Doping und Drogen per Post

Der Onlinemarkt für Designerdrogen und Doping floriert. Am Flughafen steigt die Zahl illegaler Pakete markant an. Die Drogen sind meist geschickt getarnt, wie Zollinspektor Daniel Tschudin erklärt.

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Herr Tschudin, die Zöllner am Flughafen Zürich führten 2011 noch 10'141 Kontrollen durch. Zwei Jahre später waren es nur noch 7818. Weshalb nimmt diese Zahl ab?
Wir kontrollieren weniger, dafür vertiefter und gestützt auf Risikoanalysen. So versuchen wir nur dann aktiv zu werden, wenn wir einen begründeten Verdacht haben.

Wie entsteht dieser begründete Verdacht?
Wir haben Zugriff auf die wichtigen Daten noch bevor die Frachtsendungen oder Fluggäste ankommen. So sehen wir beispielsweise die Passagierliste vor der Landung der Maschine. Die Fracht- oder Passagierdaten schauen wir systematisch und aufgrund von Risikoindikatoren genau an. Wir nehmen dabei etwa unter die Lupe, ob der Transportgrund der Frachtlieferung plausibel erscheint, woher die Sendung stammt und welche Waren sie beinhaltet. Genaueres kann ich aus taktischen Gründen nicht bekannt geben.

Die Fälle, bei denen die Grenzwächter Doping und Heilmittel feststellten, haben von 335 auf 641 zugenommen. Wie erklären Sie diesen markanten Anstieg?
Das ist ein Trend, den wir vor allem im Postverkehr feststellen. Er hat mit dem wachsenden Onlinehandel zu tun. Im Ausland können diese Produkte in Onlineshops gekauft werden und finden so den Weg in die Schweiz.

Wie gross sind die Lieferungen, die Ihnen ins Netz gehen?
Das können Kleinsendungen sein für den persönlichen Bedarf, immer häufiger sind es aber auch grössere Sendungen. Wir stellten zum Beispiel vergangenen August 900 Ampullen und mehr als 20'000 Tabletten Dopingmittel sicher. Es steht fest, dass damit nicht der persönliche Bedarf gedeckt wird.

Woher stammen diese Waren für gewöhnlich?
Meist stammen diese Postsendungen aus China.

Wie viel Post geht insgesamt durch den Flughafen Zürich?
Rund 2000 Briefe, Kuriersendungen und Pakete pro Tag.

Sie erwischen aber längst nicht alle illegalen Sendungen. Wie gross ist die Dunkelziffer?
Unsere Kontrolldichte ist im tiefen einstelligen Prozentbereich. Es ist klar, dass ein grosser Teil an uns vorbeigeht. Unser Ziel ist aber nicht unbedingt die einzelne, sondern die gewerbsmässige Einfuhr. Wer dies regelmässig macht, bleibt wahrscheinlich irgendwann bei uns hängen.

Was geschieht mit einer Sendung, die bei Ihnen hängen bleibt?
Je nachdem, was ihr Inhalt ist. Im Fall von Drogen wird sie der Staatsanwaltschaft jenes Kantons übergeben, in welchem der Empfänger wohnt. Handelt es sich um Heilmittel oder Doping, ist Swissmedic zuständig.

Der Empfänger ist in der Schweiz leicht ermittelt. Der grosse Fisch ist aber meist der ausländische Absender. Wie erwischen Sie ihn?
Nicht er steht bei uns im Fokus, sondern der inländische Empfänger und damit der Importeur.

Der Absender hat vor Ihnen also nichts zu befürchten?
Es kommt drauf an. Wir arbeiten immer stärker mit ausländischen Zollbehörden zusammen. Das ist aber nicht immer einfach, denn oft sind diese Firmen und Absenderadressen nicht echt.

Und die Empfängeranschrift?
Auch nicht unbedingt, aber ein Paket holt schon irgendwann mal jemand ab.

Was unternehmen Sie gegen die Zunahme der Fälle im Bereich illegaler Doping- und Heilmittelsendungen?
Es reisen immer mehr Leute, immer mehr Waren werden über die Grenze transportiert und wir haben nur beschränkte Mittel. Wir müssen uns bemühen, möglichst viel aus unseren Kontrollen herauszuholen – eben deshalb machen wir nur Kontrollen, wo wir einen begründeten Verdacht haben.

Untersuchungsbehörden hinken gerade bei Doping und neuen Drogen den Machern hinterher. Wie halten sich Ihre Mitarbeiter auf dem neusten Stand?
Es sind tatsächlich schwierige Bereiche. Die entsprechenden Organisationen nutzen immer wieder neue Schlupflöcher. Gerade bei Designerdrogen versuchen sie immer wieder, die chemischen Formeln so zu verändern, dass die Ware nicht ins Betäubungsmittelgesetz fällt. Die Erkennbarkeit der Waren ist zudem nicht einfach und wird immer schwieriger. Wir haben deshalb Informationsnetzwerke und tauschen uns international über die Aufgriffe und Trends aus.

Erstellt: 05.03.2014, 15:43 Uhr

Daniel Tschudin, stellvertretender Zollinspektor der Zollstelle Zürich-Flughafen. (Bild: Pia Wertheimer)

Die Spürhunde der Grenzwächter sind wertvolle Mitarbeiter beim Untersuchen von Postsendungen. (Video: Pia Wertheimer)

Bilanz der Zollstelle am Flughafen

Die Grenzwächter haben am Flughafen weniger Kontrollen durchgeführt. Sie waren dabei aber zielsicherer.

Am Flughafen Zürich werden jährlich durchschnittlich 1100 Tonnen Fracht umgeschlagen. 66'000 Passagiere frequentieren im Jahr die Verkehrsdrehscheibe. Während im vergangenen Jahr der Warenverkehr am Zürcher Flughafen um 0,8 Prozent abnahm, stieg der Personenverkehr um 0,3 Prozent.
Laut der Zollstelle Flughafen Zürich werden im Luftverkehr hauptsächlich hochwertige und leichtverderbliche Waren transportiert.

Weniger aber zielsicherere Kontrollen
Die rund 130 Mitarbeiter der Zollstelle haben im vergangenen Jahr im Fracht- und Personenverkehr weniger Kontrollen durchgeführt, aber mehr Unregelmässigkeiten festgestellt und mehr Strafverfahren eröffnet.
Insgesamt kontrollierten die rund 130 Mitarbeiter der Zollstelle Zürich-Flughafen im Frachtverkehr letztes Jahr 7818 Sendungen (Vorjahr 8826). Dabei wurden 3020 (Vorjahr 3250) Sendungen beanstandet, was einer Trefferquote von 38,63 Prozent (Vorjahr 36,82 Prozent) entspricht.

Designerdrogen getarnt als Putzmittel
Deutlich mehr Verstösse haben sie im Betäubungsmittelschmuggel (+56 Prozent) sowie bei Heilmitteln und Doping (+91 Prozent) festgestellt.
In insgesamt 148 Fällen (Vorjahr 95) stellten die Zöllner Betäubungsmittel sicher. Die Drogenkuriere führten im Gepäck sowie auf oder in ihrem Körper versteckt Betäubungsmittel mit sich.
In 52 Fällen (Vorjahr 35) wurden sogenannte Designerdrogen im Postverkehr festgestellt. Gemäss der Zollstelle Zürich-Flughafen sind diese grösstenteils als chemische Substanzen oder als Reinigungsmittel aufgemacht. (pia)

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