Enkeltrickbetrug – Prominente Kurierin erwischt?

Eine Polin ist wegen versuchten Betrugs verurteilt worden. Sie trägt denselben Nachnamen wie der Clan, dem die Erfindung des Enkeltrickbetrugs zugeschrieben wird.

Unbedingte Freiheitsstrafe: Die 29-jährige Kurierin wurde vor dem Bezirksgericht Bülach zu 22 Monaten verurteilt.

Unbedingte Freiheitsstrafe: Die 29-jährige Kurierin wurde vor dem Bezirksgericht Bülach zu 22 Monaten verurteilt. Bild: David Baer

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«Ein schwarzer Mercedes S-Klasse mit cognacfarbener Lederausstattung, frisch gewaschen und poliert, parkt im Innenhof einer bewachten Wohnanlage in der Warschauer Innenstadt. Bewaffnete Polizisten haben sich Sturmhauben über den Kopf gezogen, ein Wachmann öffnet leise die Haustür. Um Punkt sechs Uhr hämmern sie am Eingang zur Wohnung Nummer 68 im vierten Stock: ‹Aufmachen! Polizei!›»

So schilderte «Spiegel Online» vor zwei Jahren die Verhaftung von Arkadiusz Lakatosz, einem der «meistgesuchten Betrüger Deutschlands». Er soll zusammen mit seinen Brüdern 1999 in Hamburg bei einem versuchten Telefonbetrug auf die Idee mit dem Enkeltrick gekommen sein. Hunderte Rentner wurden in den folgenden Jahren mit der Eröffnungsfrage «Rate mal, wer am Telefon ist» und der anschliessenden Schilderung einer finanziellen Notlage vom Lakatosz-Clan um einen Grossteil ihrer Ersparnisse gebracht.

Heute Dienstag stand eine Lakatosz vor dem Bezirksgericht Bülach. Die 29-jährige ledige Frau, Mutter von fünf Kindern, wurde natürlich auf ihren Familiennamen angesprochen, der laut Gerichtspräsident Rainer Hohler «an diversen Gerichten im In- und Ausland bestens bekannt ist». Sie habe polnische Vorfahren, so die 29-Jährige; mit der Aussage, in ihrer Familie sei nie die Roma-Sprache gesprochen worden, bestritt sie jede Verbindung indirekt. Beim Clan von Arkadiusz Lakatosz handelt es sich um eine zu den Roma gehörende Sippe.

Es blieb beim Versuch

Vor Gericht stand die 29-Jährige, die man ob ihrer zierlichen Erscheinung ohne Schwierigkeiten für eine Sekundarschülerin hätte halten können, weil sie im April letzten Jahres als Kurierin bei einer 78-jährigen Frau in Bassersdorf ein Couvert mit 20’000 Franken abholen wollte. Es blieb beim Versuch, denn im Couvert befand sich kein Geld. Und draussen vor dem Wohnhaus der Rentnerin wartete die Polizei.

Dafür hatte die Rentnerin mit dem italienischen Familiennamen selber gesorgt. 90 Minuten zuvor hatte sie ein italienisch sprechender Mann angerufen und als angeblicher Neffe Geld als Anzahlung für einen Wohnungskauf erbeten. Die Rentnerin, die den Unbekannten von 51’000 auf 20’000 Franken herunterhandelte, durchschaute den Trick sofort, informierte die Polizei und fuhr zum Schein zur Bank, aber ohne Geld wieder nach Hause.

Unbedingte Freiheitsstrafe

Von einem versuchten Betrug wollte die 29-Jährige nichts wissen. Sie habe in Frankfurt einen Polen kennen gelernt, der ihr 700 Euro angeboten habe, wenn sie für ihn ein Paket mit Dokumenten abhole. Was genau sich im Paket befinde, habe sie nicht gewusst. Ihr Verteidiger verlangte aus rechtlichen Gründen einen Freispruch. Für eine Verurteilung fehle es an der nötigen Arglist.

Das Bezirksgericht Bülach verurteilte die 29-Jährige, die in ihrer Heimat zwar bereits viermal wegen Betrugs verurteilt wurde, aber deswegen noch nie im Gefängnis sass, wegen versuchten Betrugs zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 22 Monaten. Die Geschichte mit dem Polen sei «völlig lebensfremd». Es ergebe keinen Sinn, dass sie, die weder über ein Auto noch einen Fahrausweis verfügte, von Mannheim in die Schweiz reisen musste, um angeblich ein Paket mit Dokumenten abzuholen, deren Lieferung mit einem regulären Kurierdienst wesentlich billiger gewesen wäre. Dazu komme, dass sich die Ehefrau des Polen ja bereits in Zürich befunden habe. Fazit: Die 29-Jährige sei, «in welcher Form auch immer», Teil der Organisation gewesen, die diesen Enkeltrickbetrug versucht habe. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.01.2017, 16:55 Uhr

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