Erstes Strafverfahren im Alter von zehn Jahren

Der unter dem Pseudonym Carlos bekannt gewordene Straftäter beschäftigt die Jugendanwaltschaft seit über sieben Jahren. Er verübte Dutzende Delikte.

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Zwischen Februar 2006 und Juni 2011 verübte Carlos etwa 34 Delikte. Dabei handelt es sich um Tatbestände wie Angriff, einfache Körperverletzung, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, Gewalt und Drohung gegen Beamte. Die Chronik einer prekären Jugend:

6.2.2006: Die Justiz eröffnet ein erstes Strafverfahren gegen den damals Zehnjährigen.


22.9.2007: Nach mehrmonatigen Heimaufenthalten kommt er zu einer Pflegefamilie, vier Monate später wieder zum Vater.


3.6.2008: Mehrtägiger Aufenthalt im Gefängnis Horgen, danach Eintritt in eine offene Institution.


21.6.2008: Abbruch der Massnahme, Rückkehr zum Vater.

Zwischen dem 18.7.2008 und dem März 2010 ist Carlos wegen der erwähnten Delikte in Gefängnissen und Durchgangsstationen. Ein psychiatrisches Gutachten empfiehlt eine offene Unterbringung in einem familiären Rahmen mit therapeutischen Massnahmen.


12.3.2010: Anordnung Tagesstruktur.


24.11.2010: Unterbringung durch die Betreuungsfirma Riesen-Oggenfuss.


14.6.2011: Der 15-jährige Carlos sticht in Schwamendingen einen Jugendlichen nieder und verletzt ihn schwer.


15.6.2011: Eintritt ins Gefängnis Limmattal.


27.9.2011: Austritt und Versetzung ins Psychiatriezentrum Rheinau.


1.11.2011: Versetzung in die Psychiatrischen Universitätskliniken Basel.


19.12.2011: Versetzung ins Gefängnis Limmattal, weil er in Basel untragbar geworden war.


27.3.2012: Versetzung in eine therapeutische Gemeinschaft, anschliessend in die Einrichtung Riesen-Oggenfuss und ins Gefängnis Limmattal, weil das Not-Setting nicht ausreichte.


9.7.2012: Beginn des Sondersettings mit begleitetem Wohnen und Thaiboxtraining in Reinach BL.


8.11.2012: Das Jugendgericht verurteilt ihn wegen schwerer Körperverletzung zu neun Monaten Haft, diese wird mit dem angelaufenen Sondersetting abgegolten.


25.8.2013: SRF strahlt einen Dokumentarfilm über den Jugendanwalt Hansueli Gürber aus. Er stellt Carlos als besonders schwierigen Fall vor.


27.8.2013: Der «Blick» skandalisiert den Fall Carlos.


30.8.2013: Abbruch des Settings und Einweisung ins Gefängnis Limmattal und anschliessend in das Massnahmenzentrum Uitikon (MZU).


27.12.2013: Das Obergericht lehnt die Beschwerde gegen die Einweisung ins MZU ab.


24.2.2014: Das Bundesgericht hebt die geschlossene Unterbringung auf. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.02.2014, 10:34 Uhr

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