzt die richtige Zeit dafür. Dabei sei allerdings zu beachten, dass diese nicht einfach im Gartenkompost entsorgt werden dürfen. Wo keine professionell geführte Kompostieranlage genutzt werden kann, bleibt nur die Kehrichtverbrennung.

Attraktive einheimische Alternativen

Auch gibt es attraktive einheimische Alternativen für die Schädlinge. Für den Kirschlorbeer zum Beispiel eine Buchen- oder Eibenhecke oder Lorbeer, die ebenfalls Sichtschutz bieten. Für den Sommerflieder Sanddorn oder Rispenhortensien, für den Essigbaum den Vogelbeerbaum, für die Goldrute das Johanniskraut.

Eggenberg rät dazu, beim Einkauf Merkblätter zu studieren und sich in den Gartenzentren informieren zu lassen. Laut Pro Natura soll man weiter drauf achten, dass die Pflanzen aus der Region stammen und dass es sich um keine Zuchtformen handelt. Um Verwechslungen zu vermeiden, solle man sich auf die wissenschaftlichen Namen stützen.

Verbote und Deklaration müssen her

Info Flora und Pro Natura verlangen zudem seit Jahren, dass das Sortiment der Gartenzentren angepasst wird und solche Pflanzen nicht mehr verkauft werden dürfen oder zumindest deklariert werden müssen. Dazu müssten sie aber in die Freisetzungsverordnung des Bundes aufgenommen werden.

Pro Natura hat hochgerechnet, dass Kantone, Gemeinden und Naturschutzorganisationen jährlich über 20 Millionen Franken investieren, um invasive Neophyten aus ökologisch wertvollen Lebensräumen zu entfernen. Sie prangern den Leerlauf an, dass im Wald mit Steuergeldern Kirschlorbeer ausgegraben wird, während dieser in den Gärtnereien legal verkauft und im Garten nebenan angepflanzt wird.

Stefan Eggenberg gibt zu bedenken: «Vielen Gartenbesitzern ist diese Problematik gar nicht bewusst. Es braucht eine Sensibilisierung der Privatgärtner.» Tatsächlich ist der private Gartenbesitzer bisher wenig mit dem Thema der invasiven Neophyten in Berührung gekommen. So führt der Kanton Zürich zwar derzeit Schulungen für Gemeindevertreter durch, die Privatpersonen und die Problempflanzen in Privatgärten aber sind kaum Thema.

//www.infoflora.ch/de/flora/neophyten/listen-und-infoblätter.html; //www.pronatura.ch/invasive-gebietsfremde-arten (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.09.2014, 13:25 Uhr

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