Ehe, garantiert

Seit fünf Jahren gibt der katholische Pfarrer von Bülach eine 15-jährige Garantie auf alle von ihm geschlossenen Ehen – mit Erfolg. Aber nur, wenn die Paare eine Bedingung erfüllen.

Auf dass die Liebe ewig hält: Ein Paar küsst sich nach der Trauung, doch nur die von Pfarrer Duda getrauten Paare bekommen eine 15-jährige Garantie für ihre Ehe.

Auf dass die Liebe ewig hält: Ein Paar küsst sich nach der Trauung, doch nur die von Pfarrer Duda getrauten Paare bekommen eine 15-jährige Garantie für ihre Ehe. Bild: Günter Meier/Keystone

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Heiraten ist in der Schweiz wieder angesagt. In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Eheschliessungen zugenommen. Die Kehrseite dieses Trends ist weitaus weniger romantisch: Im Kanton Zürich wird jede zweite Ehe geschieden. Eine Entwicklung, die der katholische Pfarrer von Bülach, Jaroslaw Duda, mit Besorgnis beobachtet.

Vor genau fünf Jahren hat er eine unkonventionelle Methode entwickelt, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken: Wer vor seinen Altar tritt und sich trauen lässt, bekommt eine 15-jährige Garantie auf die von ihm geschlossene Ehe. «Von den 44 Paaren, die ich in dieser Zeit getraut habe, liess sich noch keines scheiden», sagt er gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

«Ich komme langsam an meine Grenzen»

Das ist allerdings nicht der einzige Erfolg, den Duda verbuchen kann. Die Ehegarantie boomt. Immer mehr Interessenten melden sich beim Bülacher Pfarrer – selbst Paare, die er nicht getraut hat, die nicht einmal im selben Kanton oder Land leben. «Ich komme langsam an meine Grenzen und habe schlicht nicht mehr genügend Zeit, um mich gebührend um alle Paare zu kümmern», muss er zugeben, denn eine Ehegarantie bedeutet für ihn zusätzlichen Einsatz neben seiner Arbeit als Pfarrer.

Den Eheleuten wird die Garantie nämlich nicht einfach so ausgestellt: Sie müssen sich dazu verpflichten, mindestens einmal pro Jahr zu einem Beratungsgespräch und einer Standortbestimmung zu erscheinen. Duda sagt dazu: «Sie kommen zum Service in meine Garage.»

Damit das Projekt erfolgreich weitergeführt und die Idee weiterentwickelt werden kann, bildet Duda derzeit eine Sozialpädagogin und einen Diakon aus, die ihn vertreten können. «Schliesslich ist das Bedürfnis nach einer Ehegarantie offensichtlich sehr gross, und es vergeht selten ein Wochenende, an dem ich keinen Termin habe.»

Kreativer Umgang mit den Problemen des Alltags

Beim alljährlichen Service gehe es vor allem darum, dass sich ein Ehepaar bewusst Zeit nehme, um seine Beziehung zu pflegen. «Wir klären gemeinsam, wo es noch Potenzial gibt, was man besser machen könnte und welche Prioritäten gesetzt werden sollten, damit es den Alltag gemeinsam meistern kann», erklärt Duda. Hierzu würden Gespräche geführt oder man gehe die Themen spielerisch an. «Beispielsweise, indem wir nach draussen gehen und einer von beiden die Augen verbindet, während der andere ihn führt.»

Das Ehe-Coaching ist gratis. Duda führt die Sitzungen in seiner Freizeit durch. Für Paare sei es nämlich wichtig zu wissen, dass er für sie da sei, wenn sie Hilfe brauchen, betont der Pfarrer. «Ich versuche, die Leute zu motivieren, kreativ mit ihren Problemen umzugehen und nicht alles dem Alltag zu überlassen.» Die für eine solche Eheberatung notwendigen Kenntnisse habe er bereits im Laufe seines Studiums erlernt: «Psychologie ist Teil der Ausbildung zum Theologen. Abgesehen davon bilde ich mich laufend weiter aus.»

Beim Ehe-Service gibts keine Tabuthemen

Tabuthemen gibt es für den katholischen Pfarrer nicht. «Wir sprechen selbstverständlich auch über Sex. Er spielt schliesslich eine sehr grosse Rolle im Beziehungsleben.» Die Bedürfnisse seien gerade in diesem Bereich oft unterschiedlich gelagert, deshalb sei es wichtig, dass man über alles reden könne. So werde beispielsweise das Thema Impotenz immer häufiger angesprochen. «Dann gilt es zu klären, ob es sich um ein medizinisches oder ein psychisches Problem handelt. Manchmal reicht es aus, sich einfach mal ein Wochenende lang in einem Hotel dem Alltag zu entziehen, manchmal hilft nur der Gang zum Arzt, um sich helfen zu lassen.»

Sex ist allerdings nicht der heikelste Bereich im Eheleben. «Das Hauptproblem liegt darin, dass Paare gestresst sind, keine Zeit füreinander haben und im hektischen Alltag nicht genügend miteinander reden», fasst Duda die Erfahrungen aus den Gesprächen der letzten fünf Jahre zusammen. Das belaste eine Beziehung sehr stark. Genauso wie fehlende Wertschätzung. «Jeder will gesehen und anerkannt werden. Hat man das erst mal erkannt, kann das bereits viel zur Entspannung in der Beziehung beitragen.»

Pfarrer Dudas Art, mit den Problemen und Krisen der Ehepaare umzugehen, ist jedenfalls bis zum heutigen Zeitpunkt von Erfolg gekrönt. Trotzdem ist er vorerst noch der einzige Pfarrer, der eine solche Garantie anbietet und das Service-Konzept anwendet. «Leider, denn ich weiss, dass einige Kollegen Interesse daran hätten, an dem Projekt teilzunehmen, und sich auch schon darüber informiert haben. Aber sich die Zeit für solche Sitzungen zu nehmen, ist nicht einfach in der Seelsorge.»

Erstellt: 07.02.2013, 11:49 Uhr

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