«Es ist eine emotionale Sache»

Toni Bortoluzzi weiss, dass es keine Passivmitgliedschaft bei der SVP gibt. Sein Brief an SVP-Präsident Alfred Heer sei mehr Ausdruck einer neuen Haltung gegenüber der Partei. Von einem Austritt will er nichts wissen.

Will sich nicht mehr für die SVP zerreissen: Toni Bortoluzzi.

Will sich nicht mehr für die SVP zerreissen: Toni Bortoluzzi. Bild: Keystone

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In der Zürcher SVP tobt der Kampf der Generationen. Zum Ausdruck gekommen ist er jüngst mit dem Brief des 65-jährigen Nationalrats Toni Bortoluzzi an Kantonalpräsident Alfred Heer. Das Schreiben ist am Wochenende publik geworden. Er sei ab jetzt nur noch Passivmitglied der SVP und überweise den Mitgliederbeitrag nicht mehr der kantonalen, sondern der Ortspartei Affoltern am Albis, schrieb Bortoluzzi.

Nationalrat und Parteikollege Christoph Mörgeli weist gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet darauf hin, dass die SVP den Status Passivmitgliedschaft gar nicht kennt. «Alle müssen aktiv am Karren ziehen, die Schweiz hat genug grosse Probleme», sagt er. Das gehe passiv nicht. Als Aufruf an Bortoluzzi, aus der Partei zurückzutreten, will Mörgeli seine Aussage nicht verstanden wissen. Ohnehin handle es sich um Interna, die er nicht kommentiere.

Mörgeli liess Bortoluzzi alt aussehen

Mörgeli ist einer der Gründe für den Ärger Bortoluzzis. Er hatte zusammen mit Kantonsrat und PR-Fachmann Gregor Rutz mit einem Überraschungsauftritt an der SVP-Delegiertenversammlung am 24. April dafür gesorgt, dass Schreiner Bortoluzzi mit seiner Ja-Parole zur Managed-Care-Vorlage mit abgesägten Hosen dastand. Denn Gesundheitspolitiker Bortoluzzi hatte zuvor seine Fraktion und den Nationalrat auf die Vorlage eingeschworen.

Bortoluzzi sagte heute Montagmorgen am Telefon lachend, er wisse natürlich, dass es keine Passivmitgliedschaft gebe in der SVP. Die Diktion sei mehr Ausdruck einer inneren Abkehr: «Es ist eine emotionale Sache», erklärt Bortoluzzi. Er sei fast 30 Jahre lang ein sehr aktives Parteimitglied gewesen, nun stehe er der kantonalen SVP «weniger zur Verfügung». Ein Parteiaustritt sei aber kein Thema.

«Es gibt noch andere Gründe»

Zu den Gründen für seinen Schritt nannte Bortoluzzi die genannte Delegiertenversammlung in Gossau ZH. Es gebe aber zudem auch andere Gründe. Präziser wollte er jedoch nicht werden. Bortoluzzi politisiert seit 21 Jahren für die SVP im Nationalrat und ist in Gesundheitsfragen über alle Parteien hinweg respektiert.

Eine herbe Niederlage erlitt er 2005, als er Nachfolger des von der Partei weggemobbten SVP-Regierungsrats Christian Huber werden sollte. Im ersten Wahlgang wurde er von CVP-Mann Hans Hollenstein geschlagen, worauf ihn die Parteispitze prompt und unzimperlich für den zweiten Wahlgang durch den unbekannten Bruno Heinzelmann ersetzte. Im letzten Herbst wurde er von den SVP-Wählern auf der Nationalratsliste von Platz 4 auf Platz 8 zurückgestuft. Immerhin erzielte Bortoluzzi 6551 Stimmen mehr als der 40-jährige Rutz, dessen Rang 12 ihn zum ersten Ersatzmann machte.

Bortoluzzi bleibt aus Verärgerung

Längst ist es kein Geheimnis mehr, dass in der Zürcher SVP die Jungen nachdrängen. Als Symptom dafür kann gewertet werden, dass die SVP-Wähler im Oktober 2011 die damals 35-jährige Natalie Rickli vor Christoph Blocher (damals 71) auf Rang 1 setzten. Doch die Älteren wehren sich. Die nachdrängenden Jungen um Parteipräsident Heer (51) bewirkten bei der alten Garde viel eher verärgerte Abwehrreaktionen.

So sagte Bortoluzzi bereits im Juni, dass er trotz gegenteiliger Absicht seine vierjährige Amtzeit in Bern beenden werde. Und Max Binder (65) sagte dem «Sonntag»: «Wann ich zurücktrete, entscheide ich und niemand anderes. Und nicht jetzt.» Ebenfalls im Visier haben die Jungen neben Hans Fehr (65) und Hans Kaufmann (64) auch Bruno Zuppiger (60). Der zurückgezogene Bundesratskandidat ist in der Partei isoliert, weil unsicher ist, ob er zurücktritt, wenn die Staatsanwaltschaft ihn wegen einer Erbstreitigkeit anklagt.

Druck auf Schibli

Ebenfalls nicht in die Karten blicken lassen will sich Ex-Nationalrat Ernst Schibli. Der 60-Jährige ist im letzten Oktober abgewählt worden und landete auf Platz 13 der SVP-Liste – nur 171 Stimmen vor dem 46-jährigen Polit-Newcomer Thomas Matter, der viel in seinen Wahlkampf investiert hatte.

Den finanzstarken Banker sähe die Parteileitung wie den smarten früheren SVP-Generalsekretär Rutz gerne in Bern. Schibli sagt über einen allfälligen Verzicht nachzurücken: «Zwei Nationalräte müssten zurücktreten. Das ist nicht der Fall. Deshalb stellt sich die Frage heute nicht.» Er habe keinen Plan, so Schibli.

Erstellt: 10.09.2012, 11:35 Uhr

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