Ein tragisches Jahr geht zu Ende

In Zürich ereigneten sich 2010 zahlreiche Tötungsdelikte von besonderer Dramatik. Opfer waren vor allem Frauen und Kinder.

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Im Kanton Zürich ereigneten sich in den letzen fünf Jahren jeweils zwischen 30 bis 50 Tötungsdelikte. Zwar fehlen für 2010 noch die genauen Zahlen, doch dürften sie auf hohem Niveau bleiben. Umso mehr fallen aber die erschreckenden Tathergänge auf. Besonders oft gingen die Täter mit Messer und Axt auf ihre Opfer los.

26. Februar: In einem Winterthurer Hotelzimmer erstickt ein 60-jähriger Mann seinen 4-jährigen Sohn. Der Versuch, sich anschliessend das Leben zu nehmen, scheitert. Der Junge stirbt später im Spital. Zwei Wochen nach der Tat stellt sich heraus, dass der Mann bereits vor zwanzig Jahren seinen ersten Sohn würgte, bewusstlos schlug und in eine Schlucht warf. Der damals 13-Jährige überlebte nur knapp.

9. März: Eine 48-jährige Frau afrikanischer Herkunft sticht ihrem 46-jährigen Mitbewohner in einer Wohnung in Seebach mehrmals in die Brust. Der Mann, laut Nachbarn Alkoholiker und Sozialhilfebezüger, erliegt seinen Verletzungen. Die Frau gesteht die Tat.

20. März: Vor dem Club Q im Kreis 5 ereignet sich eine blutige Messerstecherei. Drei Männer geraten in den gewalttätigen Streit. Ein 17-Jähriger erleidet dabei tödliche Stichverletzungen. Trotz Reanimationsversuchen stirbt er noch am Tatort. Ein 20-Jähriger wurde mit Schnitt- und Stichverletzungen ins Spital gebracht. Er überlebt. Der mutmassliche Täter – ebenfalls ein junger Mann – flüchtet auf einem Velo und bleibt unauffindbar.

1. Mai: Die seit einem Monat in Zürich-Affoltern vermisste Vilofinka Stokanic wird am Katzensee aufgefunden. Die 50-Jährige wollte ursprünglich mit dem Car nach Kroatien reisen. Dort kam sie nie an. Die Vermisstmeldung der Angehörigen führte nirgends hin. Der Mann, der die Leiche entdeckte und die Polizei alarmierte, verbrachte anschliessend vier Wochen in Untersuchungshaft. Der selbstständige Pensionskassenverwalter machte sich am Tatort verdächtig. Der Fall bleibt unaufgeklärt.

10. Mai: In Höngg ereignet sich ein Familiendrama. Ein 51-jähriger Vater von sechs Kindern erschlägt seine 16-jährige Tochter mit einer Axt. Nach der Tat stellt er sich der Polizei. Die pakistanische Familie litt offenbar seit Jahren unter Problemen. Alle vier Kinder hatten seit 2007 einen Beistand.

14. Juni: In einer Einzimmerwohnung an der Josefstrasse beim Hauptbahnhof wird ein toter Mann entdeckt. Bei der bereits stark verwesten Leiche handelt es sich um den 43-jährigen Wohnungsmieter Mario Filardi. Der Italiener wurde zwischen dem 26. und dem 31. Mai mit 14 Messerstichen und einem Schlag auf den Kehlkopf getötet. Der arbeitslose Sozialhilfeempfänger hatte sich im Drogenumfeld bewegt und war als Haschischdealer bekannt. Zwei Wochen später wird der mutmassliche Täter – ein 48-jähriger Deutscher russischer Herkunft – in Berlin festgenommen.

13. November: Im Kreis 3, nahe Albisriederplatz, stürzt ein 25-jähriger Mann vom 7. Stock eines Wohnhauses über den Laubengang in den Tod. Offenbar ging dem Sturz ein Streit voraus. Der Mann prallt bei mehreren Stockwerken auf das Geländer. Gleichentags nimmt die Polizei einen «verwirrten» 20-Jährigen fest. Er soll in einer Liebesbeziehung zum Toten gestanden haben. Es bleibt unklar, ob es sich um einen Suizid, einen Unfall oder eine Tötung handelt.

6. Dezember: Beim Letzigrund-Stadion tötet ein Mann seine 52-jährige Ex-Frau. In einem schwarzen Smart schneidet er ihr 50 Schritte vor ihrem Arbeitsort den Weg ab und schlägt mit einer Axt auf sie ein. Sie ist auf der Stelle tot. Der Täter flüchtet in seinem Auto, stellt sich aber eine halbe Stunde später der Polizei.

16. Dezember: Im Zürcher Seefeld wird eine 56-jährige Psychiaterin in ihrer Praxis tot aufgefunden. Offenbar wurde die Schweizerin chilenischer Herkunft mit einem Messer getötet. Die Polizei sucht stundenlang die Umgebung nach der Tatwaffe ab. Aus Rücksicht auf das laufende Verfahren gibt die Staatsanwaltschaft bis heute keine Auskunft. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.12.2010, 10:51 Uhr

Tötungsdelikte im Kanton Zürich

Tötungsdelikte im Kanton Zürich


Tötungsdelikte

Quelle: Kriminalstatistik Kanton Zürich

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