Ein Strohhalm für Brian

Im Fall Carlos hat das Bezirksgericht Dielsdorf ein gutes Urteil gefällt. Aus drei Gründen.

Brian alias Carlos in einer Gerichtszeichnung von 2015. Illustration: Robert Honegger

Brian alias Carlos in einer Gerichtszeichnung von 2015. Illustration: Robert Honegger

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Der 24-jährige Brian, der als Carlos in die Kriminalgeschichte eingehen wird, ist zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Weil auch eine stationäre therapeutische Massnahme angeordnet wurde, muss die Strafe zugunsten der Therapie aufgeschoben werden.

Ist dieses Urteil richtig? Wer im jungen Mann den unbelehrbaren Gewaltverbrecher sieht, bei dem es nur eine Frage der Zeit ist, bis eines seiner Opfer tot am Boden liegt, wird nicht verstehen, dass Brian nicht verwahrt wurde. Jene Kreise, die in ihm in erster Linie das Opfer einer mit ihm völlig überforderten Zürcher Justiz sehen, werden das Urteil grundsätzlich für unfair halten, zumal der junge Mann ohnehin schon viel zu lange ohne rechtskräftiges Urteil hinter Gittern sitzt.

Ausgehend vom
Sachverhalt, den das Gericht seinem Urteil zugrunde legte, ist der Entscheid plausibel und nachvollziehbar.

Die Frage, ob dieses Urteil richtig ist, lässt sich nicht beantworten. Dafür fehlen Aussenstehenden die nötigen Detailkenntnisse, die in den umfangreichen Untersuchungsakten in einem Berg von Bundesordnern lagern. Was sich aber sagen lässt: Ausgehend vom Sachverhalt, den das Gericht seinem Entscheid zugrunde legte, ist das Urteil plausibel und nachvollziehbar.

Ist es ein gutes Urteil? Ja, aus drei Gründen. Es weist zum einen die unrealistischen Extremforderungen, welche die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung allein aufgrund ihrer Rollen im Prozess hatten vertreten müssen, klar zurück.

Durch die Anordnung einer Massnahme im gesicherten Rahmen berücksichtigt es, zweitens, das Sicherheitsbedürfnis der Öffentlichkeit. Und schliesslich ist das Urteil, drittens, eine Art Strohhalm für einen noch immer jungen Mann. Klar ist: Ergreift er diesen Strohhalm nicht, droht ihm die Verwahrung.

Man kann nur hoffen, dass Brian diese Chance erkennt. Und man kann nur hoffen, dass sein Vater diese Chance erkennt und sich von der Vorstellung verabschiedet, er müsse die elterlichen Defizite im Umgang mit dem Sohn aus der Vergangenheit jetzt kompensieren, indem er ihn im letztlich sinnlosen, weil gewalttätigen Widerstand gegen die Zürcher Justiz bestärkt.

Erstellt: 06.11.2019, 23:32 Uhr

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