Drei Apfelsorten machen die Hälfte der Schweizer glücklich

Wer kennt noch den Freiherrn von Berlepsch? Die Grossverteiler verkaufen meist dieselben Apfelsorten – mehr Auswahl bieten die Wochenmärkte.

In Zürich gibt es nicht nur Gala: Eierlederapfel und Sauergrauech findet man im Coop beim Stauffacher. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

In Zürich gibt es nicht nur Gala: Eierlederapfel und Sauergrauech findet man im Coop beim Stauffacher. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

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Gala ist die Königssorte der Äpfel – wenn es nach Verkaufszahlen geht: Von den insgesamt 152'000 Tonnen Äpfel, die Schweizer Bauern dieses Jahr ernten, werden 35'000 Tonnen Gala-Äpfel sein, schätzt der Schweizerische Obstverband. Er beurteilt die laufende Apfel­ernte als leicht überdurchschnittlich. Auf Platz zwei der Beliebtheitsrangliste folgen der Golden Delicious mit 29'000 Tonnen und der Braeburn mit 16'000 Tonnen. Diese drei Sorten machen also weit über die Hälfte aller verkauften Äpfel in der Schweiz aus. Kein Wunder, liegen bei Grossverteilern wie Migros und Coop vor allem diese zum Kauf bereit.

Ein Blick in Regale der Migros beim Rigiblick oder im Hauptbahnhof bestätigt dies genauso wie ein Besuch beim Coop im St. Annahof. Gala-Äpfel sind prominent platziert – und kosten mit 3.50 oder 3.60 Franken pro Kilo fast gleich viel.

Schmales Angebot bei Migros

Das Angebot der Apfelsorten in den drei Geschäften ist klein: Die Migros liegt bei den besuchten Filialen in der Innenstadt etwas hinter Coop zurück. Im Hauptbahnhof verkauft die Migros offen nur zwei Sorten – Gala liegt hier neben Cox Orange –, in der Filiale Rigiblick sind es vier. Versteckt sind sowohl im Hauptbahnhof wie im Rigiblick die beiden abgepackten Sorten in Bioqualität.

Etwas grösser ist das Angebot beim Coop St. Annahof, wobei man Bioäpfel nicht am Obst- und Gemüsestand vor dem Laden an der Bahnhofstrasse bekommt. Wer solche will, muss dafür ins Untergeschoss gehen. Die Coop-Filiale beim Stauffacher hat nochmals ein leicht grösseres Angebot und sogar zwei Pro-Specie-Rara-Sorten im Verkauf: den Sauergrauech und den Eierlederapfel. Wer dagegen auf einen der Zürcher Märkte geht, hat die Qual der Wahl.

Obstbauer Martin Brändli aus Meilen bietet auf dem Bürkliplatz dienstags und freitags momentan rund 20 Apfelsorten in Bioqualität an – von links nach rechts abgestuft von säuerlich bis süsslich. Er bietet alte Sorten mit schönen Namen wie Freiherr von Berlepsch, aber auch feuerbrandrobuste Neuzüchtungen wie Ladina feil. Brändli führt über die ganze Saison hinweg gut 60 Sorten. Auch die Familie Wegmann verkauft von ihrem Hof in der Stadt Zürich auf dem Helvetiaplatz derzeit über ein Dutzend Sorten: Bio- bis zweite Qualität für 2.80 bis 4.20 Franken. Bei der Familie Gujer aus Rümlang kosten Gravensteiner, Elstar und ein weiteres Dutzend Sorten auf dem Bürkli- und dem Helvetiaplatz zwischen 3 und 3.60 Franken.

Auffallend ist, dass konventionell angebaute Äpfel auf dem Markt nur leicht billiger sind als bei den Grossverteilern. Gross dagegen ist der Unterschied bei Bioäpfeln: Auf den Wochenmärkten in Zürich kosten diese pro Kilo zwischen 4 und 5 Franken, Coop und ­Migros verlangen zwischen 5.85 und 6.40 Franken.

Alte werden schnell mehlig

Die Migros macht für das schmale Angebot zwei Gründe geltend. Einerseits die Platzverhältnisse, wie Mediensprecher Rolf Fuchs auf Anfrage mitteilt. Da Äpfel aufgrund der hohen Nachfrage im Laden einen schnellen Umschlag hätten, stelle der Detaillist nach Möglichkeit jeweils zwei Kisten einer Sorte hin. Zudem führe er momentan viele Birnen, die jetzt gerade Saison hätten. Andererseits wechselt die ­Migros laut Fuchs laufend das Angebot; so gelange der Braeburn in den kommenden Wochen in die Läden. Bei Coop wiederum sei es den Geschäftsführern der Filialen überlassen, was sie ins Angebot aufnehmen, heisst es bei der Medienstelle.

Klaus Gersbach von Fructus, welche die genetische Vielfalt heimischer Obstsorten erhalten will, stört sich nicht am schmalen Angebot der Grossverteiler. Die Qualität sei auf hohem Niveau. Und wer alte Sorten kaufen wolle, müsse wissen, wie er diese lagere. Denn einige würden sehr schnell mehlig.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.10.2014, 20:04 Uhr

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