Durch Verschweigen lösen sich die Probleme nicht

Wenn Medien keine Täter-Nationalitäten mehr nennen, verspielen sie ihre Glaubwürdigkeit.

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Seltsam, wenn es um Steuerhinterziehung von ausländischen Kontobesitzern geht, kennen Grüne und Linke beim Datenschutz keine Skrupel. Sie würden noch so gern alle Details über die betreffenden Personen veröffentlichen. Bei Schlägern, Vergewaltigern, Dealern oder Mördern dagegen soll die Zürcher Stadtpolizei in ihren Medienmitteilungen nicht mehr die Nationalität der ansonsten anonymisierten Personen nennen dürfen. Dies fordert ein Postulat von Sozialdemokraten und Grünliberalen im Zürcher Gemeinderat; unterstützt werden sie von Grünen und Alternativen.

Warum fürchten sich Linke und Grüne vor der Nennung von Täter-Nationalitäten? Die heutige Praxis schüre Vorurteile, wird gesagt. Das Verschweigen der Nationalität beseitigt sie aber nicht. Im Gegenteil: Es schürt einen unterschwelligen Rassismus. Machen wir uns nichts vor: Wer alles Schlechte, das der Schweiz widerfährt, den Ausländern anlastet, wird durch das Verschweigen der Nationalität nicht zum Ausländerfreund.

Das Argument der Postulanten erinnert an frühere Diskussionen um Sozialhilfemissbrauch – insbesondere durch ausländische Sozialhilfebezüger. Auch damals wollten die Linken und die Grünen aus politisch korrekten Gründen von dieser Problematik nichts hören, geschweige denn darüber sprechen.

Die Augen vor Fakten zu verschliessen, nützt aber nichts, die Probleme werden dadurch nicht aus dem Weg geschafft. Es ist unbestritten: Die Kriminalitätsrate von Ausländern ist höher als die von Schweizern. Mit dem Unterschlagen der Täter-Nationalität wird die Ausländerkriminalität weder grösser noch kleiner. Aber die Medien würden ihre Glaubwürdigkeit verspielen, wenn sie die Nationalität – auch die der Schweizer – konsequent verschweigen würden.

Für die beiden Postulanten ist einzig die Schwere eines Delikts massgebend und nicht die Herkunft der Täterin oder des Täters. Die Nationalität liefere ­keinerlei Erkenntnisgewinn und verführe nur zu ­unzulässigen Verallgemeinerungen. Wenn dem so ist, müssten die Postulanten konsequenterweise auch die Forderung stellen, auf die Nennung von ­Geschlecht und Alter von Tätern zu verzichten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.06.2015, 00:04 Uhr

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