Ex-Chefbeamter macht als Privater dasselbe wie früher beim Kanton

Bruno Sauter war eine Art staatlicher CEO. Nach seinem Abgang beim Zürcher Amt für Wirtschaft gründet er eine Firma für Krisenberatung – und landet prompt im Bürokratie-Dschungel.

«Könnte man so sagen»: Bruno Sauter gründet staatliches Spin-off.

«Könnte man so sagen»: Bruno Sauter gründet staatliches Spin-off. Bild: Marc Dahinden

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Noch ist die Firma mit Sitz in Maur nicht offiziell gegründet. Beim Telefongespräch ist Bruno Sauter gerade auf dem Weg zur Bank, um einige Dokumente zu unterzeichnen. Er lacht, weil er sich nun im Labyrinth der Bürokratie wiederfindet, über das er einst als Chef wachte.

«Die Behörden behaupten, heutzutage könne man eine Firma problemlos online gründen», sagt Sauter. «Aber leider funktioniert das überhaupt nicht. Jetzt fahre ich eben umher, von Amt zu Amt.» Der 53-Jährige geht davon aus, dass die Firma in den kommenden 14 Tagen registriert wird.

Sauter bietet sich mit seiner neuen Firma SAB Management GmbH als selbständiger Krisenmanager und Coach für Unternehmen an. Auch Moderationen will er übernehmen. «Das, was ich beim Amt gemacht habe, tue ich jetzt privat», sagt Sauter. «Ich glaube, ich habe nicht so schlecht gearbeitet.» Er wolle seine Vielseitigkeit und sein Netzwerk nutzen. Ein Bruno Sauter als staatliches Spin-off? «Könnte man so sagen», meint Sauter.

«Deputy Minister»

Bruno Sauter war einer der mächtigsten Beamten von Zürich. Während 14 Jahren leitete er das kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit mit 900 Angestellten. Darunter fallen Bereiche wie das Arbeitsamt, die Standortförderung oder die Arbeitslosenkasse. Als Herr über den grössten Wirtschaftsraum der Schweiz schuf er sich den Ruf eines geradlinigen, dominanten Chefs vom Typ charmanter Feldmarschall. Die NZZ nannte ihn einmal einen «machtbewussten CEO im Beamtenkleid».

Sauter schien beinahe unantastbar. Er konnte es sich erlauben, die Regierung öffentlich zu kritisieren. So nahm er sich einst den ehemaligen grünen Baudirektor Martin Graf zur Brust, weil Graf die 1:12-Initiative intern bewarb. Für sein Ausscheren kassierte Sauter lediglich einen Verweis. Weiter nahm er Einsitz im Verwaltungsrat einer IT-Firma, an die der Kanton Aufträge erteilte. Und bei Reisen ins Ausland gab er sich als «Deputy Minister» aus, was so viel wie Vizeminister bedeutet.

Plötzlicher Abgang

Doch im Juni 2019 räumte er von einem Tag auf den anderen sein Büro. Offiziell war er krankgeschrieben. Im September dann schliesslich ging er definitiv. Über die Gründe vereinbarte man Stillschweigen.

Es ist allerdings ein offenes Geheimnis, dass sich Bruno Sauter mit seiner Chefin, Regierungsrätin Carmen Walker Späh, überworfen hat. Obschon beide Mitglieder der FDP sind und er als langjähriger Gemeindepräsident von Maur Exekutiverfahrung hat, seien sie charakterlich nicht miteinander ausgekommen, berichteten Medien damals.

Erstellt: 10.01.2020, 10:57 Uhr

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