Ex-Mossad-Chef ist in Zürich tätig

Der ehemalige israelische General Meir Dagan arbeitet für eine Beratungsfirma. Er warnt vor einem Angriff Israels auf den Iran.

Meir Dagan 2011 mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu (r.). Der 67-jährige Dagan diente 32 Jahre lang in der israelischen Armee. Von 2003 bis 2011 leitete er den Geheimdienst Mossad.

Meir Dagan 2011 mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu (r.). Der 67-jährige Dagan diente 32 Jahre lang in der israelischen Armee. Von 2003 bis 2011 leitete er den Geheimdienst Mossad. Bild: Keystone

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Die Branche gilt als verschwiegen. Wer für Firmen und Regierungen geopolitische Risikoanalysen durchführt, sucht nicht die Öffentlichkeit. Umso mehr erstaunt es, dass Arcanum (lateinisch für «Geheimnis»), eine internationale Beratungsfirma mit Sitz in Zürich, gestern über ihre neuste Personalie informierte: Meir Dagan ist ab sofort für den Beirat der Firma tätig. Dagan war acht Jahre lang Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad. Im Januar 2011 wurde er pensioniert.

Eine Festanstellung hat der 67-Jährige nicht. «Meir Dagan wird für bestimmte Fälle beigezogen, seine Erfahrungen als General sind etwa im Rüstungsbereich sehr wertvoll», sagt Firmensprecher Thomas Landgraf. Hinter der plötzlichen Offenheit stecken auch wirtschaftliche Interessen. Mund-zu-Mund-Propaganda sei zwar wichtig, doch ein wenig mehr Publizität könne nicht schaden, sagt Landgraf. Der Sitz von Arcanum liegt an bester Adresse: im weissen Schloss am General-Guisan-Quai. Ein eigenes Büro ist für den Ex-Mossad-Leiter nicht vorgesehen.

Kritiker eines Iran-Angriffs

Während seiner Zeit als Geheimdienstchef war Dagan äusserst verschwiegen. Seit der Pensionierung meldet er sich dafür umso lauter zu Wort und warnt vor einem möglichen Angriff Israels auf die Atomanlagen des Iran. Ein solcher würde einen regionalen Krieg provozieren.

Dagan erklärte ihn zum «dümmsten Einfall», von dem er je gehört habe. Als Mossad-Chef versuchte er, das iranische Atomprogramm mit subtileren Mitteln zu verzögern. Dagan setzte aufs Täuschen, Töten und Sabotieren. Dazu zählte das gezielte Liquidieren iranischer Atomwissenschaftler wie auch der wohl vom Mossad gesteuerte Einsatz des Computerwurms Stuxnet.

«Einzigartig darin, einen Araber von seinem Kopf zu trennen»

Dagan, der zuvor 32 Jahre lang in der Armee diente, wurde wegen seiner direkten Art bewundert und gefürchtet. Ein spezielles Lob erhielt er 2002 anlässlich seiner Ernennung zum Geheimdienstchef vom damaligen Premierminister Ariel Sharon: «Dagan ist einzigartig darin, einen Araber von seinem Kopf zu trennen.»

Die beiden Männer kennen sich seit den frühen 70er-Jahren und kämpften damals Seite an Seite im Jom-Kippur-Krieg. Dagan war so lange Chef des Geheimdienstes wie niemand zuvor. Ihm gelang es, das Image des Mossad aufzupolieren. Doch am Ende seiner Amtszeit häuften sich die Pannen. Besonders kritisiert wurde er für die Tötung eines Hamas-Waffenhändlers in Dubai.

Erstellt: 23.02.2012, 07:34 Uhr

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