Ernst Stocker: «Nicht gut»

Für die SVP könnten die Regierungsratswahlen zur Zitterpartie werden. Ernst Stocker äussert sich verunsichert.

Umfrage Regierungsratswahlen

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Wenn der Regierungsrat jetzt gewählt würde, käme es zu einer handfesten Überraschung: Baudirektor Markus Kägi (SVP) erhielte nur 35 Prozent der Stimmen und würde abgewählt. Neu in den Regierungsrat einziehen würde stattdessen Martin Graf (Grüne) mit 39 Prozent der Stimmen. Das zeigt die zweite Wahlumfrage, die Isopublic für den «Tages-Anzeiger», Radio 24 und Tele Top durchgeführt hat.

Durchgeführt wurde die Befragung vom 3. bis 16. März – mitten in dieser Zeit, am 11. März, bebte in Japan die Erde. Zwei Tage später war zum ersten Mal die Rede von einer drohenden Atomkatastrophe. Kägis schlechtes Abschneiden hat mit dem Japan-Effekt nur indirekt zu tun. Der Grüne Graf wäre ohnehin an Kägi vorbeigezogen, einfach nicht ganz so deutlich. Dramatisch ist der Japan-Effekt für Ernst Stocker (SVP): Er verliert nach dem 13. März so viel Zustimmung bei den Befragten, dass er sich mit Kägi ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den siebten und letzten Sitz im Regierungsrat liefert – mit deutlichem Abstand zu Platz sechs.

Stocker ist «verunsichert»

Stocker und Kägi zeigten sich gestern wenig erfreut über die Resultate. «Nicht gut», war Stockers erster Kommentar. Es sei zwar zu erwarten gewesen, dass die Katastrophe einen gewissen Einfluss auf das Wahlverhalten haben werde, sagte er. «Ich kann mir aber nicht erklären, warum Japan bei Markus Kägi keine Auswirkungen hat, bei mir hingegen schon.» Immerhin sei er schon immer für die Förderung alternativer Energien gewesen; als Stadtpräsident habe er Wädenswil zur Energiestadt gemacht. Über seine Haltung zur Atomkraft sagte Stocker: «Ich ging bisher davon aus, dass dies eine sichere Technologie ist. Jetzt bin ich auch verunsichert.»

Kägi bemühte sich derweil, Haltung zu wahren: «Gewählt wird am 3. April. Was jetzt vorliegt, ist eine Umfrage, mehr nicht.» Er wolle und könne sein Abschneiden nicht kommentieren, ebenso wenig das von Parteikollege Stocker. Seine Haltung in Sachen Atomkraft will er jedenfalls nicht von heute auf morgen revidieren, nur um gewählt zu werden: «Zuerst müssen wir alle offenen Fragen diskutieren und klären.»

Fehr spürt Zustimmung

Höchstens vorsichtig optimistisch äusserte sich Martin Graf. Auf die Frage, ob er überrascht sei über sein gutes Abschneiden, meinte er: «Ich wäre überrascht, wenn die Umfrage repräsentativ wäre. Das ist sie meiner Meinung nach nicht.» Seine Chancen schätzt er als intakt ein, aber er rechnet mit einem knappen Wahlausgang: «Japan hat zwar viele Stimmbürger zum Nachdenken gebracht. Aber die Meinungen sind bei vielen schon lange gemacht.»

Auch Fehr machte keinen Hehl daraus, dass er von Umfragen wenig hält. Dennoch gibt er sich zuversichtlich: «Für mich zählt, was ich an Dutzenden von Wahlveranstaltungen und Podien erlebe, das ist meine persönliche Umfrage. Da spüre ich sehr viel Zustimmung bei SP-Wählenden und eine wachsende Unterstützung in der Mitte.»

Maja Ingold bleibt Aussenseiterin

Bei den Mitte-Wählern zulegen konnte auch Regine Aeppli (SP), was mit dazu beigetragen hat, dass sie Hans Hollenstein (CVP) an der Spitze ablöst. Hollenstein hat überall verloren, am deutlichsten aber bei den linken Wählern. Dort rutschte er von 51 auf 39 Prozent. Noch deutlicher sind Ursula Guts Verluste auf der linken Seite: Im Januar wollten ihr fast 40 Prozent dieser Wähler die Stimme geben, jetzt sind es noch 26. Gut rutschte damit vom dritten auf den fünften Platz. Maja Ingold (EVP) war und bleibt die grosse Aussenseiterin: Nach wie vor wollen ihr nur 19 Prozent der Befragten ihre Stimme geben.

Erstellt: 22.03.2011, 10:48 Uhr

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