Er ist weg

Es war eine beispiellose Jagd. Und eine teure. Nun scheint ihr Erfolg beschieden: Der Asiatische Laubholzbockkäfer ist verschwunden. Er hat die Winterthurer zu Entwicklungshelfern gemacht.

Hat eine ganze Stadt zwei Jahre lang in Atem gehalten: Larve und Käfer des Asiatischen Laubholzbocks.

Hat eine ganze Stadt zwei Jahre lang in Atem gehalten: Larve und Käfer des Asiatischen Laubholzbocks. Bild: Steffen Schmidt/Keystone

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«Es ist die erste Periode seit zwei Jahren, in der wir weder lebende Käfer noch Larven des Asiatischen Laubholzbocks gefunden haben», sagt Christian Wieland. Er leitet die Winterthurer Stadtgärtnerei und freut sich über den «grossen Erfolg» der Schädlingsbekämpfung.

Die Stadtgärtnerei hat soeben ihre Frühjahrskontrollen in der früher befallenen Gegend um die Sulzerallee in Oberwinterthur abgeschlossen. Der letzte Larvenfund stammt vom Herbst 2013. «Viel genauer als wir kann man kaum kontrollieren», meint Wieland. Er ist vorsichtig zuversichtlich: «Das Risiko, dass wir wieder einen Käfer finden, ist klein. Aber nicht null.»

«Wir müssen wachsam bleiben»

Deshalb dürften die Anstrengungen nicht nachlassen, betont Wieland. Die Kontrollen müssten bis Ende 2017 fortgesetzt werden. Die nächste Kontrolle ist auf kommenden Herbst terminiert. Es bestehe nach wie vor die Gefahr, dass noch nicht entdeckte Larven als Käfer ausfliegen. «Wir müssen wachsam bleiben.»

Dass die Gefahr eines Befalls mit dem ungeliebten Käfer weiterhin besteht, zeigt der Fund einer grösseren Population letzte Woche in Marly FR. Dort wurden an einer Kastanie und einem Ahorn mehr als 100 Käfer entdeckt.

Aus China importiert

Die Freiburger haben auch sofort die schweizweiten Spezialisten aus Winterthur herbeigerufen. Drei Baumpfleger der Stadtgärtnerei leisteten für eine Woche «Erste Hilfe» und unterstützen die Verantwortlichen vor Ort bei der Organisation der Bekämpfungsmassnahmen. Auch bilden die Winterthurer Experten die Fachleute des Bundes in Sachen Laubholzbockkäfer weiter.

Der Asiatische Laubholzbockkäfer wurde mit Verpackungsholz aus China zuerst in die USA und Kanada und dann nach Österreich, Frankreich und Italien eingeschleppt. Im Juli 2011 wurde er in Deutschland nahe der Schweizer Grenze entdeckt und kurz darauf auch in den Kantonen Basel und Thurgau. Mitte 2012 mussten in Winterthur 64 Alleebäume gefällt werden, weil sie vom Laubholzbockkäfer befallen waren. Aufgetaucht war er erstmals auf einer Baustelle.

Kostenpunkt: 2 Millionen Franken

Der Käfer bereitete den Spezialisten grosse Sorgen. Er befällt praktisch alle Laubbäume und kann sie innert weniger Jahre zum Absterben bringen. Der Käfer ist denn auch meldepflichtig, Spürhunde sind auf ihn abgerichtet. Im Jahr 2013 hat Winterthur insgesamt 8000 Arbeitsstunden in die Kontrolle investiert. Dabei haben Baumpfleger und die Spürhunde elf Larven an fünf Bäumen gefunden.

Seit 2011 sind in der Schweiz aus sieben Kantonen Asiatische Laubholzbockkäfer gemeldet worden. Winterthur war am stärksten befallen. In der Eulachstadt kostete die Bekämpfung bis heute rund 2 Millionen Franken. Der Kanton übernimmt die Kosten für das Monitoring und die Arbeiten im Staatswald, was gut zwei Drittel der Kosten ausmacht. Die Stadt muss Fällungen, Grüngutentsorgung und Ersatzmassnahmen bezahlen.

Erstellt: 17.07.2014, 15:14 Uhr

Spezielle Ausbildung: Käfer-Spürlabrador Maisha half Daniel Hagemeier, befallene Bäume zu orten. (Bild: Doris Fanconi)

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