«Eigenlob mit Minderwertigkeitskomplex»

«Zürich – World Class. Swiss Made.» Der neue Slogan und vor allem das Logo von Zürich Tourismus, Stadt und Kanton sorgen für Kopfschütteln.

Stellte den Medien gestern Donnerstag das neue Logo vor: Zürich Tourismus-Direktorin Marlis Ackermann.

Stellte den Medien gestern Donnerstag das neue Logo vor: Zürich Tourismus-Direktorin Marlis Ackermann. Bild: Alessandro Della Bella/Keystone

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«Peinlich», «beschämend», «trist und langweilig»: Von fast 100 Leser-Kommentaren zur Berichterstattung über das neue Logo von Zürich Tourismus, Stadt und Kanton, zeigt sich die überwiegende Mehrheit äusserst unzufrieden mit der Grafik und dem Slogan.

Vor allem das Logo stösst auf wenig Gegenliebe. «Es schaut aus, als ob ein 55-jähriger Steuerbeamter mit Microsoft Paint herumgespielt hat», meint Fabio Salvatore und steht mit seiner Meinung nicht alleine da. Vor allem Grafik-Designer können kaum fassen, was der Öffentlichkeit hier serviert wird: «Mit sowas wäre ich in meiner Ausbildung nicht mal im ersten Monat durchgekommen», erklärt Sandro Winters. Auch Vergleiche mit Lehrlingen oder Primarschülern, die sich ans Designen wagen, fallen nicht selten. Einige finden, dass sich das Logo kaum von einem weltweit bekannten abhebt: «Auf die schnelle hingeschaut, siehts aus wie das Logo der Zürich Versicherungen.»

Slogan auch umstritten

Aber auch der Slogan trifft für viele nicht ins Schwarze: «Ein Eigenlob mit gewaltigem Minderwertigkeitskomplex», ortet Matthias Sutter. Für Martin Egli ist er gar «beschämend arrogant.» Manche wünschen sich in frühere Zeiten zurück: «Zürich ist und bleibt Downtown Switzerland. Und das ist gut so!» schreibt etwa Donna Meister.

Dennoch zeigen sich die Kommentarschreiber gegenüber dem Slogan grundsätzlich weniger ablehnend, als gegenüber dem Logo. «Der ist gut und vermittelt die Rolle, über welche sich Zürich vermarkten möchte stärker als die bisherigen», meint Markus Roth. Auch dass Zürich Tourismus, die Stadt und der Kanton einen einheitlichen Auftritt wählen, wird positiv bewertet. «Bravo für die Idee, endlich die ganze Region miteinzubeziehen», gratuliert Heidi Hächler.

Nutzen der Kampagne fragwürdig

Viele fragen sich aber ganz allgemein, was für einen Nutzen das Ganze hat. Es sei kaum anzunehmen, dass Zürich nur wegen des neuen Slogans ‹in eine neue Liga als globale Top-Tourismus-Destination› katapultiere, meint Daniel Spörri zu Elmar Ledergerbers hochtrabenden Plänen: «Die neuen Fussballleibchen allein öffnen dem FCZ schliesslich auch nicht den Einzug in die Champions League.» Und Nina Kunz meint, den Touristen sei doch egal, ob Zürich nun ‹World Class Swiss Made› oder ‹Downtown Switzerland sei›. «So lange die Limmat blau ist, Sprüngli Luxemburgerli verkauft, der Uetliberg steht und das Grossmünster ab und zu bimmelt.»

Manche stellen den Nutzen jedoch nicht in Frage und schlagen gar neue Slogans vor. Dabei haben sie meist keine Angst vor Arroganz oder Überheblichkeit. Simon Bartlett, nach eigenen Angaben ein Kanadier, der überall in der Welt herumkam: «Zürich ist der Nabel der Welt für mich». Deshalb sein Vorschlag: «Zürich – simply the best.»

Erstellt: 15.07.2011, 15:26 Uhr

Werbung für Zürich: Das neue Logo auf einer Schachtel Praliné. (Bild: Keystone )

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