Englisch erst in der Oberstufe

Viele Zürcher Lehrerinnen und Lehrer sind der Ansicht, zwei Fremdsprachen seien in der Primarschule eine zu viel. Ihr Verband regt an, künftig nur noch Französisch zu unterrichten.

Pädagogisch gibt es starke Argumente für nur eine Fremdsprache: Primarlehrerin beim Englischunterricht.

Pädagogisch gibt es starke Argumente für nur eine Fremdsprache: Primarlehrerin beim Englischunterricht. Bild: Regina Kühne/Keystone

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Die Diskussion um den Fremdsprachenunterricht steckt in einer Sackgasse. Als möglichen Ausweg schlägt der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband (ZLV) vor, mit Französisch zu beginnen und Englisch erst ab Beginn der Oberstufe einzuführen, wie der Verband in einem offenen Brief schreibt.

Der ZLV will verhindern, dass die Deutschschweizer Kantone unterschiedliche Regelungen für den Fremdsprachenunterricht einführen. Dies wäre ein «Rückfall in die bildungspolitische Steinzeit», schreibt der Verband. Mit dem offenen Brief an Christian Amsler, den Präsidenten der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz, lädt der ZLV zu einem Gedankenaustausch ein, denn die Gefahr unterschiedlicher Regelungen wachse stetig.

«Am Ende muss man beides können»

Immer mehr Lehrpersonen sprechen sich gegen zwei Fremdsprachen auf Primarstufe aus. In verschiedenen Kantonen sind politische Initiativen hängig oder in Vorbereitung. So hat eine Gruppe von Lehrpersonen und Politikern im Kanton Zürich im Februar eine kantonale Initiative für nur eine Fremdsprache an der Primarschule vorgestellt. Die Unterschriftensammlung soll Anfang Juni beginnen. Welche Fremdsprache zuerst unterrichtet werden soll, lässt die Initiative offen. Heute ist es im Kanton Zürich Englisch.

Für ZLV-Präsidentin Lilo Lätzsch ist das Ziel des Fremdsprachenunterrichts in der Deutschschweizer Volksschule klar. «Am Ende der obligatorischen Schulzeit müssen die Schülerinnen und Schüler sowohl Französisch als auch Englisch können – zu definieren ist nun, wie wir sinnvoll dorthin gelangen.»

Ausweg aus einem Dilemma

Pädagogisch gebe es starke Argumente für nur eine Fremdsprache an der Primarschule. Politisch habe der ZLV Verständnis, dass Französisch bereits auf der Mittelstufe gelernt werden solle. Der Vorschlag des ZLV, den Englischunterricht ab der Oberstufe einzuführen, sei ein realistischer Ausweg aus dem Dilemma.

In seinem Brief beruft sich der ZLV auf eine Ende 2014 durchgeführte Umfrage unter seinen rund 4000 Mitgliedern. Die Ergebnisse lassen sich in zwei Kernaussagen zusammenfassen: Zum einen wollen die Lehrpersonen nur noch eine Fremdsprache auf der Primarstufe, zum anderen bevorzugen sie eine Lösung für die gesamte Deutschschweiz und halten einen Alleingang des Kantons Zürich für keine vernünftige Option. (hub)

Erstellt: 10.04.2015, 12:42 Uhr

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