Ein ganzer Zürcher Weiler, in Schutt und Asche gelegt

In Bauma herrscht nach dem Grossbrand vom Montag tiefe Betroffenheit. Die Brandermittler liefern erste Erkenntnisse.

Besichtigt die Überreste des unteren Wolfbergs: Gemeindepräsident Andreas Sudler. (Foto: Andrea Zahler)

Besichtigt die Überreste des unteren Wolfbergs: Gemeindepräsident Andreas Sudler. (Foto: Andrea Zahler)

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Vom Tösstaler Dorf Bauma (ZH) führt die Wolfsbergstrasse steil den Hügel hinauf. Eine schmale Strasse, die nach einer kurvenreichen Fahrt zunächst zum unteren Wolfsberg führt – ein Weiler inmitten der urchigen Hügellandschaft: vier Wohnhäuser und ein Bauernhof. Seit gestern Montag liegt der gesamte Weiler in Schutt und Asche.

Das Ausmass der Zerstörung. (Foto: Kapo ZH)

Feuerwehrleute und Brandschutzermittler sichern gerade das Gelände ab. Es sieht hier aus wie in einem Kriegsgebiet. Verkohlte Überreste zeugen von der Wucht, mit der das Feuer hier vor etwas mehr als 24 Stunden gewütet hat. Eine Hantel aus Stahl, eine angebrochene Keramik in Herzform oder ein verkohlter Futternapf deuten darauf hin, das hier bis vor Kurzem noch Menschen und Tiere wohnten.

Nur noch wenige Überreste des häuslichen Lebens sind sichtbar. (Foto: Andrea Zahler)

Sieben Bewohner zählte der Weiler. Sie blieben zwar alle unverletzt, mussten jedoch ihr Haus fluchtartig verlassen und verloren in der Folge ihr gesamtes Hab und Gut. Durch die Böen des Sturmtiefs Sabine wurden die Flammen richtiggehend vorangepeitscht. Für einige Hühner, Gänse, Ziegen und Schafe kam jede Hilfe zu spät.

Gemeindepräsident Andreas Sudler sah das Feuer von seinem Zuhause aus, Luftlinie wenige 100 Meter. «Ich dachte erst, dass der Wald brennt.» Erst nach einer Weile habe er realisiert, dass es die Häuser sind, die auf dem Wolfsberg lichterloh in Flammen stehen. Sudler spricht von einer Tragödie, einem «Schock, den die Gemeinde erst verdauen muss.» Es sei verrückt, wie schnell sich der Brand ausgebreitet habe. «Ich fühle eine grosse Ohnmacht.»

Wie in einem Kriegsgebiet. (Foto: Andrea Zahler)

Die betroffenen Personen seien schnell untergebracht worden: Bei Verwandten und Bekannten, ein jüngeres Ehepaar wohnt nun temporär im örtlichen Altersheim. Als erste Hilfeleistung erhielten die Bewohnerinnen und Bewohner 500 Franken von der Gemeinde: Für Essen oder zum Kauf von neuer Kleidung. Die Unterstützung der lokalen Bevölkerung sei gross, sagt Sudler. Die Gemeinde zähle zudem auf externe Hilfe. Ein Spendenaufruf wurde bereits lanciert.

Feuerwehr und die Brandschutzpolizei sichern und untersuchen derweil das Gelände. Die Frage nach der Brandursache steht im Raum. «Brandstiftung kann mittlerweile ausgeschlossen werden», sagt der leitende Brandschutzpolizist. Der Brandherd sei gefunden worden und werde bald durch die Kantonspolizei kommuniziert. Ob der Weiler dereinst in seiner alten Form aufgebaut werden kann, bezweifelt der Polizist. «Die Häuser standen teilweise sehr nahe beieinander.» Das habe die Ausbreitung des Feuers womöglich begünstigt.

Im Dorf ist der Brand Gesprächsthema Nummer eins. Um die Mittagszeit ist die Wirtschaft zum Schöntal gut gefüllt. Als Tagesmenu gibt es Brätchügeli mit Reis und Erbsen. Einige Bewohner von Bauma haben sich hier versammelt, um sich auszutauschen. Darunter auch einer, der sich «Ureinwohner» nennt, jedoch anonym bleiben will. «Ich wohne mein ganzes Leben in Bauma, sowas ist hier noch nie passiert.» Selbst in alten Zeiten, als Feuer noch mit Wasser aus Kübeln bekämpft worden sei, habe sich nie ein derart folgenschwerer Brand ereignet, sagt der Mann.

In der Wirtschaft zum Schöntal tauschen sich die Bewohner von Bauma aus. (Foto: Andrea Zahler)

Sie alle seien geschockt und fühlten mit den Betroffenen mit, die sie persönlich kennen würden. Seine Tischnachbarin schüttelt den Kopf und kämpft mit den Tränen. Der Mann sagt: «Ein Teil des Dorfes ist plötzlich weg. Einfach so, von heute auf morgen – das ist doch verrückt!»

Das Trümmerfeld nach dem Grossbrand:

Erstellt: 11.02.2020, 18:49 Uhr

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