«Es braucht gar kein neues Kongresshaus»

Die Betriebsgesellschaft schlägt vor, das Kongresshaus am bestehenden Ort zu erweitern und auf einen Neubau zu verzichten. Eine Studie zeigt: Der Standort am See ist unschlagbar.

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Nachdem die bisherige Suche nach einem neuen Kongresszentrum gescheitert ist, liegt seit heute ein neuer Vorschlag auf dem Tisch. Die Betriebsgesellschaft Kongresshaus Zürich hat sich an einer Medieninformation zu Wort gemeldet: «Es braucht gar kein neues Kongresshaus.» Präsident Stephan Netzle schlägt vor, im Rahmen der auf 2016/17 terminierten Renovation das Kongresshaus am bestehenden Ort zu erweitern. Die Mehrkosten werden laut Netzle weniger als 30 Millionen Franken betragen, die Betriebsgesellschaft will sich daran beteiligen.

Die Erweiterung soll auf Kosten des Panoramasaals erfolgen, welcher in den 80er-Jahren auf den Gartensaal aufgesetzt wurde. Er ist nicht denkmalgeschützt – im Gegenteil –, er gilt heute als architektonische Bausünde. Ihn soll ein neuer, unterteilbarer und flexibler Saal ersetzen. Und auf dem neuen Saal soll ein neues Restaurant mit Terrasse und Blick auf See und Berge entstehen. Eine Aufstockung ist von den Bauvorschriften her möglich.

«Die derzeitigen Restaurants sind schwer zu finden und haben trotz ihrer Lage am See keine attraktive Aussicht», stellt der Direktor der Betriebsgesellschaft, Norbert Bolinger, fest. Dort sollen kleinere und mittelgrosse Sitzungszimmer eingerichtet werden, denn solche seien für den heutigen Kongressbetrieb in zu geringer Zahl vorhanden. Mit einem solchen Aus- und Umbau könne das Haus im Bereich kleiner und mittlerer Kongresse international wieder mit andern Kongressstädten gleichziehen, ist Bolinger überzeugt. Insgesamt würden zwischen 600 und 700 Quadratmeter Raum gewonnen.

Goldrichtig gelegen

Dass das Kongresshaus dort, wo es ist, goldrichtig liegt, sagt eine im Mai diesen Jahres veröffentlichte Studie der Gottlieb Duttweiler Institute (GDI). «Die Lage am See und in Fussdistanz zur Altstadt ist einzigartig und nicht kopierbar», sagt Karin Frick vom GDI. Mit einer Renovation und der moderaten Erweiterung habe Zürich sehr gute Chancen, sich als Veranstaltungsort für mittlere Kongresse von 600 bis 1000 Teilnehmenden zu profilieren. Sie sieht vor allem einen Schwerpunkt bei Angeboten aus den Bereichen Bildung und Wissenschaft. Für Riesenkongresse für über 5000 Personen sei die Stadt zu klein.

Stephan Netzle argumentiert weiter, dass eine solche Erweiterung vor Ort nicht nur Zeit und Kosten spare, sondern der Stadt auch Spielraum für eine sorgfältige weitere Planung schaffe. Zudem würde die Realisierung eines Neubaus wohl 15 bis 20 Jahre dauern. «Zürich kann sich in der Zeit nicht einfach als Kongressstadt verabschieden.» Die Erweiterung soll im Rahmen der Renovation stattfinden und 2017 abgeschlossen sein. Die Renovation und der Betrieb der Tonhalle werden durch das Projekt nicht tangiert.

Stadt nimmt zur Kenntnis

Die Betriebsgesellschaft ist im Kongresshaus eingemietet, sie möchte den Mietvertrag, der im August 2014 abläuft, verlängern. Besitzerin ist die Kongresshaus-Stiftung – drei der sieben Stiftungsräte werden von der Stadt besetzt. Der Vorschlag wurde der Stiftung und der Stadt Zürich unterbreitet. Stiftungsratspräsident Alfons Sonderegger erklärt, dass die Stiftung den Vorschlag «zur Kenntnis genommen habe». Sie werde ihn im Zusammenhang mit der Kongresshausstrategie, welche die Stadt derzeit erstellt, betrachten. Der Bericht wird Ende Juni erwartet.

Erstellt: 13.05.2013, 14:31 Uhr

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